Muri
Bahnhofsareal wird nicht verkauft: Ortsparteien bildeten eine fast historische Allianz

Die Traktandenliste von Muri war sehr lang. Dennoch brauchte es selten eine lange Diskussion, fast alle Traktanden wurden grossmehrheitlich angenommen. Nur den Verkauf des Bahnhofsareals lehnten die Murianer deutlich ab.

Andrea Weibel
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Das «Juwel am Bahnhof» bleibt vorläufig in den Händen der Gemeinde.

Das «Juwel am Bahnhof» bleibt vorläufig in den Händen der Gemeinde.

Eddy Schambron (2018)

Das Traktandum 5, der Kaufvertrag des Bahnhofsareals an die Leuthard Immobilien AG, hätte hitzig diskutiert werden können. Stattdessen passierte etwas, das Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger als einmalig in der Murianer Geschichte bezeichnete: Alle Ortsparteien stellten sich gemeinsam gegen den Antrag.

Als ihren Sprecher hatten sie Mitte-Präsident Felix Köpfli erkoren. Er sagte vor den 132 anwesenden Stimmberechtigten:

«Wir Ortsparteien sagen einstimmig Nein zum Verkauf des Bahnhofsareals. Muri braucht viel Gestaltungsfreiraum und keine Altlasten.»

2011 sei das sicher ein guter Vertrag gewesen, heute hingegen entspräche er überhaupt nicht mehr den Bedürfnissen und auch nicht mehr den üblichen Preisen.

Gemeindepräsident Budmiger sah ein, dass er nicht mehr viel sagen musste. Planungssicherheit und Planungsfreiheit seien wichtig, betonte er. Aber er wollte nach dieser Einstimmigkeit keine flammende Rede für den Verkauf halten, denn er wollte keinen Zwist in der Versammlung schüren.

Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger referierte übers Bahnhofsareal.

Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger referierte übers Bahnhofsareal.

Andrea Weibel

So mussten die Nein-Stimmen gar nicht mehr ausgezählt werden. Denn dem Verkauf stimmten gerade einmal sieben Personen zu.

Vor allem Personenunterführung Mürlefeld gab zu reden

Das einzige Traktandum, das zu mehr Diskussionen geführt hat, war die Rad- und Fusswegverbindung vom Bahnhof zum Luwa-Areal. Es ging insbesondere um die Personenunterführung Mürlefeld im Industriegebiet, die heute viel zu steil ist. Alt Grossrat Herbert Strebel sprach sich vehement gegen das Projekt aus: «Ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis ist nicht gegeben. Wir würden eine Million für eine halbherzige Sache ausgeben.»

Allein schon die geplante Steigung von 8% hält er für einen schlechten Kompromiss. «Die Norm wäre 6%. Fragen Sie einen Rollstuhlfahrer, was er von 8% hält. Das ist ein gewaltiger Unterschied.» Dem hielt die ehemalige Präsidentin der SP-Ortspartei, Doris Gasser, entgegen: «Ich habe mit einem Rollstuhlfahrer geredet. Er sagt, 8% sei kein Problem. Die Rampen zu den Gleisen beim Bahnhof haben eine Steigung von 12% und sind ebenfalls machbar für ihn. Er wäre einfach froh um mehr Möglichkeiten, die Bahnstrecke queren zu können.»

Auch Schulpfleger Urs Huwiler hielt fest: «Ja, es ist eine teure Sache. Aber die Unterführung ist ein wichtiger Schulweg.» Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: «Ich war mit dem Velo da – wer nur ein bisschen mehr Gebrechen hat als ich, kann sein Velo da mit der momentanen Steigung nicht mehr rausschieben.»

Am Ende wurden die Projektanpassungen an der Unterführung Mürlefeld und alle anderen Anpassungen am Projekt Fuss- und Radweg deutlich genehmigt: 90 Anwesende sagten Ja, 34 Nein.

Herzensprojekt Singisen-Saal wird unterstützt

Obwohl Gemeindepräsident Budmiger anfangs versprochen hatte, dass sich der Gemeinderat bei seinen Erläuterungen so kurz wie möglich hält, fiel das Gemeinderat Daniel Räber bei den beiden Schultraktanden nicht eben leicht. Schliesslich wurden sowohl die Umsetzung der neuen Führungsstruktur an der Schule Muri als auch ein Kredit von 220'000 Franken zur Erhöhung der ICT (Informations- und Kommunikationstechnologie) grossmehrheitlich angenommen. Ein Antrag aus dem Plenum, der Gemeinderat soll dem Volk die Änderungen in der Gemeindeordnung vorlegen, die die Führungsstrukturänderung der Schule mit sich bringt, wurde deutlich abgelehnt.

Auch die Totalrevision des Entsorgungsreglements, die nötig wurde, weil im Pilotprojekt zu neuen Unterflurcontainern rund 10 Prozent des Abfalls illegal entsorgt worden war, wurde rasch akzeptiert. Ebenso Gemeinderat Heinz Naters Herzensangelegenheit, der Unterstützungsbeitrag von 100'000 Franken an den neuen Singisen-Saal. Und der Tennisclub darf noch bis mindestens 2040 am jetzigen Standort bleiben, der Baurechtsvertrag wurde bis dann verlängert.

Gemeinderat diskutiert Praxisänderung bei 5G-Baugesuchen

Es kommt oft vor, dass unter dem Traktandum «Verschiedenes» noch Wichtiges ans Tageslicht kommt. So stellte Therese Fankhauser den Antrag, dass der Gemeinderat künftig vorab informieren solle, wenn 5G-Antennen in Planung seien. Fankhauser ist mit ihrer Unterschriftensammlung gegen die neue 5G-Antenne bereits bekannt geworden. Ihr Antrag wurde zwar mit 49 Nein- gegen 30 Ja-Stimmen abgelehnt. Doch versprach Gemeinderat Beat Küng, dass der Gemeinderat diskutieren werde, ob es eine Praxisänderung braucht, sodass künftig im Baugesuch sofort ersichtlich wäre, ob es sich um die 5G-Technologie handelt.

Zum Schluss verabschiedete Hampi Budmiger die Schulsekretärin Claudia Saxer, die «Dreh- und Angelpunkt der Schule war und seit acht Jahren einfach einen top Job gemacht hat», in den Ruhestand. Sie wurde mit grossem Applaus gefeiert.

Gemeindepräsident Hampi Budmiger (rechts) verabschiedete Schulsekretärin Claudia Saxer (hier mit Partner) in den Ruhestand.

Gemeindepräsident Hampi Budmiger (rechts) verabschiedete Schulsekretärin Claudia Saxer (hier mit Partner) in den Ruhestand.

Andrea Weibel

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