Wohlen
Bezahlt Wohler ibw zu wenig für eingespeisten Solarstrom? IG Fairness möchte eine faire Rückvergeltung

Die neue IG Fairness fordert im Einzugsgebiet der Wohler Strom- und Wasserversorgerin ibw mehr Rückvergütung für Strom aus Fotovoltaikanlagen. Sie stellt verschiedene Fragen und zeigt Preisunterschiede auf. Die ibw erklärt dies.

Andrea Weibel
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Die ibw erklärt, wieso ein hoher Solarstrom-Rückvergütungstarif im Winter zwar gut klingt, aber kaum etwas bringt. (Symbolbild)

Die ibw erklärt, wieso ein hoher Solarstrom-Rückvergütungstarif im Winter zwar gut klingt, aber kaum etwas bringt. (Symbolbild)

Valentin Hehli

Wer sich im Aargau Sonnenkollektoren aufs Dach baut und den überschüssigen Strom ins Netz einspeist, erhält nicht überall gleich viel Geld. Eine Analyse der AZ im Februar zeigte, dass man in Gebenstorf 15,55 Rappen pro Kilowattstunde erhält, in Lenzburg mit 5,5 Rappen nur rund ein Drittel. Die Berner BKW bezahlten im vierten Quartal 2021 gar 22,86 Rappen.

In Wohlen und Umgebung ist es die ibw, die den eingespeisten Strom vergütet. Sie lag im Vergleich mit 7,71 Rappen pro Kilowattstunde im unteren Bereich. Das passt den Besitzenden von Fotovoltaikanlagen (FV-Anlagen) im ibw-Gebiet nicht. Sie haben sich zur Interessengemeinschaft Fairness (IGF) zusammengeschlossen.

Für faire Rückliefertarife für Sonnenstrom

Sie wollen sich für faire Rückliefertarife ihres FV-Stroms einsetzen: «Bereits seit längerer Zeit sind die tiefen Rückliefertarife für investitionsfreudige und umweltbewusste FV-Anlagebetreiber ein Ärgernis, verzögern diese doch die Amortisation jeder Anlage.» Sie zitieren aus dem Wohler Energieleitbild: «Wohlen schafft günstige Voraussetzungen für den vermehrten Einsatz von erneuerbaren und neuen erneuerbaren Energien, für Energieeffizienz und einen haushälterischen Umgang mit dem Boden.»

In der Eigentümerstrategie der Gemeinde zur ibw wird bis 2030 das Ziel von 30% erneuerbaren Energien und 3,5 Quadratmetern FV-Fläche pro Einwohner auf dem Gemeindegebiet aufgeführt. Mit ihrer Tarifpolitik verhindere die ibw dies. Sie schreiben: Es sei an der Zeit, die Rückliefertarife massiv anzuheben und eine den Grundsätzen der Gemeinde Wohlen entsprechende Tarifordnung zu etablieren. «Nur so kann erreicht werden, dass Private vermehrt in FV-Anlagen investieren.»

Doppelt so viele Anlagen als im Schweizer Durchschnitt

Auf Anfrage nimmt Peter Lehmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung der ibw, schriftlich Stellung. «Das Energiegesetz gibt vor, dass sich die Rückliefertarife nach den Marktpreisen richten.» Die ibw halte dies ein. Die IGF vergleiche die ibw-Tarife mit jenen der BKW. «Gerne möchten wir darauf hinweisen, dass die BKW ihre Rückliefertarife vierteljährlich berechnet, während sie bei der ibw für ein Jahr gelten.»

Der hohe Rückliefertarif von 22,86 Rp./kWh der BKW im 4. Quartal 2021 wirkt auf den ersten Blick attraktiv, «bringt aber den FV-Besitzern keinen monetären Vorteil, weil der (wenige) produzierte Strom für den Eigenverbrauch genutzt wird und gar nicht ins Netz gespeist wird», schreibt Lehmann.

«Im ersten und zweiten Quartal 2021 bewegten sich die Rückliefertarife der BKW gemäss Preisblatt ungefähr auf dem Niveau der ibw.»

Ein jährlich festgelegter Tarif bringe Planungssicherheit. In den nächsten Jahren werden die ibw-Rückliefertarife aufgrund der steigenden Marktpreise voraussichtlich ebenfalls erhöht. Wie hoch, ist noch unklar. Auch alle weiteren Argumente entkräftet die ibw. Beispielsweise: Die installierte Leistung pro Einwohner beträgt 0,6 Kilowatt, rund doppelt so viel wie der gesamtschweizerische Durchschnitt. Gerne nehme die ibw mit der IG aber noch persönlichen Kontakt auf.

Weiter schreibt Lehmann: «Der Vorwurf, dass die ibw den Ausbau der Fotovoltaik behindert, zielt ins Leere, wie die aktuellen Zahlen beweisen: Ende 2021 betrug die Gesamtfläche der Fotovoltaikanlagen in Wohlen 68'491 Quadratmetern, das sind 4,05 Quadratmeter pro Einwohnerin und Einwohner.»

Bezüglich FV-Fläche wurde die Vorgabe der Eigentümerin also bereits erreicht. «Die ibw selbst geht dabei mit gutem Beispiel voran: Ende 2021 betrieb die ibw 23 eigene Fotovoltaikanlagen, die im vergangenen Jahr 2,67 Millionen Kilowattstunden Strom produzierten. Dies entspricht in etwa dem Strombedarf von fast 600 Durchschnittshaushalten.»

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