Aus der Freiämter Bienenwelt (2)
Wie kommt der Freiämter Nektar ins Honigglas? Der Imker erklärt's

Im Freiamt ist das Imkern eine weit verbreitete Tätigkeit. Dennoch wissen viele Leute nicht mehr, was eine Biene – und auch die Imker –alles leisten. Darum berichtet Bruno Heggli, Verantwortlicher für den Lehrbienenstand Freiamt in Mühlau, in einer unregelmässigen Kolumne darüber.

Bruno Heggli
Drucken
Beim Birnbaum-Pollen werden die «Pollen-Höschen» der Bienen hellgelb ...

Beim Birnbaum-Pollen werden die «Pollen-Höschen» der Bienen hellgelb ...

zvg

Die warmen, blühenden und gut riechenden Tage sind da. Die Blütenpracht lässt unsere Imkerherzen höher schlagen. Die grösste und teilweise auch komplizierteste Frage, die die auszubildenden Jungimker im Lehrbienenstand Freiamt in Mühlau im Frühling oft stellen, lautet: «Wann sollen wir die Honigräume aufsetzen?»

Dazu muss man wissen, dass Honigbienen den Nektar, den sie sich als Wintervorrat auf die Seite legen, immer oberhalb des Brutnestes einlagern. Deshalb erhalten unsere Bienenstöcke einen zusätzlichen Raum aufgesetzt, in dem die Bienen den Nektar einlagern können. Das ist genau der Raum, dem wir Imker nach der fertigen Verarbeitung durch die Bienen den gereiften Honig entnehmen.

... beim Zwetschgen-Pollen dagegen orange.

... beim Zwetschgen-Pollen dagegen orange.

zvg

«Wieso Nektar? Die Bienen sammeln doch Honig, oder?», wollte erst kürzlich eines der Schulkinder bei einem Besuch im Lehrbienenstand wissen. Ja, wie kommt denn der Freiämter Nektar in das Honigglas?

Über Mittag sind weniger Bienen unterwegs – aus gutem Grund

Die Pflanzen und Blüten brauchen eine Temperatur von etwa 14 Grad, damit sie ihren Nektar abgeben können. Der Nektar wird von der Pflanze als Belohnung angeboten, um Insekten anzulocken. Denn diese tragen mit ihrem Besuch in den Blüten zu einer erfolgreichen Bestäubung der Pflanzen bei. Das bedeutet, dass die Pflanzen bei starkem Wind, Trockenheit oder bei Regen wenig oder gar keinen Nektar erzeugen. Das ist schlau, denn dann bleiben ja auch die Insekten aus. Mit dieser Taktik können die Pflanzen enorm Energie sparen.

Imker Bruno Heggli vom Lehrbienenstand Freiamt in Mühlau erzählt gerne von den Bienen und dem Honig im Freiamt.

Imker Bruno Heggli vom Lehrbienenstand Freiamt in Mühlau erzählt gerne von den Bienen und dem Honig im Freiamt.

Andrea Weibel (9.10.2021)

Die Bienen verfügen über einen sehr guten Geruchssinn. Sie kreisen über der Pflanze und können riechen, ob diese Nektar abgibt oder trocken ist. Blüten geben auch nicht den ganzen Tag Nektar ab. Je nach Art wird Nektar früh am Morgen oder erst gegen Abend erzeugt, denn wenn die Sonneneinstrahlung zu stark ist, stellen die Pflanzen die Nektarproduktion ein. Das ist auch ein Grund dafür, dass in der Mittagszeit nicht so viele Bienen unterwegs sind.

Die Biene entscheidet, welche Pflanze sie besucht

Rund um den Lehrbienenstand in Mühlau blühen zurzeit die Apfelbäume, der Raps und der Löwenzahn. Welche Pflanzen angeflogen werden, entscheiden die Bienen. Sie sammeln immer den für sie am besten geeigneten Nektar für eine ausgewogene Winterernährung.

Durch eine Pollenanalyse des Honigs kann im Labor festgestellt werden, welche Blüten die Bienen besucht haben, da mit dem klebrigen Nektar auch immer ein paar Pollenkörner aufgenommen werden. Jede Blüte besitzt ein für sie typisches Pollenkorn mit spezieller und unterschiedlicher Farbe, Form, Grösse, Flugeigenschaft und so weiter.

Desirée Ganarin vom Lehrbienenstand Freiamt quartiert zwei Bienenschwärme in neue Magazine ein.

Desirée Ganarin vom Lehrbienenstand Freiamt quartiert zwei Bienenschwärme in neue Magazine ein.

zvg

«Der Nektar, der von den Bienen in den Bienenstock getragen wird, hat je nach Blüte einen Wassergehalt von bis zu 80 Prozent», erklärt Desirée Ganarin den Besuchenden. Sie ist verantwortlich für die Blumen- und Gartenlandschaft rund um den Freiämter Lehrbienenstand. Der Nektar ist mit diesem Wassergehalt noch nicht lagerfähig, deshalb fächern die Bienen am Abend, wenn sie von ihren Flügen zurück sind, die feuchte, warme Luft aus dem Bienenstock.

Ein Duft lässt das Herz der Imkerin höher schlagen

Diese sehr anstrengende Arbeit dauert bis spät in die Nacht. Ganarin berichtet weiter: «Es ist der sehr intensive und gute Geruch, der den Imker vor dem Bienenstock auf den Nektareintrag aufmerksam macht.» Ein Duft, bei dem das Herz der Imkerin vor dem Lehrbienenstand höher schlägt.

Den Wassergehalt im Nektar haben die Bienen am Ende unter 18 Prozent gesenkt. Jetzt ist es Zeit, die Honigzelle mit einer schützenden, luftdichten Wachsplatte zu überziehen, man nennt das «deckeln». Der Wintervorrat ist jetzt eingelagert und kann im kommenden Winter als Futter wieder geöffnet werden. So wird während der Blütezeit der Vorrat für den Winter angelegt. Dies und vieles mehr kann bei einer Führung im Lehrbienenstand Freiamt erfahren werden.

Mehr Infos unter www.lehrbienenstand-freiamt.ch.

Aktuelle Nachrichten