Lehrlingssuche
Eigener Lehrling wirbt in Inserat für Lehrstelle

Lehrstellen gäbe es, aber es fehlt auch bei der Elektro Keller AG an geeigneten Interessenten. Deshalb hat sich das Unternehmen nun etwas Spezielles einfallen lassen, um doch noch geeignete Kandidaten zu finden.

Eddy Schambron
Drucken
Kilian Vallotton, Lehrling Elektroinstallateur bei der Elektro Keller AG in Merenschwand, hat Freude an seinem vielseitigen Beruf.

Kilian Vallotton, Lehrling Elektroinstallateur bei der Elektro Keller AG in Merenschwand, hat Freude an seinem vielseitigen Beruf.

ZVG

Die Elektro Keller AG in Merenschwand macht auf eine ungewöhnliche Weise darauf aufmerksam, dass sie mit dem Elektroinstallateur eine attraktive Berufsausbildung ermöglicht und geeignete Lehrlinge sucht: In einem Inserat im Lokalblatt «Der Freiämter» lässt es den 4.-Lehrjahr-Stift Kilian Vallotton erzählen, was ihn an diesem Beruf gefällt.

«Wir haben für das nächste Jahr bisher keinen geeigneten Kandidaten oder eine geeignete Kandidatin finden können», begründet Werner Keller den Schritt. Das Unternehmen, das 17 Angestellte beschäftigt, davon aktuell vier Lehrlinge, bildet gerne junge Leute aus – wenn denn geeignete gefunden werden können. Das ist ein zunehmendes Problem, wie Keller feststellt.

Wer Elektroinstallateur lernen will, muss unter anderem logisches Denkvermögen und gewisse mathematische Grundkenntnisse mitbringen. «Wir stellen fest, dass bei manchen Schulabgängerinnen und -abgängern grundlegendes Basiswissen fehlt», führt Keller aus, nicht ohne zu betonen, dass er auf keinen Fall alle Jugendlichen in den gleichen Topf werfen will. «Aber wenn einer nach Abschluss der Schule nicht weiss, dass ein Meter mal ein Meter mal ein Meter einen Kubikmeter ergibt, dann zeugt das von mangelnder Allgemeinbildung.»

Viele wüssten gar nicht, was sie wirklich können und wo sie stehen. Damit haben Lehrlingsausbildner zunehmend zu kämpfen. Auch damit, dass die Leistungsbereitschaft manchmal zu wünschen übrig lässt. «Wenn ich vor 20, 30 Jahren einem Schnupperstift einen Besen in die Hand drückte, wusste er, was damit zu tun ist», fasst Keller pointiert zusammen, «heute sind manche jungen Leute gar nicht mehr gewohnt, anzupacken.»

Mit Freude an der Arbeit

Keller, der gerne Jugendliche ausbildet und selbst 20 Jahre Prüfungsexperte bei Abschlussprüfungen war, fragt sich, «ob wir im Bildungswesen auf dem richtigen Dampfer sind». Er würde es gerne sehen, wenn in der Schule die klassische Berufsausbildung wieder an Gewicht gewinnen würde.

Er ist überzeugt, dass aus manchem, der mehr oder weniger erfolgreich die Mittelschule absolviert, ein guter und glücklicher Handwerker werden würde – wie sein im Inserat genanntes Beispiel Kilian Vallotton. Er ist durch Kollegen in der Schule und die guten Rückmeldungen von Bekannten zur Elektro Keller AG in Merenschwand gestossen.

Sein Beruf bietet ihm die Möglichkeit, sehr vielseitig zu arbeiten: «Telefonie, Internet, Haus- und Industrieniederspannungsanlagen gehören zu den alltäglichen Arbeiten. Das Wissen, das ich jetzt erlerne, werde ich mein ganzes Leben brauchen können.» In der Berufsschule belegt er neben Elektrotechnik weitere Hauptfächer wie Fachrechte und Pflichten, Anlagedokumentation (Schemazeichnen) und Telematik (Telefon und Internetfunktionen). Schliesslich freut es ihn, nach der Lehre von vielen Weiterbildungsmöglichkeiten profitieren zu können.