Möhlin

100. Geburstag – Robert Waldmeier macht immer noch Gymnastik

Robert Waldmeier feierte gestern seinen 100. Geburtstag in Möhlin.

Robert Waldmeier feierte gestern seinen 100. Geburtstag in Möhlin.

Robert Waldmeier feierte den 100. Geburtstag – Morgengymnastik ist für ihn ein Muss.

Es ist das Jahr, in dem die Februarrevolution die Zarenherrschaft in Russland beendet und aus der Sportart «Torball» das heutige Handball wird. In diesem Jahr, am 20. November 1917, wird Robert Waldmeier geboren. Auch im Alter von 100 Jahren lässt es sich der Möhliner nicht nehmen, Familie, Freunde und Gemeindevertreter in einer Ansprache zu seiner Geburtstagsfeier zu begrüssen. «Etwas einfach laufen zu lassen, ist nicht seine Art», sind sich seine drei Kinder, die bereits alle pensioniert sind, einig.

Dann steht der Jubilar auf und richtet seinen Blick zu seinen Gästen mit einem Notizzettel in der Hand: «Ich muss es mir nun aufschreiben, sonst bringe ich das nicht fertig», sagt Waldmeier, der die Heiterkeit und den Humor bis ins hohe Alter bewahrt hat.

Ein Grund hierfür ist der grosse Freundeskreis, auf den Robert Waldmeier durch sein Engagement in zahlreichen Vereinen und Organisationen – etwa als Stiftungspräsident der Werkstätte für Behinderte Fricktal – zurückreifen kann. Auch wenn es immer weniger werden, wie er bedauert.

Fitnesstraining bis 99 Jahre

Geistig fit hält sich Robert Waldmeier mit Jassen, dem Lesen von Zeitungen und Fernsehsendungen. Als Hochbetagter lernt er den Fitnessclub schätzen. «Er absolvierte dort bis ins 99. Altersjahr sein Programm», erzählt sein Sohn Erich Waldmeier. Ein Sturz zwang ihn dazu, das Training aufzugeben, die tägliche Morgengymnastik ist jedoch nach wie vor «ein Muss». Eine Alterswohnung braucht Waldmeier bis heute nicht. Er lebt in einer Eigentumswohnung, kocht und wäscht dort. Nur zum Putzen kommt jemand von Pro Senectute vorbei.

Robert Waldmeier sagt über sich: «Ich war ein Spätzünder.» Vorbilder habe er in jungen Jahren keine gehabt. Seinen Weg habe er selbst suchen und gestalten müssen. Sein Bruder Franz, der Architektur studierte, kümmert sich nicht sonderlich um den fünf Jahre jüngeren Robert. Als Robert fünf Jahre alt ist, stirbt sein Vater Louis. Somit wachsen die beiden Brüder in einem Alleinerziehungshaushalt auf. Die Mutter tut ihr Bestes, um die beiden Buben durchzubringen.

«Ein Schleier des Schweigens»

Erst in den letzten Jahren ist Robert Waldmeier bewusst geworden, dass er von seinem Vater keine Erinnerungen besitzt. Dies hinge damit zusammen, dass seine Mutter einen «Schleier des Schweigens» über seinen Vater legte. Nur ein einziges Mal habe sie mit ihm über seinen Vater geredet. «Robert, trink ja niemals! Der Louis würde heute noch leben, hätte er auf mich gehört», lautete ihre Aussage.

Nachdem Robert Waldmeier die Aufnahmeprüfung für das Lehrerseminar nicht besteht, arbeitet er im Lager und der Spedition der Bata Schuhfabrik. Robert Waldmeier will jedoch mehr: Er beginnt mit 18 Jahren eine kaufmännische Lehre beim Bezirksgericht Rheinfelden, die er 1939 abschliesst. Dann beginnt der Zweite Weltkrieg und er leistet im Aktivdienst als Fourier seine Pflicht. In den militärfreien Zeiten bildet er sich an der höheren kaufmännischen Berufsschule in Basel weiter. In die Zeit des Aktivdienstes fällt die Familiengründung im Jahr 1944 mit seiner Frau Erika. Insgesamt hat Robert Waldmeier drei Kinder, acht Enkel und zwölf Urenkel.

Aufstieg bis zum Firmen-Leiter

Im Jahr 1947 beginnt der berufliche Aufstieg von Robert Waldmeier beim damaligen Salmenbräu als Buchhalter. Mit Gewissenhaftigkeit und Engagement arbeitet er sich hoch und bekommt 1973 mit dem Eintritt des Salmenbräus in die Sibra Holding SA die Leitung der Firma bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1982 übertragen. Eine Laufbahn innerhalb der gleichen Firma, wie man sie heutzutage kaum noch findet.

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