Hägglingen

Wie die Fasnacht vor 40 Jahren mit einem Sarg beerdigt wurde

1974 feierte die neu gegründete Hächle-Zunft die Auferstehung der Hägglinger Fasnacht mit ihrem allerersten Umzug. Bildmitte: Alt Gemeindeammann Marcel Geissmann. zvg

1974 feierte die neu gegründete Hächle-Zunft die Auferstehung der Hägglinger Fasnacht mit ihrem allerersten Umzug. Bildmitte: Alt Gemeindeammann Marcel Geissmann. zvg

Die Gründung der Hächle-Zunft vor exakt 40 Jahren hat das närrische Treiben nachhaltig wiederbelebt. Vorher ging es mit der Fasnacht in Hägglingen aber lange nur bergab.

1972 starb die Hägglinger Fasnacht und wurde zu Grabe getragen. Im wahrsten Sinn des Wortes, denn die damalige Lehrerin Irène Bento marschierte bei einem Strassenumzug mit ihren Schülern schwarz gekleidet durchs Dorf, als Trauerzug führten sie einen Sarg mit der toten Fasnacht mit sich. «Das war tatsächlich der Tiefpunkt, die Fasnacht war damals im Dorf beinahe vergessen», erinnert sich die gebürtige Hägglingerin Silvia Strebel (68).

Silvia Strebel, das letzte Gründungsmitglied der Hächle-Zunft

Silvia Strebel, das letzte Gründungsmitglied der Hächle-Zunft

Doch die Beerdigung der Fasnacht wirkte: «Vielen wurde klar, dass die Fasnacht wiederbelebt werden muss. Einige Lehrerinnen und Lehrer nahmen den Trauerzug als Anstoss dafür.» Insbesondere Ernst Brun, Toni Imbach, Lisa Christen und Laszlo Simon trieben die Gründung einer Zunft voran, die sich fortan für die Kinderfasnacht einsetzen sollte: Aus der Asche der alten Fasnacht wurde die Hächle-Zunft geboren.

Unzählige Ideen umgesetzt

Von Anfang an war Silvia Strebel Schreiberin der Zunft und trainierte bald auch die Majoretten. «Die Zunft wurde im September gegründet, und bereits an der ersten Fasnacht im Februar setzten wir unzählige Ideen um», erinnert sie sich. «Es gab eine Inthronisation und einen Zunftmeister, einen Familien- und einen Kinderball sowie eine Strassenfasnacht. Schon bald wurden auch Musiker für eine Gugge gesucht, die wir vor allem in der Hägglinger Dorfmusik fanden. Und nach drei oder vier Jahren hatten wir sogar Majoretten.» Sofort wurde auch der Kontakt zu umliegenden Zünften hergestellt – «mit denen haben wir noch heute ein tolles Verhältnis», schwärmt Siglind Huber, seit vier Jahren Präsidentin der Hächle-Zunft.

«Seit der ersten Zunftfasnacht hat sich kaum etwas verändert», fasst Strebel zusammen. Noch immer organisiert die Zunft vor allem die Kinder- und die Familienfasnacht sowie alle zwei Jahre den Nachtumzug. Huber ergänzt: «Zudem koordinieren wir die verschiedenen Fasnachtsangebote.» Die eigentliche Zunftfasnacht findet jeweils am Abend der Inthronisation statt.

Die Oldies und ihr «Fagarettli»

Die Hächle-Gugger spalteten sich bald von der Zunft ab. Dafür bildeten die älteren Semester vor 22 Jahren die Oldies, eine Untergruppe der Hächle-Zunft. «Man muss sieben Jahre in der Zunft aktiv gewesen sein, bevor man den Oldies beitreten darf», erklärt Silvia Strebel, die als einziges Gründungsmitglied noch immer der Zunft angehört.

Die Oldies sind für die Prämierung am Familienball zuständig und helfen an den Umzügen. Am besten bekannt sind sie den Hägglingern aber von ihrer alljährlichen Beizenfasnacht. «Die ‹Wüelmüs›, die nicht zur Zunft gehören, treten dann immer mit ihren Schnitzelbänken auf, und wir Oldies zeigen unser ‹Fagarettli›», lacht Strebel. Die Übersetzung für Nicht-Hägglinger: Ein «Fagarettli» ist ein selbst geschriebenes Stück, das die zehn Mitglieder der Oldies jährlich in den Beizen aufführen. «Darin kommen Themen vor, die die Hägglinger das Jahr hindurch begleitet haben.» Derzeit ist Strebel wieder daran, das «Fagarettli» zu schreiben – das Motto lautet heuer «Lehrling-Chef». Am Fasnachtssamstag zwischen 14 und 17 Uhr treten die beiden Gruppierungen in den Restaurants Central, Wilder Mann, Kreuz und im Altersheim auf.

Ganze Familien als Sujets

Silvia Strebel hat schöne Erinnerungen an die letzten 40 Jahre in der Zunft. Sie war nicht ganz durchgehend Zunftmitglied, aber ist noch heute Fasnächtlerin mit Leib und Seele. Sie erklärt: «Es gibt zwei Sorten von Menschen: Die einen lieben die Fasnacht, die anderen hassen sie.» Das sei vollkommen in Ordnung. In Hägglingen gebe es sehr viele begeisterte Fasnächtler. «Das merkt man besonders an den Familienbällen, wenn ganze Familien verkleidet kommen.» Siglind Huber sieht dies ebenfalls als grosses Plus in Hägglingen: «Die Leute machen sich sehr viele Gedanken und nehmen teils sehr grosse Mühen auf sich, um die Kleider zu schneidern und all die Accessoires zusammenzutragen.» Beide können nicht sagen, ob die Hägglinger Fasnacht besser sei als jene andernorts. «Wir kennen nichts anderes», lachen sie, «aber für uns ist sie auf jeden Fall perfekt.»

Die neue Website www.haechle-zunft.ch steht ab nächster Woche mit sämtlichen Zunfthighlights 2013 zur Verfügung.

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