Kuscheliges Fell, kleine Knopfaugen oder maunzende Tierlaute: Tiere werden in der Regel sehr emotional wahrgenommen. Ob diese Zuneigung auch für den Fisch gilt, sei einmal dahingestellt.

Zweifelsohne war der Fisch aber vor allem in Laufenburg und Säckingen früher sehr wichtig. Und zwar − das mag jetzt etwas grob klingen − allein aus wirtschaftlichen Gründen. Denn am Hochrhein wurde in den vergangenen Jahrhunderten ein reger Handel mit Fisch betrieben.

Laufenburg liegt an einem besonders engen Abschnitt des Rheins und war von daher sehr günstig für den Fischfang, da die Stromschnellen den Zug wandernder Fische verlangsamten. Die Fischerei ist der älteste Erwerbszweig der Laufenburger.

Vor allem der Lachs, der hier tonnenweise gefangen wurde, liess sich gut an Feinschmecker selbst in weit entfernte Grossstädte verkaufen und sorgte viele Jahrhunderte lang für ein gutes Auskommen.

Von der Fischerzunft zur Fasnachtszunft

Erst als der Rhein seine Vorreiterfunktion als Verkehrsweg an die Eisenbahn verlor und im Jahr 1914 auch noch ein grosses Wasserkraftwerk bei Laufenburg gebaut wurde, verlor die seit dem Mittelalter bedeutsame Salmfischerei an wirtschaftlicher Attraktivität.

Durch diese Eingriffe der Wassertechnik und der Energiewirtschaft ging den Fischern selbst und damit auch der jahrhundertealten Berufsvereinigung der Fischer die Daseinsberechtigung verloren.

1924 wurde die ursprüngliche Fischerzunft als Fasnachtszunft neu gegründet und stellte dem Zunftnamen das Attribut «Alt» voran − eine ehrende Erinnerung an die gemäss einer Legende anno 1386 gegründete Ursprungsvereinigung: Narro-Alt-Fischerzunft 1386 Laufenburg.

Bis heute ist es ein grosses Verdienst der Narro-Alt-Fischerzunft 1386, dass sie das närrische Geschehen als eine Zunft (mit zwei Zunftmeistern) im schweizerischen wie im badischen Laufenburg von der Tschättermusik bis hin zum traditionellen Narrolaufen grenzüberschreitend organisiert.

Und die Erinnerung an die frühere Salmfischerei lebt weiter mit dem sogenannten Anlanden und Umhertragen des Salms durch die Zunft zur Eröffnung der Städtlefasnacht am dritten Faissen. Die Gastronomen der Stadt haben zudem die kulinarischen Salmwochen ins Leben gerufen.

Säckinger Fischer, Flösser und Schiffer

Ebenfalls spannend ist das eispiel Säckingen, denn auch dort sorgten Fischerei, Flösserei und Schifffahrt für ein stabiles wirtschaftliches Grundgefüge der Stadt. Um die drei Berufsstände hatte sich ein streng reglementiertes Zunftwesen entwickelt: die Rheingenossenschaft.

Diese Zunft, mit dem Rheinvogt an der Spitze, war bis zu ihrer Auflösung 1879 berechtigt, die Fischerei auszuüben sowie Schiffe und Flösse auf dem Rhein zwischen Bad Säckingen und Basel zu führen. Für diese Dienste musste gelöhnt werden, was den Wohlstand der Stadt mehrte.

Erst mit dem Bau der Rheinkraftwerke Rheinfelden, Laufenburg und Augst-Wyhlen verlor die Fischerei an Bedeutung. Die bis heute zum Säckinger Stadtbild zählende Fischergasse, die Rheinbadstrasse und der Gallusturm bildeten einst so etwas wie das Säckinger Rheinviertel, in dem die Rheingenossen wohnten.

Der Rheingenosse Klemens Elgg baute sich 1717 an der Fischergasse 12 ein Haus, das man bis heute kennt: das Haus Fischerzunft. Die Lebensverhältnisse in der Fischergasse waren damals keineswegs bürgerlich, sondern sehr einfach. In einem Anbau des Haus Fischerzunft wurden seinerzeit sogar Schweine und Kühe gehalten.

Heute befindet sich im denkmalgeschützten Haus der Verein Haus Fischerzunft, der mit unterschiedlichen Ausstellungen kulturelle und stadtgeschichtliche Vorhaben unterstützt und kreativen Menschen einen Raum bietet.

Immer wieder stellen private Künstler ihre Werke aus, aber auch das Säckinger Stadtarchiv präsentiert eine grosse Bandbreite an historischen und kulturgeschichtlichen Themen, voriges Jahr etwa mit der Ausstellung «Fremdlinge − Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg in Säckingen».

Und so bleibt der Fisch − närrisch oder kulturell − bis heute im Bewusstsein der Region um Laufenburg und Bad Säckingen erhalten.