Niederwil
Ein Lagerhaus voller Töne

In den Flumserbergen üben 53 Nachwuchsmusiker gemeinsam unter kundiger Leitung. Die Jugendlichen nehmen am Lager «Blown» (Blasorchesterwoche Niederwil) teil.

Nora Güdemann
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Voller Einsatz: Die Nachwuchsmusiker lassen sich auch vom Alpenpanorama nicht den Atem rauben. ZVG

Voller Einsatz: Die Nachwuchsmusiker lassen sich auch vom Alpenpanorama nicht den Atem rauben. ZVG

In einem alten Lagerhaus in den Flumserbergen werden ab sofort andere Töne angeschlagen: Anstatt Wintertouristen, die den Tag auswärts auf der Piste verbringen, beherbergt die ehemalige Molkerei 53 ambitionierte Musikanten. Schon von Weitem hört man Trompeten- und Flötenklänge aus dem Lagerhaus. Nähert man sich dem Gebäude, sieht man Saxofon-Solisten, die vor der wunderbaren Alpenkulisse ihre Stücke einstudieren, oder eine Gruppe Schlagzeuger, die auf blauen Tonnen trommeln. Die jungen Musikerinnen und Musiker nehmen am Lager «Blown» (Blasorchesterwoche Niederwil) teil. Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 21 Jahren wohnen und musizieren für eine Woche in den Flumserbergen und werden von Mitgliedern des Vereins Jugend- und Musikförderung Niederwil geschult und auf das Abschlusskonzert in der Mehrzweckhalle Niederwil vorbereitet.

Unermüdliche Musiker

Rolf Rippmann ist zum dritten Mal bei Blown dabei, dieses Jahr zum ersten Mal als Leiter: «Am Anfang haben nur Jugendliche aus der Gemeinde teilgenommen, jetzt kommen die Musikanten aus dem ganzen Aargau zu uns. Ausserdem steigen die Anmeldungen stetig. Unsere Entscheidung, ein Musiklager speziell für Blasmusik zu organisieren, war richtig», erzählt der Eufonist. Rippmann wird von Dirigent Sandro Oldani und dessen Frau, sowie zahlreichen Musiklehrern und Studenten unterstützt. Die Jugendlichen üben jeden Tag fast acht Stunden separat in den Registern, dann folgen Orchesterproben. Müde oder ausgelaugt wirken die Nachwuchsmusiker aber nicht, ganz im Gegenteil: In der Znünipause, nach dem Griff zum Buffet, stellen sie eigene, kleine Orchester zusammen und es wird spontan musiziert und gesungen. «Das ist genau das, was wir erreichen wollen», sagt Rippmann, «aus Freude Musik machen statt müssen.»

«Ihr rockt das!»

Im Haus summt und brummt es wie in einem Bienenstock, jeden Morgen werden die Jugendlichen anders geweckt: Mal mit Trommelwirbel, mal mit Trompeten und Posaunen.

Neben der Musik unternehmen die Schüler auch anderen Freizeitaktivitäten. Es werden Spielabende organisiert und gewandert, für die Einwohner in Flumserberg gibt das Blasorchester ein Konzert auf dem Maschgenkamm. Langeweile herrscht hier nie, sagt Noël, ein 15-jähriger Oboist. «Es ist immer was los, deswegen schläft man manchmal zu wenig. Aber das Musizieren macht Spass und das gute Essen bringt einen wieder auf die Beine.» Auch Melanie, Klarinettistin, schätzt das Angebot des Blown: «Daheim übe ich nicht so intensiv. Hier lerne ich viel, die Lehrer machen einen super Job.» Die Registerleiter sind Vollblutmusiker und geben den Jugendlichen die genügende Dosis Ansporn: «Da ist mir noch zu wenig Fleisch am Knochen, der Ton muss voller sein!», oder «Ihr rockt das!», hören die Jungmusiker immerzu, die Lust verliert keiner. Zu gross ist die Vorfreude auf das Abschlusskonzert, an dem alle glänzen wollen.

Konzert: Samstag, 8. Oktober, 19 Uhr, Mehrzweckhalle Niederwil. Eintritt frei, Kollekte. Kaffeestube ab 18 Uhr offen.

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