Merenschwand
Digitale Geschäfte, Fahrende und der Graben zu Benzenschwil: Diese Themen beschäftigen die Gemeinderatskandidaten

Gleich neun Merenschwanderinnen und Merenschwander kandidieren für den Gemeinderat – drei davon für das Amt des Ammanns. Während einer Podiumsdiskussion stellten sie sich den Fragen aus der Bevölkerung und gaben einen Einblick in ihre Motivation und Vision.

Melanie Burgener
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Während der Podiumsdiskussion beantworteten die neun Gemeinderatskandidierenden die Fragen von Fabian Hägler und der Bevölkerung.

Während der Podiumsdiskussion beantworteten die neun Gemeinderatskandidierenden die Fragen von Fabian Hägler und der Bevölkerung.

Melanie Burgener

Neun Kandidatinnen und Kandidaten aber nur fünf freie Plätze: Während andere Freiämter Gemeinden Schwierigkeiten haben, neue Gemeinderatsmitglieder zu stellen, hat Merenschwand ein wahres Luxusproblem. Ausser dem aktuellen Gemeindeammann Hannes Küng kämpfen alle bisherigen erneut um einen Platz in der Exekutive. Zusätzlich stehen am 26. September fünf neue Anwärter zur Wahl. Und gleich drei Kandidaten aspirieren für das Amt des Gemeindeammanns.

Einen Eindruck davon, wer sich zur Wahl stellt und welche Visionen sie haben, erhielten die Einwohner am Donnerstagabend an einem Podium. Während fast anderthalb Stunden stellten sich die Kandidierenden den Fragen des stellvertretenden AZ-Chefredaktors, Fabian Hägler. Sie diskutierten auch Anliegen, die zuvor über die Website oder aus dem Publikum eingegangen waren.

Für die neukandidierenden Theres Schöni (LOVB), Fabian Brun (parteilos), Christoph Notter (parteilos), Tobias Schär (JGLP) und Kevin Vaes (Die Mitte) bot der Abend eine gute Plattform, sich der Bevölkerung zu präsentieren.

Werden Geschäfte bald online publiziert?

Die Frage, ob Projektdokumente und Informationen aus der Gemeindeversammlung künftig online publiziert werden, stiess bei Tobias Schär auf offene Ohren. Der Wirtschaftsinformatiker möchte diesen Bereich voranbringen. Er sagte:

«Man könnte so viele Fragen klären und transparent informieren.»

Auch Christoph Notter könnte sich vorstellen, dass Merenschwand künftig mehr aus der Ratsstube informiert – sofern man dabei keine Datenschutzrechte verletze.

«Das mit dem Datenschutz ist ein Problem. Deshalb sind wir da zurückhaltend», erklärte die bisherige Karin Brauchli (FDP). Dass Verbesserungspotenzial bestehe, sei im Gemeinderat aber bekannt. «Eine neue Website ist geplant. Aber im Bereich der öffentlichen Hand geht das nicht so schnell», so der Gemeinderat und kandidierender Ammann Rainer Heggli (Die Mitte).

Auch nach zehn Jahren gibt es einen Graben zu Benzenschwil

Als Benzenschwilerin erlebt Theres Schöni die Sorgen des Dorfes, das seit fast zehn Jahren zu Merenschwand gehört, selbst mit. «Viele kommen nicht an die Versammlungen, weil sie sich hier nicht abgeholt fühlen», sprach sie das Problem an. Vor allem bei der Kommunikation spüre man einen Graben.

Der bisherige Daniel Schmid (SVP) war früher Gemeinderat in Benzenschwil. Für ihn überwiegen die Vorteile der Fusion:

«Wir konnten Projekte verwirklichen, die wir als kleine Gemeinde nicht hätten stemmen können. So habe ich mich dafür eingesetzt, dass sichere Übergänge auf der Strasse in Richtung Merenschwand gemacht werden.»

Damit zwei Gemeinden zusammenwachsen können, brauche es Zeit, sind sich Notter und Vaes einig.

Fahrende und Anschuldigungen könnten herausfordernd werden

Diskutiert wurde auch die laufende Nutzungsplanänderung, bei der der Kanton einen Platz für Fahrende beim Kreisel Benzenschwil plant. Die amtierenden Gemeinderäte, mit Ausnahme von Daniel Schmid, äusserten sich nicht dazu. «Wir haben abgemacht, dass wir zu laufenden Geschäften keine Stellung nehmen», begründete Frau Vizeammann Claudia Dober (FDP). Fabian Brun sagte:

«Ich sehe da mehrere Punkte, die nicht funktionieren. Ich werde mich dafür stark machen, dass es eine Einzelabstimmung und nicht eine für die gesamte Nutzungsplanänderung geben wird.»

Theres Schöni, Fabian Brun und Rainer Heggli sind motiviert, künftig das Amt des Gemeindeammanns zu führen. Ganz anders die jetzige und wiederkandidierende Frau Vizeammann Claudia Dober. Was Hannes Küng in den vergangenen Jahren wegstecken musste, könne und wolle sie selber nicht. Ein Gedanke, der auch Heggli schon beschäftigte. «Das ist ein Grund, sich diesen Schritt zu überlegen. Aber ich bleibe positiv», sagte er. Brun will seinen Job so gut machen, dass es keine Anschuldigungen aus der Bevölkerung gäbe und Schöni würde in einem solchen Fall das Gespräch mit den Involvierten suchen.

Trotz vieler unterschiedlicher Ansichten sind sich fast alle Kandidierenden in einem Punkt einig: Es soll eine Personen- und keine Parteienwahl werden. Der Gemeinderat soll als Team am selben Strick ziehen, um etwas fürs Dorf zu erreichen.