Besenbüren
Der Turnverein ist auch Partyveranstalter: In Besenbüren feiert ein ganz spezieller Verein sein 100-Jahr-Jubiläum

100 Jahre Turnverein Besenbüren, das muss gefeiert werden. Am 27. und 28. Mai findet die Feier statt. Eine Chronik blickt zurück auf die wechselvolle Geschichte des kleinen Vereins, der sich immer wieder aufrappelte und als Organisator des «Höllefäschts» Jahr für Jahr eine riesige Party organisiert.

Nathalie Wolgensinger
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Turnfeste (hier in Aarau) gehören zu den Höhepunkten im Vereinsleben der Besenbürer Turnerschar.

Turnfeste (hier in Aarau) gehören zu den Höhepunkten im Vereinsleben der Besenbürer Turnerschar.

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Das erste Protokoll vom 15. Juni 1922, in gestochen schöner Handschrift verfasst, hält fest, dass 13 Aktivmitglieder und vier Mitturner den Turnverein aus der Taufe hoben. Die erste Turnfahrt führt aufs Schloss Wildegg, begleitet von einem schweren Gewitter. Gewittrig und windig soll es auch die nächsten Jahre bleiben. Ungemach droht vier Jahre später, als der Verein mangels Mitgliedern fast aufgelöst werden muss.

Als die Protokolle noch handschriftlich verfasst wurden: hier ein Auszug aus dem Gründungsprotokoll.

Als die Protokolle noch handschriftlich verfasst wurden: hier ein Auszug aus dem Gründungsprotokoll.

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Der Entscheid, Schulentlassene als Aktivmitglieder aufzunehmen, bringt 1928 die Wende. Nun segelt das Vereinsschiff in ruhigen Gewässern. 1934 wird das erste Theaterstück aufgeführt und damit eine Tradition begründet, die bis heute anhält.

Weder Maul- und Klauenseuche noch der Zweite Weltkrieg können dem kleinen, aber feinen Turnverein etwas anhaben. Die Turnerreise an die legendäre Landesausstellung 1939 können die Besenbürer nur deshalb durchführen, weil sie ein «Herr Wirt Senn» mit seinem Auto zur Ausstellung fährt.

Das Waldfest legt den Grundstein für das legendäre Hollefäscht

Das Jahr 1947 setzt einen Meilenstein. Zum 25-Jahr-Jubiläum schafft sich der Verein eine Fahne an, finanziert durch den Verkauf von Torf, der im ganzen Dorf gesammelt wird. Etwas später beschliesst der Verein, sich auf die Disziplin Korbball zu spezialisieren. Das zahlt sich aus, die Besenbürer sind erfolgreich. Ab 1970 treten sie in der Disziplin Körperschule an den Wettkämpfen an und können auch damit grosse Erfolge erzielen.

Die Besenbürer sind bereit für den Wettkampf. Leider ist nicht bekannt, wann dieses Bild aufgenommen worden ist.

Die Besenbürer sind bereit für den Wettkampf. Leider ist nicht bekannt, wann dieses Bild aufgenommen worden ist.

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1976 wird mit dem Waldfest der Grundstein für eine wahre Erfolgsgeschichte gelegt. Aus dem kleinen Fest mitten im Wald entwickelt sich eine riesige Party, die kaum mehr aus den Agenden der Freiämter Partybegeisterten wegzudenken ist. Heute kennt man die Sause im Besenbürer Wald als «Höllefäscht», das mit seinen ausgefallenen Dekorationen immer wieder für Furore sorgt.

Die Gründung der Jugi im Jahr 1983 wird aus der Not heraus geboren, dem Verein mangelt es an Jungturnern. Das Konzept hat Erfolg, die Buben sind begeistert vom Angebot im Dorf und einige bleiben dem Verein treu. Was für den Nachwuchs möglich ist, gilt auch für die älteren. Unter dem Motto «Keiner zu alt», um mitzumachen, gründen sie bereits 1969 die Männerriege als Untersektion.

Der Turnverein unterhielt das Dorf alljährlich mit einem Theaterstück. Auch zu diesen Mild fehlt leider die Jahreszahl.

Der Turnverein unterhielt das Dorf alljährlich mit einem Theaterstück. Auch zu diesen Mild fehlt leider die Jahreszahl.

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Die Jugend begehrt im Jahr 1994 auf: Die jungen Turner möchten eine Volleyballgruppe gründen, das Korbballspielen sagt ihnen nicht mehr zu. Was erst kritisch beäugt wird, entwickelt sich zum Erfolgsgaranten. Volleyball begeistert alle und bald schon werden die Besenbürer zu gefürchteten Gegnern im Freiamt.

Zum 75-Jahr-Jubiläum 1997 schafft der Vereine ein neues Banner an, und 1999 schlägt man Bünzen beim Kantonalturnfest in Lenzburg. Welch Freude!

Als der Kühlwagen seinen Geist aufgab

Die Vereinsreisen wurden im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte immer ausgefallener. Wanderte man früher in der heimischen Bergwelt, so zieht es die Turner jetzt immer öfter ans Meer. Nach Gran Canaria, Kos, Kreta und Mallorca reisen die Freiämter. Und eines fällt auch auf, blättert man die 70 Seiten zählende Chronik durch: Die Turner spenden regelmässig und grosszügig für Projekte in Kambodscha und Rumänien sowie an die Stiftung Wunderlampe.

Die Vereinsreise führt die Turner nicht nur in die Bergwelt, sondern immer mal wieder ans Meer.

Die Vereinsreise führt die Turner nicht nur in die Bergwelt, sondern immer mal wieder ans Meer.

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Die Chronik hat Männerriegler Bruno Meier mit viel Liebe verfasst. Mit einem Augenzwinkern blickt er in die Vergangenheit und hält auch die kleinen Momente fest, die zum Vereinsleben gehören: Er erinnert sich an den Kühlwagen, der seinen Geist aufgab mitten im Festbetrieb, oder an den Moment, als der älteste Teilnehmer der Vereinsreise ansehnlich aufzeigte, welche Gefahren bei der rasanten Fahrt mit dem Trottibike drohen.

Am Wochenende vom 27. und 28. Mai findet das Jubiläumsfest statt mit Volleyballturnier, Beizen, Musik und viel Unterhaltung. Weitere Infos unter www.stvbesenbueren.ch.

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