Theaterverein Staffeleggtal
Als Souffleuse ist sie lieber hinter den Kulissen als im Rampenlicht

Annemarie Keller steht zum 20. Mal als Souffleuse hinter der Bühne. Im Interview erzählt sie, wann sie ins Schwitzen kommt und was ihr schwierigster Einsatz war.

Karin Pfister
Drucken
Teilen
Annemarie Keller hilft, wenn die Schauspieler sie brauchen.

Annemarie Keller hilft, wenn die Schauspieler sie brauchen.

Karin Pf

Das Publikum sieht sie während des ganzen Stücks nicht und optimalerweise hört es sie auch nicht. Trotzdem geht ohne sie gar nichts: Annemarie Keller, Souffleuse beim Theaterverein Staffeleggtal. Sie ist von der ersten Probe an immer mit dabei und kennt den Theatertext besser als alle andern.
Annemarie Keller, was macht eine Souffleuse genau?
Annemarie Keller: Ich bin hinter der Bühne und lese immer mit. Dabei bin ich immer etwas weiter mit Lesen als die Schauspieler mit dem Text. Wenn ein Theaterspieler den Text vergisst, versuche ich, ihm das richtige Stichwort zuzuflüstern. Einerseits soll ich laut genug sein, damit der Spieler mich hört, aber doch nicht zu laut wegen des Publikums. Zu meinen Aufgaben gehört auch viel Organisatorisches während der Proben wie die Verpflegung der Spieler und das Bereitstellen von Requisiten.

Zur Person

Einflüsterin

Annemarie Keller wohnt in Hornussen und ist Mutter von vier erwachsenen Kindern. Sie war 16 Jahre lang als Leiterin bei den Stafikids tätig, bevor sie aus Zeitgründen aufgehört hat. Annemarie Keller souffliert in diesem Jahr zum 20. Mal für den Theaterverein Staffeleggtal.

Möchten Sie nicht lieber selber im Rampenlicht stehen?
(lacht) Nein, mir gefällt es gut hinter der Bühne. Es ist allerdings so, dass ich im Ernstfall, wenn eine Spielerin sehr plötzlich erkranken würde, einspringen müsste, da ich den Text gut kenne und weiss, wer wann wo auf der Bühne steht und welche Bewegungsabläufe gemacht werden müssen. Zum Glück ist der Ernstfall noch nie eingetreten. Es kommt vor, dass Spielerinnen krank werden. Aber solange eine Spielerin stehen kann, spielt sie. Wenns sein muss, halt auch mit Fieber. Die Spieler haben sich so lange und intensiv auf das Stück vorbereitet; da wollen sie auf keinen Fall an der Aufführung fehlen.
Wann geraten Sie ins Schwitzen?
Wenn ich an der Aufführung merke, dass die Spieler ein Durcheinander machen mit dem Text und zum Beispiel ganze Seiten überspringen. Da wird es schwierig, das richtige Stichwort einzuwerfen. Es gibt immer diese Schlüsselstellen, die in den Proben nie richtig klappen. Da bibbere ich an der Aufführung besonders mit. Dann funktionieren die Schlüsselstellen meistens ohne Probleme, dafür gibt es andernorts ein Durcheinander. Und es sind nicht alle Spieler gleich. Einige sind flexibel und es gelingt ihnen mühelos, zurück in die Szene zu finden, auch wenn der Kollege etwas Falsches gesagt hat. Andere sind verwirrt, wenn ihr Stichwort nicht kommt, und wissen dann nicht weiter.
Sitzen Sie während der Aufführung die ganze Zeit konzentriert hinter den Kulissen?
(lacht) Nein, ich stehe und gehe. Manchmal bin ich ziemlich «in action» und kann gar nicht ruhig sitzen bleiben. Hin und wieder kommt es auch zu Spontaneinsätzen, weil mit den Requisiten etwas nicht wie geplant abgelaufen ist.
Was machen Sie, wenn die Spieler Ihre Hilfe gar nicht hören, weil sie einen Aussetzer haben?
Manchmal hilft dann ein anderer Spieler weiter und gibt das Stichwort. Wenn gar nichts mehr funktioniert, sage ich sehr laut und deutlich, wie es weitergeht, auch wenn das Publikum das natürlich auch mitbekommt. Aber in diesem Moment ist nur wichtig, dass alle wieder ins Stück hineinfinden und weiterspielen können.
Wie oft braucht es Sie während einer Aufführung?
Am besten gar nie. Es gibt natürlich viele Aufführungen, an denen ich keinen einzigen Einsatz habe. An den Aufführungen bin ich vor allem vorher gefragt. Ich bin zwar auch sehr nervös, muss gegen aussen aber wie der ruhige Pol wirken.
Haben die Spieler Rituale gegen das Lampenfieber?
Jeder hat seine Strategie. Die einen brauchen Schoggi, andere beruhigen die Nerven mit homöopathischen Notfalltröpfli. Wir hatten einen Spieler, der immer einen Coupe Dänemark essen musste, bevor er auf die Bühne konnte. Einige stossen mit einem Schluck Alkohol an. Ich muss dazu sagen, dass es bei diesem einen Schluck bleibt. Mit zu viel Alkohol verschlimmert man die Situation, statt sie zu verbessern.
Erinnern Sie sich noch an Ihren schwierigsten Einsatz?
Ja, das war während meines ersten Stückes als Souffleuse. Wir hatten damals noch diesen Souffleusenkasten vor der Bühne und ich sass darin. Ein Spieler musste während des Stückes über die Bühne rollen. Dabei hat er die Schulter ausgerenkt. Ich sah ihn da auf der Bühne liegen und schneeweiss werden und konnte nichts tun. Er hat dann weitergespielt und die Schulter in der Pause wieder eingerenkt.
Was ist das Beste am Soufflieren?
Ich mache es einfach gerne und finde es schön, dass ich helfen kann, wenn es mich braucht.

Das Stück

Rente gut, alles gut

Kurt hat seinen Job verloren und seine Frau weiss nichts davon. Sein ehemaliger arbeitsloser Untermieter ist nach Kanada ausgewandert. Irrtümlich werden dessen Unterstützungsgelder nun an Kurt ausbezahlt, was diesen auf eine geniale Idee bringt: Künftig bestreitet er sein Einkommen damit, zahlreiche unterstützungsbedürftige Untermieter zu erfinden. Das geht so lange gut, bis das Sozialamt vor der Türe steht. «Rente gut, alles gut», heisst die diesjährige Aufführung des Theatervereins Staffeleggtal. Regie führen Markus Schmid und Werner Gasser. Die Aufführungen finden vom 28. bis 30. April und vom 5. bis 7. Mai im «Fricks Monti» statt (www.theaterverein-staffeleggtal.ch). (kpf)

Aktuelle Nachrichten