Wohlen
Im Gotteshaus findet sich immer Platz: Maturfeier in der Kirche

137 Maturandinnen und Maturanden der Kantonsschule wurden in der Kirche ausgezeichnet. Für die Festgemeinde wäre die Aula der Kanti schlicht zu klein gewesen.

Lukas Schumacher
Drucken
Teilen
Der Festredner und bald ehemalige Wohler Kantilehrer Markus Stutz (Mitte) überreichte den jungen Leuten die Abschlusszeugnisse und Maturitätsausweise.

Der Festredner und bald ehemalige Wohler Kantilehrer Markus Stutz (Mitte) überreichte den jungen Leuten die Abschlusszeugnisse und Maturitätsausweise.

SL

Ein wenig Gottvertrauen und Gottesfurcht schaden ja nicht. Aber eignet sich ein Gotteshaus als Schauplatz einer Maturfeier? Durchaus, die katholische Kirche Wohlen erwies sich als passend, nicht zuletzt aus Kapazitätsgründen. Die vielen mitfeiernden Eltern, Verwandten und Bekannten der gefeierten jungen Leute hätten die Aula der Kantonsschule förmlich gesprengt. Die geräumige Wohler Kirche indes füllte die grosse Festgemeinde nahezu lückenlos, was gewiss nicht jede Woche vorkommt.

Gepasst hat auch der musikalische Rahmen. Den setzten das Vokalensemble mit tollen Liedern, die Harfenspielerin Noemi Ganarin mit feinen Vorträgen sowie Violinistin Eva North und ihr kleines Ensemble mit einem schwermütigen Ausklang nach 90 Minuten. Weitaus heiterer dürfte der anschliessende Apéro samt Bigband-Musik an der Kanti ausgefallen sein.

Überragende Boswilerin

Nicht weniger als 137 Jugendliche absolvierten die Maturitätsprüfung nach den vier Kanti-Jahren mit Erfolg. Laut Rektor Franz Widmer leisteten viele bei der Maturarbeit einen tollen Effort, was 24 Mal mit einer glatten 6 honoriert wurde. Der Notenschnitt in den Maturaarbeiten soll deutlich über einer 5 liegen. Die beste Gesamtleistung mit der höchsten Punktzahl aller Wohler Kantonsschulabsolventen erreichte Lea Stöckli aus Boswil. Ihre überragende Leistung entspricht einem Notenschnitt von 5,8. Lea Stöckli erhielt den seit 1999 vergebenen Kiwanis-Preis, den ihr Andreas Fischer überreichte, der Präsident des Kiwanisklubs Lindenberg.

Ein Speziallob zollte Widmer jenen Schülerinnen und Schüler, die die zweisprachige Matur absolvierten. Zwar sei der Anteil der Jugendlichen mit zweisprachigem Abschluss zurückgegangen, und zwar insbesondere im Bereich Französisch. Französisch bleibe im gesamtschweizerischen Kontext freilich auch in Zukunft wichtig.

Launig und nachdenklich

Die Festrede hielt der langjährige Kantilehrer Markus Stutz, der demnächst mit 63 1⁄2 Jahren in Pension geht. Seine gleichermassen launige wie kurzweilige Ansprache belohnte die Festgemeinde durch eine Standing Ovation. Die Rede wies auch nachdenkliche Passagen auf. Dass immer mehr Schüler eine Kanti-Klasse wiederholen oder die Schule ganz aufgeben, führt Stutz nicht nur auf Leistungsschwierigkeiten zurück, «sondern auch vermehrt auf leise Probleme, auf psychische Probleme». In seiner eigenen Jugendzeit vor nahezu fünf Jahrzehnten hätten die Jugendlichen mehr freie, unverplante Zeit und Musse gehabt als in der hektischen heutigen Zeit. Vermutlich sei dies eine Ursache für die Zunahme der schleichenden, leisen Probleme, über die man kaum je rede.

Höchststand an Kanti Wohlen

Über viel Freiraumfläche verfügt die Kantonsschule Wohlen nicht. Denn im neuen Schuljahr wird die Kanti mit 38 Klassen und 800 Schülern einen Höchststand erreichen. Das neue, zusätzliche Kanti-Schulhaus wird voll sein – und die Maturfeier 2016 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ebenfalls in der Kirche Wohlen stattfinden.

Aktuelle Nachrichten