Jonen
Weihnachten alleine in der Klinik: Diese junge Mutter sammelt Spenden für kranke Kinder

Das erste Weihnachtsfest musste Melanie Höheners Sohn in der Kinder-Reha in Affoltern am Albis verbringen. In diesem Jahr sammelt die 21-Jährige aus Jonen Geld, damit sie jenen Kindern, die dieses Jahr an Weihnachten dort weilen, mit Geschenken eine Freude bereiten kann.

Melanie Burgener
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Weil ihr Sohn sein erstes Weihnachtsfest in der Kinder-Reha in Affoltern am Albis verbringen musste, sammelt Melanie Höhener aus Jonen in diesem Jahr Spenden. Damit möchte sie den Kindern eine Freude bereiten.

Weil ihr Sohn sein erstes Weihnachtsfest in der Kinder-Reha in Affoltern am Albis verbringen musste, sammelt Melanie Höhener aus Jonen in diesem Jahr Spenden. Damit möchte sie den Kindern eine Freude bereiten.

zvg

Melanie Höhener war noch ein Kind, als sie zum ersten Mal in einer Reha-Klinik war und dort das Schicksal kranker Menschen miterlebte. Damals war sie vor allem Besucherin in der Abteilung für Palliative-Care. «Meine Mutter litt an einem unheilbaren Krebs und ist im Jahr 2008 verstorben. Deshalb habe ich schon lange eine Verbindung zur Reha», erzählt die heute 21-Jährige aus Jonen. Genau zehn Jahre später musste sie selbst vorübergehend in die Klinik in Affoltern am Albis einziehen.

Diesmal jedoch in der Abteilung für die jüngsten Patientinnen und Patienten. Denn unterdessen ist die gebürtige Obfelderin selbst Mutter geworden. Die erste Adventszeit und das erste Weihnachtsfest ihres Sohnes musste sie in der Kinder-Reha-Klinik verbringen. «Er ist im Oktober 2018 auf die Welt gekommen. Weil er Probleme mit dem Sauerstoff hatte, mussten wir drei Monate lang in der Klinik bleiben», erzählt sie.

Was Höhener dort gesehen hat, macht sie bis heute traurig. «Ich habe Kinder getroffen, die an unheilbaren Krankheiten litten und Weihnachten in der Reha verbringen mussten. Einige waren damals im gleichen Zimmer wie wir und für sie war es überhaupt nicht wie Weihnachten. Viele sind alleine ohne Besuch», so Höhener.

Deshalb möchte sie all jenen Kindern, die in diesem Jahr von ihren Eltern getrennt sind, eine Freude bereiten. «Ich möchte gerne jedem Kind ein kleines Geschenk vorbeibringen und der Klinik verschiedene Gruppenspiele spenden, die sie alle gemeinsam benützen können.»

Sie überreicht die Geschenke am 23. Dezember persönlich

Die Idee dafür habe sie schon etwas länger im Kopf. Doch die junge Familie lebt erst seit fünf Monaten in Jonen und damit wieder in der Nähe der Kinder-Reha Affoltern. «Vorher wohnten wir in Böttstein im Bezirk Zurzach, da war es für mich einfach zu weit, um all die Geschenke mit dem ÖV zu transportieren», sagt Höhener. Doch in diesem Jahr möchte sie ihre Idee umsetzen – und dafür sammelt die junge Mutter Geld.

Rund 800 Franken sind in den vergangenen Wochen bereits zusammengekommen. «Weil ich in einem Spielwarengeschäft arbeite, kann ich die Geschenke zudem etwas günstiger beziehen. Das übrig gebliebene Geld werde ich ebenfalls der Klinik in Form einer Spende überreichen.» Zusammen mit ihrem Freund werde sie am 23. Dezember die Spiele und Geschenke selbst in der Klinik vorbeibringen.

Dass es Menschen wie Melanie Höhener gibt, die den Kindern Spielsachen schenken, sei für die Klinik sehr wertvoll, sagt Luk De Crom, Leiter Pflegedienst Rehabilitation der Kinder-Reha in Affoltern. «Wir sind extrem dankbar dafür. Das wird als sogenannte Kleinspende bezeichnet. Aber die Wirkung bei den Kindern ist alles andere als klein», erzählt er. «Spiele und Bastelmaterialien sind Zusatzleistungen, die nicht vom Gesundheitswesen finanziert werden, deshalb sind wir da auf solche Spenden angewiesen.»

Wegen Corona sind die Besuche in der Kinder-Reha stark beschränkt

In diesem Jahr werden Gesellschaftsspiele wohl besonders gefragt sein. Denn aufgrund der Covid-Restriktionen in den Spitälern gelten auch für Besuche in der Kinder-Reha strenge Regeln. «Es gibt zwar keine festen Besuchszeiten bei uns, aber wegen den Schutzmassnahmen dürfen nur zwei externe Personen gleichzeitig in ein Zimmer auf Besuch», erklärt De Crom. Da in einem Raum jeweils mehr als ein Kind lebt, darf immer nur eines seine Eltern sehen, Familien mit Geschwistern und Grosseltern müssen sich aufteilen.

«Die aktuelle Situation ist für die Kinder und die Eltern doppelt belastend», sagt De Crom. «Einerseits ist da der Schicksalsschlag und die Tatsache, dass das eigene Kind sechs bis acht Monate in Rehabilitation ist. Andererseits kommen die Restriktionen wegen Corona.» Die Pandemie trage auch dazu bei, dass heuer mehr Kinder in der Klinik verweilen, als in anderen Jahren.

«Allgemein war die Anzahl der jungen Patientinnen und Patienten in diesem Jahr ununterbrochen hoch. Alle Operationen, die wir 2020 wegen der Pandemie nicht durchführen konnten, mussten in diesem Jahr nachgeholt werden», erklärt der Leiter.

Zudem hätten sie in der Klinik das Gefühl, dass es seit den Homeoffice-Lockerungen und der Normalisierung in den Schulen wieder vermehrt zu Unfällen mit Kindern komme. Luk De Crom rechnet mit einer vollen Belegung über die diesjährigen Festtage. «Es zeichnet sich ab, dass wohl alle 45 Rehabilitationsplätze in der Kinder-Reha über Weihnachten besetzt sind.»

Damit diese Kinder über die Festtage eine gemeinsame Freude haben, sammelt Melanie Höhener noch immer Geld. Spenden können über die Crowdfunding-Plattform gofundme.com oder per Banküberweisung an CH66 8080 8003 0564 2070 7 mit dem Vermerk "Weihnachten für alle kranken Kinder" an Melanie Höhener, Obschlagenstrasse 10, 8916 Jonen, oder per Twint an 076 382 27 20 eingereicht werden.

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