Buttwil
Er hat zwei Zimmer voll mit Sammelstücken von Formel-1-Legenden

Hugo Scheuber sammelt seit seiner Jugendzeit Autogramme und Trophäen aus der Formel 1. Dafür braucht es immer wieder viel Geduld. Vom Schweizer Rennfahrer Clay Regazzoni erhielt der Wirt aus Buttwil sogar ein Deo. Er hat es heute noch.

Eddy Schambron
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Hugo Scheuber inmitten eines Teils seiner riesigen Sammlung. Selbst auf der Start-Ziel-Flagge unten sind originale Unterschriften.

Hugo Scheuber inmitten eines Teils seiner riesigen Sammlung. Selbst auf der Start-Ziel-Flagge unten sind originale Unterschriften.

ES

Sebastian Vettel, Michael Schumacher, Felipe Massa, Clay Regazzoni, Jo Siffert – Hugo Scheuber aus Buttwil hat sie alle. Und noch von viele mehr.

Er besitzt unzählige Autogramme aus dem Formel-1-Zirkus, ganze Overalls von berühmten Fahrern, signierte Helmvisiere, Handschuhe, sogar Fahrzeugteile. Zwei Zimmer voll.

«Als Bub habe ich angefangen, und aufhören will ich selbstverständlich nicht», lacht der 56-jährige Wirt. Seine Leidenschaft hat ihm zu zahlreichen, spannenden Begegnungen verholfen.

Autogrammjägerei: So funktionierts es, zu einer Unterschrift zu kommen

Es braucht manchmal Fantasie, die Adressen der Promis ausfindig zu machen. Oder Glück: Für ein Autogramm von Juan Manuel Fangio, argentinischer Rennfahrer von 1949 bis 1958, schickte Hugo Scheuber ein Foto nach Argentinien und klebte ein Foto von Fangio aufs unvollständige adressierte Couvert.

Zurück kam ein von Fangio unterschriebener Dank für das Foto, das er behielt. Oft braucht es Geduld, bis das gewünschte Autogramm kommt. Manchmal kommt es auch nicht. Bei persönlichen Begegnungen, sagt Scheuber, «darf man nie aufdringlich oder frech sein.» Höfliches Warten, freundliche Ansprache sind gefragt, «man darf die Leute nicht nerven.» Guten Erfolg hat man, wenn man mit Prominenten in Kontakt treten kann, bevor sie an der Spitze ihrer Prominenz angelangt sind. «Dann sind sie erfreut, wenn man sie um ein Autogramm bittet.»

Handeln mit Autogrammen würde Hugo Scheuber nicht. Dabei werden für Unterschriften von Prominenten zum Teil erhebliche Preise bezahlt. Auf ebay.de wird beispielsweise gegenwärtig eine «Autogrammkarte 10×15, original handsigniert» von Michael Schumacher für 225 Euro angeboten.

Ein Pressefoto mit Originalunterschrift von Clay Regazzoni gibts für 65 Euro. Etwas teurer, nämlich 1599 Euro, wird es, wer sich einen getragenen Lotus-Rennoverall vom russischen Formel-1-Piloten Vitaly Petrov kaufen will. Mit diesem Overall kommt noch ein Echtheitszertifikat vom Team Lotus». Für Scheuber sind da keine Themen: «Mir würde bei solchen Käufen die persönliche Geschichte dahinter fehlen.»(ES)

Früher hat Hugo Scheuber Fotos von Rennfahrern aus Zeitungen und Zeitschriften ausgeschnitten, sie auf einen Karton geklebt, die Adresse der Fahrer ausfindig gemacht und ihnen das Bild mit der Bitte um ein Autogramm zugeschickt.

Das klappte meistens ganz gut. «Am längsten ging es beim früheren britischen Rennfahrer Derek Bell», erinnert sich Scheuber, «aber nach fünf Jahren kam auch dieses Bild mit Unterschrift zurück.»

Heute macht er an einem Formel-1-Rennen die Fotos lieber selber, druckt sie aus und lässt sie den Rennfahrern zukommen. Oder versucht, sie gleich selber zu treffen und eine Unterschrift zu ergattern oder sogar ein gemeinsames Foto.

Dank seiner Geduld, seiner Gabe, bekannte Personen selbst in einer dichten Menschenmenge zu entdecken und dank Beziehungen zum Sauber-Team gelingt es ihm, auch mal ins Fahrerlager vorzudringen. Jedes Jahr besucht er ein Rennen, in Jahren mit einem runden Geburtstag deren zwei.

Nach jedem Rennen legt er ein Album mit Fotos und Erinnerungsstücken an. Das Sauber-Team hat auch schon im Restaurant Scheuber in Buttwil, das mit Fotos und Trophäen aus dem Rennsport geschmückt ist, gediegen gespeist.

Die Geschichte dazu

Zu jedem Bild mit Unterschrift, zu jedem Gegenstand aus dem Automobilrennsport weiss Scheuber eine Geschichte zu erzählen. Eine der verrückteren ist die: Vom Schweizer Rennfahrer Clay Regazzoni hatte er nicht nur ein Autogramm erhalten, sondern auch ein Deo. Er lagerte es auf einem Regal.

Am 15. Dezember 2006 starb Regazzoni in Oberitalien bei einem Autounfall. Zeitlich gleichzeitig mit seinem Unfall fiel das Deo vom Regal. «Das registrierte ich aber erst, als im ‚Blick’ die Uhrzeit seines Todes stand. Dieses Erlebnis fuhr mir gehörig ein», erzählt Scheuber, der überhaupt nicht die Tendenz hat, Märchen zu erfinden.

Der Kontakt mit dem Rennfahrer Xavier Perrot ging sogar so weit, dass nach seinem Tod 2008 seine Witwe die Pokale und Auszeichnungen Scheuber überliess, weil sie sie hier «am richtigen Ort» empfand. Zum früheren österreichischen Formel-1-Fahrer Karl Wendlinger hat sich sogar ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt.

Der Reiz des Jägers

Hugo Scheuber handelt nicht mit Autogrammen und kauft auch keine. «Der Reiz ist es, selber zur Unterschrift zu kommen», sagt er, möglichst noch, mit dem Menschen in Kontakt zu treten. Da halten ihn auch sprachliche Barrieren nicht auf.

Neben der Geduld und der Bereitschaft, den richtigen Moment abzuwarten, braucht es manchmal auch eine Portion Glück: Einmal schenkte ihm seine Frau ein Buch mit Originalunterschrift von Jim Clark, das sie zufällig für eine symbolische Fünfzigernote erwerben konnte.

Ein andermal konnte er an einem Rennen problemlos auf die von Bodyguards bewachte dänische Schauspielerin Brigitte Nielsen zugehen und um ein Autogramm bitten. Er erhielt es, alle nachfolgenden Fans wurden abgewiesen.

Scheuber sammelt, wie damit klar ist, nicht nur Unterschriften von Rennfahrern, sondern auch von Prominenten von Film und Musik, «allerdings nicht mit dem gleichen Ehrgeiz wie bei Formel-1-Fahrern». Sogar aus der Politik hat er eine Trophäe: eine vom früheren Bundesrat Samuel Schmid signierte Krawatte, um die er ihn einfach gebeten hatte.

Liebe ermöglicht Geduld

Für dieses Hobby braucht es auch eine Familie, die es mitmacht. «Ja», bestätigt Scheubers Frau Lisbeth, die ihn zu den Rennen begleitet, «oft braucht es viel Geduld.» Warten auf einem Parkplatz, warten auf dem Flugplatz, warten entlang der Rennstrecke.

«Wenn man jemanden liebt und sieht, wie er mit seinem Hobby so viel Freude erlebt, bringt man diese Zeit gerne auf.» Sie selber freut sich schliesslich ebenso, wenn ihr Mann seine Sammlung bereichern kann. Auch die Töchter lassen sich von der Leidenschaft des Vaters begeistern. Kunststück: Jasmin war achtjährig, Sabrina elfjährig, als sie erstmals mit dem Vater an ein Formel-1-Rennen mitgingen.

Noch heute zeugen selbst gebastelte Weihnachtsgeschenke davon: Helme aus Fensterfarbe, Zeichnungen mit Formel-1-Motiven.

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