Wahlen

31 Jahre durchgehend in Bern vertreten: Das Fricktal und die Reimann-Frage

Zehn Fricktaler sind für den Nationalrat nominiert, die CVP entscheidet noch – und alle warten auf Maximilian Reimann. Seit 31 Jahren ist die Region ununterbrochen im eidgenössischen Parlament vertreten.

Das Fricktal ist verwöhnt. Seit 31 Jahren ist die Region ununterbrochen im eidgenössischen Parlament vertreten – dank Maximilian Reimann. Der SVP-Politiker aus Gipf-Oberfrick wurde 1987 in den Nationalrat gewählt, sass von 1995 bis 2011 im Ständerat und ist seither wieder in der grossen Kammer aktiv. Zeitweise, von 1990 bis 1999, war das Fricktal sogar doppelt in Bern vertreten: Neben Reimann sass Peter Bircher für die CVP im Nationalrat; er wurde 1999 nicht wiedergewählt.

Nun aber taucht der Name Reimann nicht mehr auf der SVP-Liste auf. Er verzichtete auf eine erneute Kandidatur, nachdem die SVP Aargau die Nominationsbedingungen verschärft hat. Wer älter als 63 oder länger als 16 Jahre im Amt ist, – muss am Parteitag eine Zweidrittelmehrheit erreichen. Reimann ist 76 und seit 31 Jahren im Amt.

Dennoch dürfte das Fricktal auch künftig in Bern vertreten sein – wiederum dank Maximilian Reimann. Denn der Vorkämpfer für die Senioren werkelt im Hintergrund seit Monaten an einer Seniorenliste. Dieses «Projekt eines parteiunabhängigen Think-Tanks» setzt sich dafür ein, dass die Wähler die Möglichkeit haben, «älteren Semestern ihre Stimme zu geben», so Reimann.

Ob die Liste zustande kommt und wer darauf steht – neben Reimann ist Partei- und Ratskollege Luzi Stamm ein heisser Anwärter – will Reimann noch nicht sagen. Man werde über den Stand des Projektes informieren, sobald man den vollen Überblick über die wichtigsten Nationalratslisten habe.

Reimann macht eine Seniorenliste auch davon abhängig, ob die anderen Parteien Kandidaten im AHV-Alter aufstellen. Das tun sie bislang nicht. Und da von den grossen Parteien einzig die CVP noch nicht nominiert hat, dürfte die Rentnerquote unter den Kandidierenden niedrig bleiben.

Dass es wohl zu einer Seniorenliste kommt, zeigen zwei andere Aussagen von Reimann. «Der Grundsatzentscheid ist gefällt; unser Projekt befindet sich auf der Zielgeraden.» Und: «Es ist vorgesehen, dass ich auf dieser Liste stehen werde.» Dadurch wäre, so Reimann, auch der Bezug zum Fricktal berücksichtigt.

Sein eigenes, nochmaliges Antreten macht Reimann denn auch vom Alter der Kandidaten auf den anderen Listen «und deren Wahlchancen» abhängig. Reimann ist überzeugt: «Auch der ältere Teil des Aargauervolkes und insbesondere das Segment, das sich bereits im AHV-Alter befindet, muss in Bern vertreten sein.» Er ruft in Erinnerung, dass in Deutschland Wolfgang Schäuble mit Jahrgang 1942 zum neuen Bundestagspräsidenten und in den USA Nancy Pelosi mit Jahrgang 1940 eben zur neuen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses gewählt worden seien. «Da gilt politische Erfahrung offenbar noch was.»

10 Fricktaler sind nominiert

Tritt Reimann nochmals an, hat er gute Wahlchancen. Bei den letzten Wahlen, 2015, holte er mit 80'557 Stimmen das viertbeste Ergebnis der Aargauer Deputation. Tritt er nicht wieder an, wird es wohl schwierig, den «Fricktaler Sitz» zu halten. Zwar kandidieren mindestens zehn Fricktaler für einen Sitz im Nationalrat. Ihre Wahlchancen sind aber als eher mässig einzuschätzen – auch, weil das Fricktal mit seinen 80 000 Einwohnern nicht die grösste Stimmkraft hat.

Während bei SVP, FDP, SP, Grünen und GLP (siehe Bildergalerie) bereits klar ist, welche Fricktaler auf den Listen stehen, sind die Kandidaten bei der CVP noch offen. Die Bezirkspartei Laufenburg hat Grossrat Werner Müller zuhanden des Parteitags nominiert, die Rheinfelder entscheiden am 6. Februar. Bezirksparteipräsident Alfons P. Kaufmann lässt durchblicken, dass man eine Frau und einen Mann nominieren wolle.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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