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Verschwinden jetzt auch die allerletzten Telefonkabinen?

Der Bestand ist schon heute auf ein Minimum geschrumpft, genutzt werden sie nur von jenen, die ihr Handy zuhause liegen gelassen haben oder diejendigen, die günstig ins Ausland telefonieren wollen. Doch die Kabine könnte bald Vergangenheit sein.

Eddy Schambron
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Telefonkabinen an weniger stark frequentierten Stellen sind selten geworden – wie etwa an der Hauptstrasse in Auw.

Telefonkabinen an weniger stark frequentierten Stellen sind selten geworden – wie etwa an der Hauptstrasse in Auw.

Eddy Schambron

Stellen Sie sich vor: Sie haben Ihr Handy zu Hause liegen gelassen. Und sie müssen dringend telefonieren und den Lieben mitteilen, dass Sie später nach Hause kommen. Wenn Sie in dieser Notlage glauben, das einfach aus einer öffentlichen Telefonkabine aus machen zu können, sind Sie entweder von gestern oder aber ein wirklicher Glückspilz und stehen zum Beispiel in Muri bei der Post, in Auw beim alten Gemeindehaus oder in Wohlen beim Bahnhof.

Aber auch wenn Sie das Handy dabei haben und der Akku voll ist, gehen sie nochmals oder – wenn Sie jünger sind – erstmals in ein sogenanntes «Publifon», solange es sie überhaupt noch gibt.

Dieses Jahr wird nämlich die Verordnung über Fernmeldedienste angepasst, was unter anderem bedeutet, dass Telefonkabinen nicht mehr zur Grundversorgung gehören. Damit werden die Glaskabäuschen wahrscheinlich ziemlich zügig aus der Landschaft verschwinden, einfach deshalb, weil sie nicht mehr rentieren. Dabei haben sie einmal eine ganz wichtige Rolle gespielt.

In Muri gab es früher beispielsweise bei der Post sogar vier Kabinen. Selbstverständlich konnte man auch beim Bahnhof, wie an fast allen Bahnhöfen, telefonieren. Ganz früher hingen da noch dicke Telefonbücher in speziellen Haltern, die meistens zwar etwas zerfleddert, aber doch intakt waren.

Auch die Hörer lagen in der Regel funktionstüchtig in der Gabel. An manchen Abenden waren die Telefonkabinen stundenlang besetzt, von Ausländern, die hier lebten und zu günstigen Tarifen mit Verwandten in der fernen Heimat kommunizierten.

Es war die Zeit, als man noch einen Termin verbindlich abmachte: «Also, um 19 Uhr an der Kreuzung Rössligasse/Schmittenstrasse.» Und man sicher sein konnte, dass Fritz oder Sepp, Sandra oder Monika auch tatsächlich um 19 Uhr da waren – nicht zuletzt deshalb, weil man nicht kurzfristig verschieben konnte. Denn selbst wenn dafür gerade ein Publifon in der Nähe gewesen wäre, der Empfänger war nicht so einfach erreichbar wie heute.

Dann gab es eine Zwischenzeit, mit Telefonbüchern, denen zahlreiche Seiten fehlten, mit kaputtgemachten Telefonhörern und versprayten Glaswänden, weil sich Vandalen der Telefonkabine bemächtigten. Schliesslich kam das Handy.

Drei Kundensegmente

Laut Swisscom werden öffentliche Telefonkabinen heute noch von drei Kundengruppen genutzt: von preisbewussten Leuten, die ins Ausland telefonieren, von Touristen und von Notfall-Nutzern, also von jenen, deren Handy-Akku leer oder das Prepaid-Guthaben aufgebraucht ist.

Aber rentabel sind die Telefonkabinen beziehungsweise deren Unterhalt für die Betreiber kaum mehr. Heute trägt eben praktisch jede und jeder ein Telefon im Hosensack herum, was die öffentliche telefonische Grundversorgung überflüssig macht.

Also: Besuchen Sie wieder einmal ein Publifon, solange es noch eines hat. Auch wenn es nur darum geht, im Schutz vor Wind und Wetter über das Handy zu Hause mitzuteilen, dass es etwas später werden könnte.

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