Pandemie

Zum Coronatest müssen die Patienten über das Gerüst: Ein Besuch im Spital Muri

Sie sind gerüstet für die zweite Welle: Das Team der Intensivstation mit Beatrice Wyss (rechts).

Sie sind gerüstet für die zweite Welle: Das Team der Intensivstation mit Beatrice Wyss (rechts).

Im Spital Muri werden derzeit drei Coronapatienten stationär behandelt. Die «Aargauer Zeitung» hat sich – mit Sicherheitsabstand – ein Bild vor Ort gemacht.

Geräuschlos öffnet sich die Tür zur Intensivstation im Spital Muri. Dahinter ist es unerwartet ruhig. Wer sich eine Intensivstation wie jene in der Fernsehserie «Emergency Room» vorstellt, der staunt. Die Pflegenden arbeiten ruhig und konzentriert an dem Tisch, von dem sie freien Blick auf die drei Patienten in den benachbarten Zimmern haben. Immer im Blick haben sie ausserdem die Monitore, auf denen die lebenswichtigen Parameter der Kranken angezeigt werden. Es herrscht eine angenehme Atmosphäre, die Sonne leuchtet hell durch die Fenster, die Bäume davor stehen im bunten Herbstlaub.

«Wir sind zuversichtlich, dass wir auch die zweite Welle gut überstehen», sagt Beatrice Wyss, eine der diplomierten Expertinnen für Intensivpflege. Sie arbeitet noch nicht lange im Regionalspital Muri. Während der ersten Welle arbeitete sie auf der Intensivstation des Kantonsspitals in Aarau. «Das war eine anstrengende Zeit, wir hatten damals mehr Arbeit als üblich», blickt sie zurück. Aber müde oder gar erschöpft, wie man das in letzter Zeit immer wieder lesen konnte, fühle sie sich nicht.

Auf der Intensivstation stehen drei Betten leer, zwei davon sind für Coronapatienten vorgesehen. «Wir sind bereit», bestätigt Daniel Strub, CEO des Spitals, der sich für den Rundgang durch «sein» Spital viel Zeit nimmt. Drei Coronapatienten seien diese Woche stationär in Muri behandelt worden, erzählt er.

Der Notfallbetrieb wurde vom Testcenter getrennt

Deutlich mehr los ist auf der Coronateststation. Diese ist nicht mehr der hausärztlichen Notfallpraxis angegliedert. «Die Patienten mussten draussen auf ihren Test warten. Nun, da es kälter wird, geht das nicht mehr», sagt Strub. Mit der neuen Lösung habe man eine saubere Trennung zwischen Notfall und Testcenter. Letzteres ist in der ehemaligen Bettenstation im zweiten Stock des Hauptgebäudes untergebracht.

Dort steht genug Platz zur Verfügung, um die Patienten vom normalen Spitalbetrieb gesondert zu testen. Damit sich die anderen Patienten aber auch nicht im Spitaleingang mit Corona anstecken können, entwickelten Strub und sein Team ebenfalls eine Lösung. Den Eingang zum zweiten Stock erreicht man via Gerüst, das extra dazu aufgestellt wurde.

Die rund 70 Leute, die sich täglich testen lassen, betreten und verlassen das Spital so abgetrennt vom übrigen Publikumsverkehr. Die Positivitätsrate beträgt aktuell 13,4 Prozent. Neu kann man sich sieben Tage die Woche testen lassen. «Wir konnten dieses Angebot dank der Flexibilität unserer Mitarbeitenden innerhalb kurzer Zeit ins Leben rufen», freut sich Strub. Seit Beginn der Pandemie wurden rund 7000 Tests durchgeführt.

Ausgeklügelt: Eine separate Treppe führt zum Corona-Testcenter des Spitals Muri.

Ausgeklügelt: Eine separate Treppe führt zum Corona-Testcenter des Spitals Muri.

Maskenpflicht und Anmeldung mittels QR-Code auf dem Handy

Das sich aber auch im Freiamt die Welt im Ausnahmezustand befindet, das merkt der Besucher bereits beim Betreten des Spitalgeländes. Mit Plakaten wird darauf hingewiesen, dass auf dem gesamten Areal Maskenpflicht gilt. Vor dem Betreten des Spitals muss man sich via QR-Code auf dem Handy anmelden, wer das Spital verlässt, muss sich auf dieselbe Weise wieder abmelden. «So wissen wir, wer sich wie lange im Spital aufgehalten hat», sagt Strub, der früher als Arzt im Spital arbeitete und jeden Mitarbeiter beim Vornamen kennt.

Besucher sollen sich zudem die Hände beim Betreten einer Abteilung desinfizieren. Im Spital habe man das Hygienekonzept allerdings nicht anpassen müssen, «das ist unser Berufsverständnis, wir haben schon zuvor so gearbeitet», hält Strub fest. Profitiert aus den Erfahrungen aus der ersten Welle habe man aber insofern, als das Lager mit den notwendigen Materialien und Medikamenten aufgestockt werden konnte.

Die Mitarbeiter im Spital lernen, mit der Anspannung umzugehen

CEO Strub musste seinen Mitarbeitenden keinen Ferienstopp verordnen. Steht also alles zum Besten in Muri? Die Probleme, mit denen Strub zu kämpfen hat, sind andere. «Es ist wichtig, den Leuten eine Perspektive zu geben», erklärt er. Die Anspannung sei da und die zweite Welle könne plötzlich auch über das Spital Muri hereinbrechen, präzisiert er. Deshalb sei es umso wichtiger, dass nicht nur die Lagerbestände voll sind, sondern dass die Mitarbeitenden mental gewappnet sind für das, was kommen könnte. Es gelte, was man im Militär gelernt habe: «Warte und seckle», fügt er lachend an.

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