Mutschellen
Nach schwerem Unfall: Kanton prüft Massnahmen

Der gefährliche Verkehrsknoten wird erst in 10 Jahren saniert, kurzfristige Verbesserungen sollen ihn entschärfen.

Toni Widmer
Merken
Drucken
Teilen
Vermutlich weil der Chauffeur das Rotlicht übersehen hat, ist am Freitag, 19. Oktober, ein Lastwagen mit einer BD-Zugskomposition zusammengeprallt.

Vermutlich weil der Chauffeur das Rotlicht übersehen hat, ist am Freitag, 19. Oktober, ein Lastwagen mit einer BD-Zugskomposition zusammengeprallt.

Toni Widmer

Alle Beteiligten am schweren Unfall vom 19. Oktober auf dem Mutschellen haben grosses Glück gehabt. Weder der Chauffeur des Lastwagens noch der Zugführer sind ernsthaft verletzt worden. Mittlerweile läuft alles wieder seinen gewohnten Gang. Die Züge der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BD) verkehren fahrplanmässig, der motorisierte Verkehr staut sich jeden Morgen und jeden Abend zu den Hauptverkehrszeiten an den Werktagen.

Dennoch wirkt der Zusammenstoss zwischen einer Komposition der Bremgarten-Dietikon-Bahn und einem Lastwagen nach. Es ist allen klar, dass es an jenem Freitagmorgen weit schlimmer hätte kommen können, dass Zugführer und Lastwagenchauffeur vergleichsweise glimpflich davongekommen sind und, dass durchaus auch hätten Reisende im Zug verletzt werden können. Auch Kantonsingenieur Rolf H. Meier sagt: «Bei diesem Unfall haben alle Beteiligten sehr viel Glück gehabt.»

Den Knoten umgehend entschärfen kann jedoch auch er beim besten Willen nicht. Die zuständigen Leute vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt befassten sich jedoch mit möglichen Optimierungen, erklärt Meier. «Wir prüfen, ob wir die Markierungen verbessern und/oder an den Einspurstrecken etwas ändern können». Abgeklärt werde, unabhängig vom Unfall, auch, ob auf der Wider Seite eine provisorische Bushaltestelle eingerichtet werden könnte, um die Stauzeiten der Linienbusse zu verkürzen.

Provisorische Bushaltestelle?

Auf dem Mutschellen gibt es mehr als ein Problem: Da ist zum einen die Situation auf der Kreuzung. Es gibt keine Barriere, lediglich eine Lichtsignalanlage. Diese kann bei Ortsunkundigen für Verwirrung sorgen. Beispielsweise dann, wenn die Ampel für den Durchgangsverkehr auf grün wechselt, jene für die Abbiegespur in Richtung Berikon aber auf rot bleibt, weil ein Zug kommt.

Zum andern ist der Knoten massiv überlastet. Die Staus, sagt der Kantonsingenieur, seien nicht nur für die Pendler mühsam, sondern vor allem auch für den öffentlichen Verkehr. Die Busse fangen auf dem Mutschellen oft Verspätungen ein, die sie unterwegs nicht mehr aufholen können. Nicht selten verpassen Passagiere deshalb ihre Anschlüsse. Deshalb auch die Idee des Kantons für eine provisorische Bushaltestelle.

Am 19. Oktober 2018 hat ein Lastwagen auf dem Mutschellen beim Abbiegen in Richtung Berikon das Rotlicht missachtet und ist mit einer Zugskomposition der Bremgarten-Dietikon Bahn kollidiert.
15 Bilder
Zur Kollision kam es kurz vor 7.15 Uhr.
Die Blaulichtorganisationen standen im Grosseinsatz.
Es folgen weitere Bilder vom Unfallort.
Unfall Bahn Lastwagen Mutschellen
Unfall Bahn Lastwagen Mutschellen
Unfall Bahn Lastwagen Mutschellen
Unfall Bahn Lastwagen Mutschellen
Unfall Bahn Lastwagen Mutschellen
Unfall Bahn Lastwagen Mutschellen

Am 19. Oktober 2018 hat ein Lastwagen auf dem Mutschellen beim Abbiegen in Richtung Berikon das Rotlicht missachtet und ist mit einer Zugskomposition der Bremgarten-Dietikon Bahn kollidiert.

Toni Widmer

Die Staus sind auch der Grund, warum sich der Kanton zusammen mit den Gemeinden Berikon und Widen gegen Bahnschranken wehrt. Die Beschwerde gegen ein entsprechendes Bauvorhaben der BD ist zurzeit beim Bundesverwaltungsgericht hängig. Laut Berechnungen würden sich wegen der zusätzlichen Wartezeit an einer Bahnschranke die täglichen Staus auf dem Mutschellen in den Stosszeiten um gesamthaft rund 700 Meter verlängern, erklärt der Kantonsingenieur.

Sanierung in 10 Jahren

Verbessern könnte sich die Verkehrssituation auf dem Mutschellen laut Rolf H. Meier bis in rund 10 Jahren: «Wir sind zurzeit in Zusammenarbeit mit den Gemeinden intensiv mit dem Variantenstudium für die geplante Sanierung des Knotens beschäftigt.» Klar ist bereits, dass sich die Probleme auf dem Mutschellen nur mit einer Entflechtung des Verkehrs lösen lassen. Entweder muss die Strasse tiefergelegt werden oder dann kommt die Bahn unter den Boden.

Diskutiert wird schon seit Jahren

Die Verkehrsprobleme auf dem Mutschellen beschäftigen Kanton und Gemeinden schon seit Jahrzehnten. Die ersten konkreten Gespräche über eine Entflechtung des Verkehrs und eine Aufwertung des Zentrums haben kurz nach der Jahrtausendwende stattgefunden. Der Kanton hat das Vorhaben auch in sein Agglomerationsprogramm aufgenommen. (to)