Muri
Wie gut filtert die Murianer Abwasserreinigungsanlage? Bachflohkrebse sollen das zeigen

Viele Kläranlagen bauen derzeit neue Filteranlagen, um noch mehr Mikroverunreinigungen aus dem Wasser zu sieben. Miriam Langer, Professorin an der Hochschule für Life Sciences FHNW in Muttenz, vergleicht Bachflohkrebse, die ober- und unterhalb der Murianer Abwasserreinigungsanlage leben. Mit ihren Studierenden will sie herausfinden, wie sauber das Wasser der Bünz ist.

Andrea Weibel
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In diesen Tupperware-Boxen leben die Probanden von Miriam Langer, die Bachflohkrebse in der Bünz bei Muri.

In diesen Tupperware-Boxen leben die Probanden von Miriam Langer, die Bachflohkrebse in der Bünz bei Muri.

zvg

Bei Muri liegen derzeit an zwei Orten Tupperware-Boxen in der Bünz. Für einmal handelt es sich aber nicht um Littering. In diesen Boxen befinden sich Bachflohkrebse. Sie sind die Probanden von Miriam Langer und ihrem Studierendenteam von der Hochschule für Life Sciences FHNW.

Die Professorin für Ökotoxikologie in Muttenz will herausfinden, wie sich die Reduktion der Mikroverunreinigungen durch den Ausbau von Kläranlagen auf Gewässerlebewesen auswirkt. Und zwar bevor eine neue Anlage zur Reduktion solcher Verunreinigungen eingebaut wird und natürlich auch danach. Dies passiert auch bei der ARA Muri.

Dieser ist nur einer der Standorte, die sie mit ihren Studierenden für die Untersuchungen ausgewählt hat. Die anderen beiden liegen ebenfalls im Schweizer Mittelland. Was sie gemeinsam haben: Bei allen dreien steht der Ausbau der Kläranlage an. «Wir haben extra drei total unterschiedliche Gewässer gewählt», sagt die Forscherin.

Miriam Langer von der Hochschule für Life Sciences FHNW in Muttenz schaut sich die Bünz genauer an.

Miriam Langer von der Hochschule für Life Sciences FHNW in Muttenz schaut sich die Bünz genauer an.

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«Die Bünz sieht schon auf den ersten Blick sehr natürlich aus. Wenn man einen Stein hochhebt, entdeckt man sofort viele unterschiedliche und teilweise seltene Wasserlebewesen. Für uns ist es toll, an so einem schönen Ort zu arbeiten.» Ohne die beiden anderen Orte speziell zu nennen, sagt sie diplomatisch: «Das ist nicht überall so.»

Ab jetzt kommen sie ein paar Jahre lang jeden Frühling

Vor genau vier Wochen haben sie die Tupperware-Boxen mit den heimischen Bachflohkrebsen in die Bünz gelegt. «In früheren Studien wurde chemisch nachgewiesen, wie gut die Kläranlagen ausgewählte Mikroverunreinigungen reduzieren können», erklärt Langer. «Wir wollen nun zusätzlich sehen, wie sich die Reduktion der Mikroverunreinigungen auf vor Ort vorkommende Wasserorganismen auswirkt.» Gerade Bachflohkrebse reagieren auf viele Verunreinigungen recht sensibel.

Dazu werden ab jetzt jeden Frühling solche Tupperware-Boxen einen Monat lang in der Bünz schwimmen. «2016 wurden in der Schweiz Änderungen an der Gewässerschutzverordnung beschlossen», führt die Professorin aus. «Manche Kläranlagen werden nun Anlagen zur Reduktion von Mikroverunreinigungen einbauen. Die ARA Muri wird in den kommenden Jahren ebenfalls ihre Anlage erweitern. Wir möchten zeigen, wie sich diese Massnahmen auf die Bachflohkrebse auswirken.»

Noch bis am Montag, 9. Mai, liegen die Boxen mit den kleinen tierischen Probanden in der Bünz. «Dann holen wir sie raus und schauen uns ihre DNS an. Wir möchten verstehen, welche Gene vor und nach dem Ausbau reagieren.»

Professorin lobt die Bünz und die Spazierenden sehr

Die Ökologie-Professur von Miriam Langer ist eine Kooperation der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut der ETH.

Die Mitarbeit bei Feldforschungen wie jener an der Bünz ist bei den Studierenden begehrt. Dieses Jahr konnten drei Studierende an der Feldforschung in Muri mitarbeiten. «Das Hauptziel sind natürlich die Ergebnisse aus den Untersuchungen. Aber auch der Ausbildungsanteil ist mir sehr wichtig», betont Langer.

Miriam Langer lobt die Natürlichkeit des Bünz, zumindest an den Stellen, an denen sie ihre Forschung betreibt.

Miriam Langer lobt die Natürlichkeit des Bünz, zumindest an den Stellen, an denen sie ihre Forschung betreibt.

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Sie ist aus verschiedenen Gründen begeistert von der Bünz. «Es ist schön zu sehen, wie naturnah sie gestaltet ist und wie viele Tierarten sich da angesiedelt haben. Ich habe es nicht genauer untersucht, aber schon mit blossem Auge sieht man eine grosse Vielfalt», freut sie sich.

Darüber hinaus zeigt sie sich auch von den Spazierenden an der Bünz beeindruckt. Mit einem fröhlichen Lachen erzählt sie: «Man merkt, dass den Leuten ihre Bünz wichtig ist. Fast jede Person, die vorbeispaziert ist, hat nachgefragt, was wir hier machen. Die meisten waren nicht nur sehr interessiert, sondern hatten erstaunlich viel Vorwissen über das Gewässer und potenzielle Belastungsquellen.»

Speziell sei ihr die Freundlichkeit der Spazierenden aufgefallen. «So ein Interesse habe ich noch nie erlebt. Eine tolle Erfahrung. Es sei wirklich schön, hier zu forschen», schliesst sie ihre Ausführungen ab. Sie freut sich, in den kommenden Jahren immer wieder an diesen Ort zurückzukommen.

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