Rheinfelden

Allerlei Skurriles in den heiligen zwölf Raunächten

Wotan der Rheinfelder Raunacht.

Wotan der Rheinfelder Raunacht.

Mit Feuerwerksböllern und Posaunengeheul kam Wode (Wotan, in der Person von Schauspieler Klaus Millmeier) in Rheinfelden an. Es war in einer der zwölf Raunächten zwischen Weihnachten und dem 6. Januar.

Seine kläffende Hundemeute war dem Gott der Kriege im Laufe der vergangenen Jahrhunderte abhandengekommen, deshalb delegierte er deren akustische Aufgaben bei seiner Ankunft am Haus Salmegg am deutschen Rheinufer sofort weiter an die zahlreichen Gäste, die schon ungeduldig auf ihn warteten. Wotan, der Keltengott, hatte eingeladen zu einer länderübergreifenden schauspielerischen Führung, bei der er Brauchtum, Riten, Aberglauben, Skurriles und allerlei Fürchterliches aus den zwölf Raunächten präsentierte.

Die Nächte nach Weihnachten

Raunächte, das sind die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar. Eine Zeit, in der die Mythologie weitverbreitet ist und die Gesetze der Natur ausser Kraft gesetzt seien, erklärte Wotan mit finsterer Miene. Die Grenzen zu anderen Welten fallen, es gehe unheimlich zu und deshalb sei es angeraten, stets auf der Hut zu sein. Besonders solle man die Nächte der Wintersonnenwende, Weihnachten, Silvester, Neujahr und Epiphanie im Auge behalten. Die Herkunft des Namens Raunächte ist nicht ganz klar, es könnte etwas mit ausräuchern zu tun haben, aber auch mit dem Fell der Tiere (Rauchwaren), das sich die wilden Geister umhängten.

Für die Kelten war die Wintersonnenwende ein ganz besonderer Tag, an dem sie die Wiederkehr der Sonne feierten. Das Christentum jedoch hatte diese magischen Rituale nach und nach verdrängt. Dennoch gibt es das alte Brauchtum der Raunächte bis heute in vielen Kulturen, auch in der Schweiz.

Kreuz und quer durch die Altstadt

Vom deutschen Rheinufer führte Wotan seine Gäste über die alte Rheinbrücke hinüber in die stimmungsvoll beleuchtete Altstadt auf der Schweizer Seite. Es ging kreuz und quer durch die malerischen verwinkelten Gassen, vorbei an Brunnen und Gotteshäusern. Zwischendurch gab es immer wieder etwas über das Brauchtum zu hören, stets versetzt mit spöttischen Seitenhieben. Da war zum Beispiel die Sache mit der Geisteraustreibung und den nicht unbedingt ernst zu nehmenden wahrsagerischen Praktiken. Insgesamt soll es für die Zeit der Raunächte 900 unterschiedliche Bräuche geben. Anleitungen für die züchtige Hausfrau, Bauernregeln sowie gute Ratschläge für die Gesundheit. Eine Hagebutte zum Beispiel schweigend in der Neujahrsnacht gegessen und man bleibt von jeglicher Krankheit verschont. Es gab Geschichten zum Schreckenläuten, dem Neunerholz, vom Befragen der Orakel in der Silvesternacht (unter anderem mit Blei giessen) oder den Prophezeiungen aus Erdlöchern, aus denen man vorher einen Zaunstecken gezogen haben muss.

Herzhaft gelacht wurde bei den Tipps zur Beförderung der Liebe oder der Vorausbestimmung des Geschlechts bei der Zeugung eines Kindes. Hinter vorgehaltener Hand war von Wotan zu vernehmen: «Unentdecktes Stehlen bleibt auch im kommenden Jahr folgenlos.» Glück bringe es, die Stube nackt auszufegen, Fenster und Türen geschlossen zu halten, damit die Dämonen und Hexen nicht in das Haus eindringen.

Zum guten Schluss gab es von Wotan noch eine Geschichte von einer verwunschenen, natürlich wunderschönen Prinzessin hoch in den Bergen. Die Holde konnte dann mithilfe des am Rundgang beteiligten Publikums rasch erlöst werden, bevor der spannende Abend ausklang.

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