Dottikon
Kleinkraftwerk kommt weg, Bach wird natürlich und erlebbar: So will der Kanton die Bünz bis 2025 neu beleben

Die Bünz fliesst durch elf Gemeinden. An vielen Orten ist sie schon revitalisiert. Eines der fehlenden Puzzleteile ist Dottikon. Für 2,4 Mio. Franken will der Kanton dort jetzt viel verbessern. So soll die Bünz natürlicher werden, aber auch der Naherholung und als Hochwasserschutz dienen.

Andrea Weibel
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Die Bünz in Dottikon soll bis 2025 revitalisiert werden. Umweltingenieur Leonardo Rumpf, Projektleiter Revitalisierung beim Kanton, erklärt das Projekt.

Die Bünz in Dottikon soll bis 2025 revitalisiert werden. Umweltingenieur Leonardo Rumpf, Projektleiter Revitalisierung beim Kanton, erklärt das Projekt.

Andrea Weibel

1918, also vor etwas mehr als 100 Jahren, wurde die Bünz begradigt und kanalisiert. So schuf man mehr Platz für die Landwirtschaft und machte das Gewässer sicherer. «Für Natur und Naherholung bietet die Bünz seither wenig», fasste Leonardo Rumpf, Projektleiter Revitalisierung beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), am Dienstagabend an einer Infoveranstaltung zusammen. Das will der Kanton nun ändern. «Ausserdem gibt es hier ein Hochwasserschutzdefizit.»

Darum soll die Bünz im Gemeindegebiet Dottikon aus ihrem Kanal befreit und revitalisiert werden. Nicht nur renaturiert, wie das vor Jahren noch hiess. Denn die Natur ist nur einer von drei Gewinnern dieses Projekts. Die anderen beiden sind Hochwasserschutz und Naherholungsgebiet – bei beiden gewinnen also die Anwohnenden.

Zum Grossteil ist die Bünz bereits revitalisiert. «Dottikon ist eines der letzten Puzzleteile», sagt Rumpf. Genauer ist es das Gebiet zwischen dem Dottiker Tennisplatz und der Hendschikerbrücke. Ammann Roland Polentarutti erinnert sich: «Vor zehn Jahren wurde der Teil zwischen der Erusbachbrücke und dem Tennisplatz gemacht. Damals hat die Firma ES als Ausgleich zur Rodung des Waldes auf ihrem Gebiet einen Grossteil bezahlt. Das ist beim neuen Projekt anders.»

Mitten im Dorf soll die Bünz für Jung und Alt erlebbar werden

Das Projekt wurde in fünf Abschnitte unterteilt. Es soll nicht ein Naturschutzgebiet mit Zaun und Betreten-Verboten-Schild werden, betont Marco Kaufmann, Geschäftsleiter des Ingenieurbüros Hunziker, Zarn & Partner. Er spricht auf Abschnitt 4 an, jenen im Siedlungskern bei der Parkanlage. «Hier steht die Naherholung im Fokus. Vom fast stehenden Gewässer wird die Bünz wieder zum fliessenden Bach, der auch mal wenig Wasser führen darf.»

Felix Naef, Chef der Naef Landschaftsarchitekten, führt aus: «Die Bünz soll hier auch zum Lebensraum für Jung und Alt werden. Geplant sind Sitzstufen am Rand und viele Steine im Wasser, auf denen gespielt werden darf. So soll die Bünz aktiv erlebbar werden.» Auch die älteren Leute kommen nicht zu kurz. «Beim Altersheim soll es zwischen den Bäumen einen schönen Sitzplatz geben, von dem aus die Leute die spielenden Kinder und den Bach überblicken können.»

Marco Kaufmann, Geschäftsleiter des Ingenieurbüros Hunziker, Zarn & Partner, verdeutlicht den Plan für den Verlauf der breiteren Bünz ab dem Tennisplatz.

Marco Kaufmann, Geschäftsleiter des Ingenieurbüros Hunziker, Zarn & Partner, verdeutlicht den Plan für den Verlauf der breiteren Bünz ab dem Tennisplatz.

Andrea Weibel

In den anderen Abschnitten erhält die Natur Vorrang, obwohl es auch da nicht verboten ist, sich in der Bünz abzukühlen oder Tiere zu beobachten. «Nach dem Tennisplatz haben wir die Chance, der Bünz noch mehr Platz zu geben», freut sich Zimmermann. Während das Bachgebiet, in dem die Bünz mäandrieren darf, meist 25 Meter breit werden soll, werden es hier 37 Meter. «Vor der Begradigung vor 100 Jahren war es etwa das Doppelte», zeigt er die Relationen.

Das Kleinwasserkraftwerk Tieffurtmühle wird aufgehoben

Neben der Revitalisierung der Bünz gibt es zwei kleinere Projekte: das Kleinwasserkraftwerk Tieffurtmühle sowie die Tieffurtbrücke. Seit gut fünf Jahren ist der Kanton mit der Erbengemeinschaft Ackermann im Gespräch, die das Kraftwerk betreibt. «Das Wehr staut die Bünz weit zurück», erklärt Sabine Nauer, Projektleiterin beim BVU und zuständig für diesen Bachabschnitt. Kaufmann verdeutlicht: «Eigentlich ist die Bünz in Dottikon wegen des Wehrs eher ein Stausee als ein Fliessgewässer.»

Auf Anfrage erklärt Daniel Ackermann den rund 100 Anwesenden der Infoveranstaltung: «Alle neuen Vorgaben des Gewässerschutzgesetzes einzuhalten, war schlicht unmöglich. Es ist für uns ein schmerzhafter Prozess. Aber wenn wir das Kraftwerk schon einstellen müssen, ist es uns wichtig, dass wenigstens etwas Wertvolles fürs Dorf entsteht.»

Daniel Ackermann erklärt, dass seine Familie und er, die bisher das Kleinwasserkraftwerk in der Bünz führten, die Beweggründe des Kantons verstehen.

Daniel Ackermann erklärt, dass seine Familie und er, die bisher das Kleinwasserkraftwerk in der Bünz führten, die Beweggründe des Kantons verstehen.

Andrea Weibel

So soll das Wehr rückgebaut werden, der Abflusskanal wird verschlossen und im Dorfgebiet belastete Segmente mittels Saugbagger entfernt. All das wird vom Bund finanziert und gehört nicht zum Revitalisierungsprojekt, findet aber gleichzeitig statt.

Soll es eine Stahl- oder eine Betonbrücke werden?

Das zweite Nebenprojekt betrifft die Tieffurtbrücke. «Sie ist über 100 Jahre alt, früher ist man scheinbar noch mit Panzern darüber gefahren. Das würde ich heute nicht mehr wagen», berichtet Gemeinderat Laurenz Meier lachend. Die Brücke hat viele Mängel und ist grösseren Hochwassern nicht mehr gewachsen. Sie muss ersetzt und von den heutigen 11 auf 16 Meter verlängert werden.

Gemeinderat Laurenz Meier zeigt Fotos der alten Tieffurtbrücke, die ersetzt werden muss.

Gemeinderat Laurenz Meier zeigt Fotos der alten Tieffurtbrücke, die ersetzt werden muss.

Andrea Weibel

Nun stehen die Dottikerinnen und Dottiker vor der Wahl: Wollen sie eine Stahlfachwerk- oder eine Betonrahmentragwerk-Brücke? Die Stahlbrücke kostet rund 360'000 Franken, bräuchte aber mehr Unterhalt und wirkt leicht klobiger. Die Betonbrücke dagegen wirkt eleganter und ist unterhaltsärmer. Dafür kostet sie 400'000 Franken.

Der Gemeinderat bevorzugt die Betonvariante. Ausserdem möchte er die Brücke für den motorisierten Verkehr sperren. «Das passt auch besser in die neue, aufgewertete Umgebung», wirbt Meyer.

Für Dottikon kostet das 472'000 Franken plus Brücke

Am 19. November werden die Dottikerinnen und Dottiker über die Brückenvariante abstimmen können. Ausserdem wird der Kostenanteil am Revitalisierungsprojekt an der Gmeind traktandiert. Total kostet diese 2,4 Mio. Franken. Davon bezahlt der Bund 1,6 Mio. Franken (65%). Der Rest wird im Verhältnis 40:60 auf den Kanton und die Gemeinden aufgeteilt.

Das bedeutet, dass der Kanton 335'000 Franken bezahlen wird. Für Hendschiken, auf dessen Land ein kleiner Teil des Projekts liegt, werden 31'000 Franken anfallen. Und Dottikon müsste 472'000 Franken bezahlen.

Wenn alles gut läuft, soll Ende 2023 das fertige Projekt ausgearbeitet sein. Im Frühling 2024 soll der Spatenstich erfolgen. 2025 soll Dottikon eine revitalisierte Bünz erhalten – für die Natur, den Hochwasserschutz und als Naherholungsgebiet für die Menschen.