Vereinigung
«Es ist der richtige Moment»: Eggenwil möchte die Ortsbürger- mit der Einwohnergemeinde fusionieren

An den kommenden beiden Gmeinden ist in Eggenwil die Fusion der Ortsbürger- mit der Einwohnergemeinde traktandiert. Der Zusammenschluss sei ein vernünftiger Entscheid, findet Gemeindeammann Roger Hausherr.

Marc Ribolla
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Die Waldhütte Cheserholz in Eggenwil ist im Besitz der Ortsbürgergemeinde und praktisch die einzige grössere Einnahmequelle.

Die Waldhütte Cheserholz in Eggenwil ist im Besitz der Ortsbürgergemeinde und praktisch die einzige grössere Einnahmequelle.

Marc Ribolla

Das Ende der eigenständigen Eggenwiler Ortsbürgergemeinde (OBG) naht. Wenn alles wie angedacht verläuft, wird sie per Anfang kommenden Jahres in die Einwohnergemeinde integriert. Die OBG von Eggenwil umfasst nur noch 34 Stimmberechtigte. Eine Fusion mit der Einwohnergemeinde ist seit Jahren ein Thema.

«Die Ortsbürger sind mit diesem Anliegen an uns herangetreten. Das ist ein vernünftiger Entscheid», findet Eggenwils Gemeindeammann Roger Hausherr, der selber auch Ortsbürger ist. Bei den Gesprächen und Diskussionen habe er sich aber bewusst im Hintergrund gehalten, sagt er zur AZ.

Für Hausherr und den Gesamtgemeinderat sei immer klar gewesen, dass die Fusion von den Ortsbürgern her initiiert werden muss. Man habe seitens der politischen Gemeinde keinen Druck aufsetzen wollen. Die Einwohnergemeinde hat ihrerseits rund 700 Stimmberechtigte und knapp 1000 Einwohner.

Endgültig entschieden wird an der Urne

Nun ist in einem ersten Schritt die Vereinigung der beiden Gemeinden an der jeweiligen Gemeindeversammlung am Freitag, 18. Juni, traktandiert. Ammann Hausherr geht davon aus, dass sowohl die Ortsbürger als auch die Einwohner zustimmen werden. Ist dies der Fall, kommt es am 26. September zu einer obligatorischen Urnenabstimmung.

Roger Hausherr ist der amtierende Eggenwiler Gemeindeammann.

Roger Hausherr ist der amtierende Eggenwiler Gemeindeammann.

ian (2017)

Doch was sind die Beweggründe zur Fusion? Den Eggenwiler Ortsbürgern bereitet zunehmend die finanzielle und personelle Situation Sorgen. Zudem sind ihre Aufgaben in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger geworden. In erster Linie sollten sie sich um die Förderung des kulturellen Lebens in der Gemeinde kümmern.

«Das wird für die Ortsbürger immer schwieriger. Der Druck steigt, wenn das finanzielle Polster nicht gross genug ist», erklärt Hausherr. Deshalb sagt er auch:

«Es ist jetzt der richtige Moment, weil es noch nicht ganz aus der Not heraus passiert.»

In der Broschüre zur Gmeind heisst es: «Das Modell Ortsbürgergemeinde stammt aus einer Zeit, bevor der moderne Staat entstanden ist. Objektiv macht eine eigenständige Ortsbürgergemeinde in der heutigen Zeit nur noch dann Sinn, wenn sie über genügend finanzielle Mittel verfügt.» Als Beispiele werden die OBG von Bremgarten oder Widen erwähnt.

Waldbewirtschaftung rentiert immer weniger

Im Falle Eggenwils belief sich das Eigenkapital Ende 2020 ohne Aufwertungsreserve auf rund 60'000 Franken. Einnahmen erzielen die Ortsbürger vor allem mit der Vermietung der Waldhütte Cheserholz. Zudem sind sie Eigentümer von 22 Hektaren Wald auf 16 Parzellen. Die Einkünfte durch die Waldbewirtschaftung sind jedoch seit Orkan Lothar im Jahr 1999 und dem gefallenen Holzpreis massiv geschrumpft.

Würde die Einwohnergemeinde nicht seit vielen Jahren die Ortsbürger bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen, «würde die finanzielle Lage längst viel düsterer aussehen», heisst es. Mit einer Fusion könnte man Synergien nutzen, zum Beispiel mit einer einzigen Rechnungsführung.

Hausherr streicht einen weiteren Vorteil heraus: Die Forstkommission der Ortsbürger, die heute immer schwieriger zu besetzen ist, könnte allenfalls nach dem Zusammenschluss in eine Natur- und Umweltkommission umgestaltet werden. «Das würde den Kreis möglicher Mitglieder auf die ganze Bevölkerung erweitern», sagt er.