Bezirksgericht Muri
Mann verunglimpft Handwerker mit Google-Rezension – vor Gericht zeigen sich die Streithähne erst uneinsichtig

Das Bezirksgericht Muri konnte im Streit um eine Google-Rezension erfolgreich zwischen Kläger und Angeklagten vermitteln.

Toni Widmer
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Nach einem Streit mit einem Handwerker schrieb ein Mann eine schlechte Bewertung auf Google.

Nach einem Streit mit einem Handwerker schrieb ein Mann eine schlechte Bewertung auf Google.

Bild: Boris Bürgisser

Der 33-jährige, (laut Anklageschrift arbeitslose) Serbe, zeigte sich vorerst stur und uneinsichtig. «Ich könnte einem Vergleich höchstens dann zustimmen, wenn sich der Herr vorab bei mir angemessen entschuldigt», erklärte er Markus Koch, dem Präsidenten des Bezirksgerichts Muri. Bei besagtem Herrn handelte es sich um den bei der Verhandlung ebenfalls anwesenden Kläger. Der Handwerker aus der Region hatte im letzten Herbst bei der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten Strafantrag gestellt, nachdem ihn der Angeklagte nach einem Streit mit einer Google-Rezension verunglimpft hatte.

Unter falschem Namen, er gab sich als Frau B. aus, hatte dieser vor der Firma des Handwerkers gewarnt. Sie sei nicht empfehlenswert. Der Chef hätte während der Arbeit getrunken und Anwohner aggressiv bedroht. Er sei sogar handgreiflich geworden, danach in alkoholisiertem Zustand mit seinem Auto weggefahren und habe dabei fast noch eine Frontalkollision verursacht. Der besagte Eintrag stammt vom September 2020 und er war noch am Verhandlungstag vom 17. Juni 2021 in Google einsehbar.

Einsprache gegen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft erhoben

Zur Vernunft gebracht, beziehungsweise zur Löschung der Rezension bewogen, hatte den Angeklagten auch nicht der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft. Diese verurteilte ihn am 12. März 2021 wegen Übler Nachrede zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagesätzen à 100 Franken sowie einer Busse von 200 Franken. Daneben hätte er auch Verfahrenskosten im Betrag von 822 Franken übernehmen müssen.

Der Serbe zog das Urteil weiter und der Bezirksgerichtspräsident versuchte – wie bereits erwähnt – zwischen den beiden Streithähnen zu schlichten. Der Kläger lenkte nach anfänglichem Knurren relativ rasch ein: «Wenn sich der Mann bei mir entschuldigt, den Eintrag löscht und mir allenfalls eine Entschädigung für meine Umtriebe zahlt, kann ich mir einen Vergleich vorstellen.» Der Angeklagte zeigte sich weniger kompromissbereit. «Zuerst muss sich der Kläger einsichtig zeigen und bei mir entschuldigen. Ich erwarte von ihm ein freundliches Wort», gab er sich bockig.

Markus Koch erwies sich als gewiefter Taktiker und Vermittler: «Wir können das Verfahren durchziehen. Dann drohen ihnen neben einem Eintrag im Strafregister hohe Verfahrenskosten. Wenn sie einlenken, den Google-Eintrag löschen, sich beim Kläger entschuldigen und ihm – sagen wir mal – 200 Franken für seine Umtriebe überweisen, kann ihnen das Gericht die Verfahrenskosten erlassen und sie kommen vergleichsweise glimpflich aus der Affäre», wandte er sich an den Serben.

Staatsanwaltschaft hat keine Vergleichsverhandlung geführt

Den möglichen Erlass der Verfahrenskosten begründete der Bezirksgerichtspräsident mit einer Unterlassung der Staatsanwaltschaft: «Bereits die Untersuchungsbehörde», erklärte er, «hätte versuchen müssen, einen Vergleich zu erzielen. Ich mache die Umstände von Corona dafür verantwortlich, dass sie das verpasst hat.» Jetzt roch auch der Angeklagte den womöglich recht teuren Braten und gab klein bei. Unter der Voraussetzung, dass sich auch der Kläger bei ihm entschuldige, stimmte er dem von Markus Koch vorgeschlagenen Vergleich zu. Auf Koch’s Betreiben hin versuchte er sogleich auch, den strittigen Google-Eintrag via Smartphone zu löschen. Gelungen ist ihm das im Gerichtssaal nicht, aber offenbar gleich anschliessend zuhause. Denn mittlerweile präsentiert sich der Handwerksbetrieb des Klägers auf Google wieder mit blütenweisser Weste.