De Sämf dezue
Will der Wohler Gemeinderat plötzlich viel mehr einbürgern? Und wieso braucht es eine neue Strassenkehrmaschine?

Die Budgetdebatte im Wohler Einwohnerrat sorgte am Montagabend für Diskussionen und spezielle Fragen an den Gemeinderat.

Marc Ribolla
Marc Ribolla
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In Wohlen sind nächstes Jahr 80'000 Franken an Einbürgerungsgebühren budgetiert.

In Wohlen sind nächstes Jahr 80'000 Franken an Einbürgerungsgebühren budgetiert.

Symbolbild: Keystone

Im Normalfall beginnen die Sitzungen des Wohler Einwohnerrats um 19 Uhr. Wenn's ums Budget geht, wird aber immer eine Stunde früher gestartet. Denn aus Erfahrung weiss der Präsident: Das Budget fördert oft ungeahntes Diskussionspotenzial zutage. Dieses Jahr kam der Rat in knapp vier Stunden ans Ziel. 18 Uhr ist aber nicht für alle eine ideale Zeit, um sich bis ins Wohler Zentrum vorzukämpfen – vor allem nicht am einzigen Markttag seit zwei Jahren, wo der Verkehr sich sowieso bis in die Aussenquartiere staut.

Einem Rat hat der Stau aber den perfekten Auftritt beschert. Als hätte er draussen auf sein Stichwort gewartet, stürmte Mitte-Präsident Harry Lütolf in den Saal, als man seine Fraktionserklärung schon hinten anstellen wollte. SVP-Fraktionspräsident Peter Christen hatte schon Luft geholt für seine Rede, und das, obwohl er doch auf jene von Lütolf reagieren wollte. Das konnte er dann auch, denn Lütolf marschierte direkt ans Rednerpult und legte los.

Besonders ein Thema gab heiss zu diskutieren: die Reinigung und Hauswartarbeiten bei der neuen Tiefgarage am Bahnhof. Am Ende strich der Rat den Budgetposten um 40'000 Franken auf 5000 Franken zusammen. Der Gemeinderat wollte die Arbeiten extern vergeben. Thomas Geissmann (FDP) gab dem Gemeinderat in der Debatte einen Tipp: «Ich habe in meiner Firma selber ein Parkhaus mit 60 Plätzen in Betrieb genommen und dafür kein zusätzliches Personal benötigt. Bei uns putzt ein Mitarbeiter einmal wöchentlich durch», erklärte er. Ob das bei einer öffentlichen Tiefgarage auch funktioniert?

Schon sehr viele Betriebsstunden

Wenn's ums Budget geht, schauen die Einwohnerrätinnen und -räte sehr genau hin. Und stellen dabei die eine oder andere Frage. SVP-Präsident Roland Büchi fiel beim Studieren der Unterlagen auf, dass der budgetierte Betrag der Einbürgerungsgebühren von 50'000 Franken auf 80'000 Franken aufgestockt worden ist. «Steckt dahinter plötzlich eine Strategie des Gemeinderats, mehr Leute einzubürgern? Das wären rund 20 zusätzliche Personen», rechnete Büchi vor. Gemeindeammann Arsène Perroud konnte ihn beruhigen: «Nein, der effektive Betrag war in den vergangenen Jahren immer höher als budgetiert. In der Rechnung 2020 zum Beispiel 63'000 Franken.»

Thomas Geissmann fielen andere Zahlen speziell auf: Er wollte wissen, wieso die Strassenkehrmaschine des Werkhofs nach nur neun Jahren schon ersetzt werden muss. Auch hier konnte der Ammann eine Begründung liefern. «Es ist tatsächlich eine unschöne Geschichte. Sie weist bereits sehr viele Betriebsstunden auf und es fallen hohe Reparaturkosten an», so Perroud. In Wohlen wird also eifrig für saubere Strassen gesorgt. Und: Die nächste Strassenkehrmaschine, die nun angeschafft wird, soll elektrisch betrieben werden, was sie zudem viel weniger wartungsanfällig macht.

Neu im Einwohnerrat sitzt seit Montag SVP-Vertreter Walter Badertscher, der für den zurückgetretenen André Geissmann nachgerutscht ist. Für den 71-Jährigen ist die Ratsarbeit allerdings kein Neuland. Schon im Juni 2017 rückte Badertscher für einen Kollegen nach und durfte in der Legislative ein halbes Jahr bis zum Ende der Amtsperiode politisieren. Damals schaffte er die Wiederwahl nicht. Ob es ihm diesmal bei den Wahlen am 28. November gelingt?

Einen Moment der Stille erlebte der Rat bei der Schweigeminute für den Mitte September verstorbenen Theo Geissmann. Der 84-jährige ehemalige FDP-Einwohnerrat war acht Jahre Präsident der Geschäftsprüfungskommission und leitete das Wohler Parlament in den Jahren 1986/87 als Präsident.

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