Muri
«An unserer Vision hat sich nichts geändert» – Pflegi schliesst Geschäftsjahr 2020 mit einem Gewinn ab

In der Pflegi Muri wurden im ersten Jahr der Pandemie achtsame Wege beschritten, wie aus dem Geschäftsbericht 2020 hervorgeht. Im Bericht blickt Pflegi-Direktor Thomas Wernli auf das vergangene Pandemiejahr zurück.

Walter Christen
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Für Bewohnerinnen und Bewohner sowie Angehörige wieder täglich geöffnet: Der Selbstbedienungsteil des Restaurants Benedikt in der Pflegi Muri wurde im Jahr 2020 umgebaut

Für Bewohnerinnen und Bewohner sowie Angehörige wieder täglich geöffnet: Der Selbstbedienungsteil des Restaurants Benedikt in der Pflegi Muri wurde im Jahr 2020 umgebaut

zvg

Die Pflegi Muri ist auch im ersten Jahr der Coronapandemie im Kern das geblieben, was sie schon immer war, nämlich eine Institution für Menschen, die Pflege und Betreuung benötigen. Im Geschäftsbericht 2020 hält Direktor Thomas Wernli fest: «An der Vision vom guten und selbstbestimmten Leben in der Pflegi Muri hat Corona grundsätzlich nichts geändert, lediglich die Schwerpunkte haben sich verschoben. Wir haben versucht, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Schutz, Selbstbestimmung und Autonomie zu finden.»

Das Sicherheitskonzept entscheidend mitgeprägt

Diesen Prozess habe eine interdisziplinäre Fachgruppe mit Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen der Pflegi gesteuert. Mindestens einmal wöchentlich, während der ersten und zweiten Welle täglich, seien die Situation analysiert und bei Bedarf Entscheide getroffen worden. Die Entwicklung der Fallzahlen und die Empfehlungen von Bund und Kanton hätten diesen Prozess mitdefiniert.

Die Bedürfnisse der über 200 Bewohnerinnen, Bewohner und der rund 300 Mitarbeitenden hätten das Sicherheitskonzept stets entscheidend mitgeprägt. Direktor Wernli:

«Dabei war intern der Wunsch nach Sicherheit und die Bereitschaft gross, sich mit der neuen Situation so gut wie möglich zu arrangieren.»

Vor allem interessiert die Frage, wie sich die Wohnsituation in der Pflegi im Jahr der Pandemie bewährt hat. Dazu Thomas Wernli: «Ein Schwerpunkt des Sicherheitskonzepts waren die elf autonomen Wohngruppen. Die Bewohnerinnen und Bewohner konnten sich in ihrer Gruppe, im Haus und in den Gärten frei bewegen. Die Alltagsgestaltung in allen Wohngruppen wurde markant ausgebaut. Von der oft kolportierten tristen Stimmung in der Pflegi Muri spürte man wenig, zumal Besuche der Angehörigen und Bezugspersonen in den verschiedenen Besucherzonen möglich waren.»

«Leider sieben Menschen mit Covid-19 verstorben»

Das Virus, das Covid-19 auslöst, hat trotz Schutzkonzepten den Weg in die Pflegi Muri gefunden. Laut dem Geschäftsbericht 2020 infizierten sich 29 Bewohnerinnen und Bewohner mit Sars-CoV-2.

Dank der Strategie der elf autonomen Wohngruppen hatte sich das Virus glücklicherweise nicht quer durch das ganze Haus verbreitet, sondern konnte auf drei Wohngruppen eingegrenzt werden. «Für die Betroffenen eine anspruchsvolle Zeit. Leider sind sieben Menschen mit Covid-19 in der Pflegi Muri verstorben», wie aus dem Bericht weiter hervorgeht.

Der Eingangsbereich der Pflegi Muri während des Lockdowns im März 2020.

Der Eingangsbereich der Pflegi Muri während des Lockdowns im März 2020.

zvg (23.3.2020)

Im Januar 2020 führte die Pflegi Muri den Mahlzeitendienst ein und liefert inzwischen mit freiwilligen Helferinnen und Helfern von Montag bis Samstag pro Tag bis zu 40 frisch zubereitete Mahlzeiten aus. Alle physio- und ergotherapeutische Leistungen werden seit Beginn des Berichtsjahrs von der Aarreha in Schinznach erbracht.

Thomas Wernli, Direktor Pflegi Muri.

Thomas Wernli, Direktor Pflegi Muri.

zvg (29.10.2019)

«Dieser Wechsel drängte sich auf», so Pflegi-Direktor Wernli, «weil wir diese Leistungen nicht mehr selber abrechnen können.» Die ehemaligen Physio- und Ergotherapeutinnen der Pflegi Muri wurden von der Aarreha übernommen. Im Berichtsjahr wurde ausserdem der Selbstbedienungsteil des Pflegi-Restaurants Benedikt umgebaut. Es ist für Bewohnerinnen und Bewohner sowie deren Angehörige wieder täglich geöffnet.

Geschäftsjahr 2020: Gewinn von total 205'000 Franken

Das Geschäftsjahr 2020 der Pflegi Muri und des Vereins Pflegi Muri schliesst mit einem Gewinn von insgesamt 205’000 Franken ab. Davon beläuft sich der Gewinn des Betriebs Pflegi Muri auf 79’000 Franken. «Dies vor allem darum, weil die Auslastung gut war und die Höhe der durchschnittlichen Pflegestufe gesteigert werden konnte», erläutert Sabine Boeckh, Leiterin Finanz- und Rechnungswesen und stellvertretende Direktorin der Pflegi Muri, im Bericht zur Rechnung 2020.

In den letzten Jahren hat der Verein Pflegi Muri massgeblich dazu beigetragen, dass der Wohn- und Pflegestandard durch bauliche Veränderungen optimiert werden konnte. Der Mitgliederbestand des unabhängigen und seit 2008 auch finanziell auf sich alleine gestellten Vereins beträgt rund 500 Privatpersonen und 80 Gemeinden. Sie unterstützen die Pflegi finanziell und ideell.

«Die Pflegi Muri überzeugt durch ihre innovativen Wohn-, Pflege- und Betreuungskonzepte und legt sehr grossen Wert auf einen achtsamen und respektvollen Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. An diesem Miteinander wirkt auch der Verein mit», betont Präsident Franz Hold, der feststellt:

«Bezeichnend für den guten Geist, der im Haus herrscht, ist die Tatsache, dass von der Lernenden bis zum Direktor alle am gleichen Strick ziehen und zusammen die täglichen Herausforderungen meistern.»