WOHLEN
Lesereise verschoben: Stefan Rey berichtet erst 2022 über seine neue Lebensqualität dank Ritalin

Stephan Rey aus Hägglingen will mit seinem Buch «Warum zum Teufel Ritalin?» Menschen mit ADHS Mut machen. Er zeigt die positiven Seiten des oft verteufelten Medikaments auf und enttabuisiert das Handicap ADHS. Die Lesung in der Gemeindebibliothek in Wohlen vom 23. September musste wegen Corona aber verschoben werden.

Andrea Weibel
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Stephan Rey aus Hägglingen liest erst im Januar/Februar 2022 in der Gemeindebibliothek Wohlen aus seinem Buch «Warum zum Teufel Ritalin?».

Stephan Rey aus Hägglingen liest erst im Januar/Februar 2022 in der Gemeindebibliothek Wohlen aus seinem Buch «Warum zum Teufel Ritalin?».

Andrea Weibel (5.3.2020)

Für Stephan Rey ist es eine ganz neue Erfahrung, dass er an einem verregneten Wochenende auf dem Sofa sitzen und ein Buch lesen kann. Auch das Autofahren war für ihn alles andere als gemütlich. «Fast mein ganzes Leben lang habe ich mich über alles aufgeregt.

Es ist für mich so schön zu merken, dass ich das heute nicht mehr muss», erzählte der 52-Jährige im März vor einem Jahr beim Interview. Stephan Rey hat das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS). Erst 2014 wurde dieses vererb- und unheilbare Syndrom bei ihm diagnostiziert. Gezeigt hatte es sich aber schon in seiner Kindheit.

Dass er heute eine «innere Ruhe» spüren kann, verdankt er vor allem einem: Ritalin. «Ich weiss, dass ich mit dieser Aussage anecke, dass viele wütend sein werden darüber. Aber es gibt mir so viel Lebensqualität, dass ich finde, die Öffentlichkeit soll aufhören, Ritalin generell zu verteufeln. In meinem Buch möchte ich jenen eine Stimme geben, die heimlich Ritalin nehmen müssen und sich dafür schämen.» So heisst sein Buch «Warum zum Teufel Ritalin?» – ein Titel, der ironisch gemeint ist, der fragt, warum Ritalin verteufelt wird, wenn es so viel Gutes bewirken kann.

Stephan Rey ist nicht generell für oder gegen die Wirkstoffkombinationen, die unter dem Markennamen Ritalin bekannt sind. Als Pflegefachmann weiss er über die Nebenwirkungen Bescheid. «Ich war immer irgendwo in der Mitte: Ich habe eine Ausbildung zum Bachblütentherapeuten gemacht, finde aber, dass man Leuten, die extreme Schmerzen haben, sofort Schmerzmittel geben muss.»

Dem heutigen Mitarbeiter der Psychiatriespitex ist wichtig, zu betonen: «Ritalin kann auch für Kinder gut sein, allerdings nie alleine. Es muss immer mit einer Verhaltenstherapie verbunden und genau abgestimmt werden. Kinder einfach damit ruhig zu stellen, ist vollkommen falsch. Das ist es nämlich, was sich viele Unbetroffene unter Ritalin vorstellen. Ruhigstellen ist eine falsche Art der Therapie.»

Am 23. September wollte Stephan Rey in der Gemeindebibliothek in Wohlen lesen und von seinen Erfahrungen und seinem Leben mit ADHS und Ritalin berichten. Dies musste nun aber aufgrund der Coronamassnahmen auf Januar/Februar 2022 verschoben werden.

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