Lockdown
Aufbruchstimmung bei Brocki, Dessous-, Schmuck- und Sportgeschäft: Am Montag dürfen sie wieder öffnen

Seit dem 21. Dezember waren viele Ladenbesitzer zum Nichtstun verdammt. Am Montag geht es nun endlich wieder los. Die AZ hat nachgefragt: Ausnahmslos alle Gewerbetreibenden freuen sich auf ihre Kundschaft und darauf, dass die Kasse endlich wieder klingelt.

Pascal Bruhin und
Nathalie Wolgensinger
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Gross ist die Freude bei den Freiämter Gewerbetreibenden: Am Montag dürfen sie nach fast zweieinhalbmonatiger Schliessung wieder öffnen. Nun hoffen sie, dass die Freiämter Schuhe, Dessous, Schmuck oder Sportartikel kaufen.

Sie freut sich auf die Wiedereröffnung: Gerda Wiederkehr, Geschäftsführerin des Dessousladens Lady in Wohlen.

Sie freut sich auf die Wiedereröffnung: Gerda Wiederkehr, Geschäftsführerin des Dessousladens Lady in Wohlen.

Bild: Nathalie Wolgensinger

Gerda und Thomas Wiederkehr, Inhaber des Dessousladens Lady am Wohler Bahnhofweg, sind erleichtert: «Wir freuen uns natürlich sehr auf den Montag», sagt Gerda Wiederkehr, die gerade das Schaufenster mit der neuen Frühlingskollektion ausstattet. Aufgrund des regierungsrätlichen Beschlusses durften ab dem 21. Dezember im Aargau nur noch Güter des täglichen Gebrauchs verkauft werden. Später legte der Bundesrat nach.

Unterwäsche in der tieferen Preisklasse war alles, was im Dessousladen noch hätte über den Tisch gehen dürfen. Weil das Ehepaar auch Pyjamas und Nachtwäsche im Sortiment führt, deren Verkauf verboten war, schlossen sie ihre Boutique. Gerdas Ehemann und Mitinhaber Thomas Wiederkehr sagt:

«Wir hätten rund 80 Prozent der gesamten Ware verdecken müssen, um weiterhin geöffnet zu haben. Das wäre weder für uns noch für die Kunden attraktiv gewesen.»
Jasmine Mach (Mitte) und ihr Team von der Uhren- und Schmuckboutique Saner in Bremgarten hoffen, dass die Menschen sich nach dem Lockdown etwas gönnen möchten.

Jasmine Mach (Mitte) und ihr Team von der Uhren- und Schmuckboutique Saner in Bremgarten hoffen, dass die Menschen sich nach dem Lockdown etwas gönnen möchten.

Bild: zvg

Auch Jasmine Mach sagt: «Es war ganz brutal.» Sie ist Inhaberin der Uhren- und Schmuckboutique Saner in der Bremgarter Altstadt. «Mit der Schliessung kurz vor Weihnachten sind für uns die wichtigsten Verkaufstage im Jahr ins Wasser gefallen.» Zudem empfand sie es damals als unfair, dass anfangs nur im Aargau die kleinen Läden schliessen mussten, bis der Bundesrat nachzog. Während des Lockdowns durften lediglich Reparaturen durchgeführt werden. Mach sagt dazu:

«Den Kontakt mit unseren Kunden so halten zu können, war zwar schön, brachte aber finanziell wenig ein.»

Einen Onlineshop hat die Boutique nicht. Mach hofft deshalb, dass die Kunden einen gewissen Nachholbedarf verspüren und sich nun nach dem Lockdown wieder einen schönen Ring oder eine neue Uhr gönnen möchten.

Schuhe wurden online bestellt – bei Brocki-Stücken ist das schwierig

Susanne Gut, Inhaberin von Gut Shoes in Muri, freut sich sehr, dass es am Montag wieder losgeht:

«Ich habe den Kontakt zu meiner Kundschaft enorm vermisst.»
Am Montag geht es auch für Susanne Gut von Gut Shoes in Muri wieder los.

Am Montag geht es auch für Susanne Gut von Gut Shoes in Muri wieder los.

Bild: zvg

Die Geschäftsinhaberin ist trotz des langen Lockdowns bester Dinge: «Wir haben treue Kunden, die in den vergangenen Wochen ihre Schuhe online bestellten.»

Und auch Franziska Springer von der Brocki in Fischbach-Göslikon sagt: «Ich bin sehr froh, dass es wieder losgeht. Denn auf meinen Bankkonten herrscht Ebbe.» Springer ist überzeugt, dass die Schliessung von Brockenstuben nicht nötig gewesen wäre. «Wir gehören zu den Geschäften, die als unnütz angesehen werden», stellt sie ernüchtert fest. Mühe habe sie in der Zeit des Lockdowns damit gehabt, dass andere Läden teilweise die gleichen Artikel verkaufen durften, die in ihrer Brocki stehen, sie jedoch nicht. Sie findet:

«Das ist teilweise wirklich absurd.»

Zudem sei es für ein Brockenhaus schwierig, einen Onlineshop zu unterhalten, da jeder Artikel einzigartig sei. Auch wenn sie die Schliessung ihres Ladens nicht nachvollziehen konnte, versuchte sie, die Sache positiv zu sehen: «Ich habe die Zeit, die ich sonst nicht gehabt hätte, mit meinen Kindern genossen.» Am Dienstag – montags ist Ruhetag – will Springer ihre Brocki wieder öffnen. Sie ist sich sicher: «Die Kunden werden wieder kommen.»

Wintersaison ist vorbei, dafür boomen die Fitnessgeräte

Auch bei Stöckli Sport in Boswil freut man sich, dass es am Montag wieder losgeht. Zwar haben sie Servicearbeiten an Skis und Snowboards machen und auch weiterhin Wintersportartikel vermieten können, sagt Barbara Hegnauer, die stellvertretende Geschäftsführerin. Aber das ersetze nicht den Kontakt zu den Kunden. Sie sagt:

«Wir sind froh, wenn wir am Montag wieder öffnen dürfen.»

Das Team erwartet, dass Wanderschuhe und leichtere Sportkleider gefragt sind. «Bei uns ist das wetterabhängig. Wenn es schön ist, kommen die Kunden in Scharen und wollen sich neu einkleiden», erzählt sie. Skijacken, Schlitten und Mützen sind jetzt nicht mehr gefragt. Die nicht verkaufte Ware wird das Sportgeschäft am traditionellen Ausverkauf im September zu reduzierten Preisen anbieten.

Eine grosse Nachfrage besteht aber nach wie vor bei Fitnessgeräten. Silvio Stöckli und seine Geschäftspartner witterten das Geschäft bereits im ersten Lockdown und gründeten eine Firma, die Fitnessgeräte vermietet. «Hometrainer und Laufbänder sind sehr gefragt», erzählt Hegnauer. Und:

«Derzeit stehen 500 Kunden auf der Warteliste für ein Fitnessgerät.»

Die Nachfrage wird so schnell nicht zurückgehen. Denn wann die Fitnesscenter wieder öffnen können, steht noch in den Sternen.