Dottikon
Unwetter-Opfer Wietlisbach: Seine halbe Erdbeerernte wurde vernichtet

Am Donnerstag hätte Markus Wietlisbach mit Pflücken beginnen wollen, am Mittwoch wurde sein grosses Erdbeerfeld von den Fluten verwüstet.

Toni Widmer
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Markus Wietlisbach auf seinem zerstörten Erdbeerfeld.

Markus Wietlisbach auf seinem zerstörten Erdbeerfeld.

«Der finanzielle Schaden ist das eine», sagt der Dottiker Landwirt Markus Wietlisbach. Mindestens ebenso schlimm für ihn sei die Tatsache, dass er jetzt seine Kundinnen und Kunden nicht mit frischen Erdbeeren bedienen könne: «Auf unserem Hof werden seit über 40 Jahren Erdbeeren angebaut. Wir haben einen grossen Stamm an Privatkunden, welche die Früchte zum Teil vor Ort auch selber pflücken. Jetzt weiss ich nicht, wie weit ich die Nachfrage befriedigen kann.»

Besonders tragisch: Die Erdbeeren auf dem Feld, das am Mittwochnachmittag mit Geschiebe und Sand von einem überlaufenden Bach verwüstet worden ist, wären am nächsten Tag reif gewesen: «Wir wollten am Donnerstag mit Pflücken beginnen. Daraus ist jetzt nichts geworden», sagt Wietlisbach.

Auf der Kreuzung Bahnhofstrasse/Wohlerstrasse in Dottikon stand das Wasser knöcheltief.
26 Bilder
 Die Bachstrasse in Dottikon ist effektiv zu einem Bach geworden. Die Wassermassen flossen von da über eine angrenzende Liegenschaft hinunter auf die Wohlerstrasse.
Überflutete Felder bei der Firma Rosenhuber in Dottikon.
Kreuzung Hendschikerstrasse/Mittelwegstrasse in Dottikon.
Das Ladenlokal der Bäckerei Wirth in Dottikon wurde überflutet und musste von der Feuerwehr leergepumpt werden.
Auf dem Vorplatz vor der Bäckerei Wirth stand das Wasser einen halben Meter hoch.
Überschwemmte Liegenschaft zwischen Bachstrasse und Wohlerstrasse in Dottikon.
Überschwemmte Liegenschaft zwischen Bachstrasse und Wohlerstrasse in Dottikon.
Ein Mann läuft mit einer Schaufel auf einer überfluteten Strasse in Dottikon.
Eine überflutete Strasse in Dottikon.
Die Bünz zwischen Dottikon und Hendschiken blieb noch knapp in ihrem Bett.
Um das Grundwasserpumpwerk in Dottikon zu schützen, musste mit Baumaschinen ein Wall erstellt werden.
Fluten in Hendschiken.
In Othmarsingen schlug das Unwetter besonders stark zu. Hier wurden mehrere Keller überflutet...
...und verursachten grossen Sachschaden.
Der Tag nach dem Unwetter: Die Wassermassen hinterliessen jede Menge Schlamm..
...und zerstörten so manches Hab und Gut.
Ein Einwohner von Othmarsingen schafft nach dem Unwetter verdreckte Gegenstände aus seinem Haus.
Das Wasser ist verschwunden, zurück blieb Dreck und Schlamm.
Diese Bücher wurden Opfer der Wassermassen in Othmarsingen.
Die Markierung an der Wand dieses Kellers in Othmarsingen zeigt, wie hoch das Wasser stand.
Der Gehrenweg in Möriken hat sich in einen reissenden Bach verwandelt.
Vom Blitz getroffen: Inner kürzester Zeit stand eine Scheune in Oftringen in Vollbrand.
Glücklicherweise wurde beim Grossbrand niemand verletzt.
In Hägglingen sorgten die starken Regenfälle der letzten Tage sogar für einen Hangrutsch.
Das Erdreich verschiebte sich auf eine Strasse im Grenzgebiet zwischen Hägglingen und Wohlenschwil.

Auf der Kreuzung Bahnhofstrasse/Wohlerstrasse in Dottikon stand das Wasser knöcheltief.

Toni Widmer

80 von 150 Aren unbrauchbar

Auf rund 1,5 Hektaren werden auf dem Wietlisbachhof Erdbeeren angepflanzt, rund 80 Aren – über die Hälfte – sind verwüstet und die Früchte unbrauchbar: «Klar könnte man versuchen, die Erdbeeren zu waschen, aber vom feinen Sand, den das Wasser mitgebracht hat, bleibt immer etwas zurück», erklärt der Bauer.

Die Höhe des Schadens kann er noch nicht beziffern: «Die Versicherungsprämien sind so hoch, dass man nie alles abdecken kann. Ich werde sicher etwas von meinem Ertragsausfall geltend machen können, aber den grössten Teil des Schadens wohl selber tragen müssen.»

Ebenfalls noch nicht abschätzbar sind die Schäden an weiteren Kulturen, die vom Unwetter betroffen worden sind: «Das Wasser ist auch über meine Erbsen- und Randenfelder geflossen und hat den Boden verdichtet. Wenn sich das Wetter nicht umgehend bessert, kann ich die Böden nicht mehr lockern und die Pflanzen gehen wegen des mangelnden Sauerstoffs ein», sagte der Bauer. Die Hoffnung, Erbsen und Randen noch retten zu können, hat er jedoch noch nicht aufgegeben.

Statt im Monat an einem Tag

Markus Wietlisbach hat am Mittwoch noch versucht, den Schaden abzuwenden. «Als ich sah, dass der Bach über die Ufer getreten ist, habe ich mit dem Pflug einen Graben aufgemacht, um das Wasser umzuleiten.» Das sei in der ersten Phase des Unwetters gelungen: «Beim zweiten Schub ging nichts mehr, es war einfach zu viel Wasser.»

Laut seinem Regenmesser sind am Mittwoch bei seinem Hof in knapp vier Stunden 90 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Das ist so viel wie es sonst in dieser Gegend im Jahresschnitt pro Monat regnet.