Schon seit jeher ist es üblich, den Christbaum in der guten Stube bis Anfang Januar zu behalten. In etlichen Familien ist es Brauch, die Kerzen am Dreikönigstag, also am 6. Januar, ein letztes Mal zu entzünden. Manchmal allerdings mit verheerendem Ausgang.

«Heute ist es in den warmen Wohnungen kaum mehr möglich, einen Christbaum so lange zu behalten», erklärt Joe Habermacher, Präsident des Aargauischen Feuerwehrverbandes und Kommandant der Feuerwehr Reinach-Leimbach. «Die Wärme in der Wohnung wird unterschätzt», stellt er fest. Auch würden die Christbäume in grossen Mengen und daher sehr früh gefällt. Ein weiteres schlechtes Vorzeichen sei es, den Christbaum unten anzuspitzen, damit er in den Ständer passt. «Weil der Baum das Wasser nur über die Rinde aufnimmt, trocknet er trotz Wasserbehälter rasch aus.»

Ganzes Zimmer in Flammen

«Grundsätzlich gilt, dass man brennende Kerzen nie unbeaufsichtigt lassen darf», weist Habermacher auf die wichtigste Regel im Umgang mit Adventskränzen und Christbäumen hin. Ausserdem müsse genügend Abstand zu brennbaren Gegenständen eingehalten werden. «Haben diese erst Feuer gefangen, breitet sich der Brand sehr rasch aus. Meist genügen wenige Minuten, bis ein ganzes Zimmer in Flammen steht.»

Was aber tun, wenn das Malheur trotz aller Vorsicht passiert? «Wenn man sofort bei der Entstehung des Brandes eingreifen kann, ist Löschen noch mit wenig Mitteln möglich», sagt Habermacher. Viele Leute stellen einen Eimer Wasser neben den Christbaum. «Das kann hilfreich sein. Allerdings sollte das Wasser nicht auf einen ‹Gutsch› auf das Feuer geleert, sondern mit einem kleinen Besen zerstäubt werden. Das ist viel effizienter», erläutert der Fachmann. Es funktioniere aber nur, wenn der Brand noch am Entstehen sei.

Die Löschdecke, die bei einem Pfannenbrand oder beim Brand eines Adventskranzes gute Dienste leistet, ist für einen Christbaumbrand ungeeignet. Da gilt nur noch: Über die Nummer 118 die Feuerwehr alarmieren. «Wir kommen lieber einmal zu viel als zu spät», betont Kommandant Habermacher. Beim Versuch, selber zu löschen, gefährden sich die Leute unnötigerweise und riskieren eine Rauchgasvergiftung oder Verbrennungen.

Lösch-Spray ist gutes Mittel

Als gutes Löschmittel – zumindest ganz am Anfang eines Brandes – hat sich der Lösch-Spray erwiesen. Er ist einfach in der Anwendung und ausserordentlich effizient. «Der Lösch-Spray ist aber nicht unbeschränkt haltbar, sondern hat ein Ablaufdatum», weist Joe Habermacher auf einen kleinen Nachteil hin. Er rät sowieso in jedem Fall davon ab, den Helden spielen zu wollen. «Auf alle Fälle müssen Türen und Fenster geschlossen werden, damit das Feuer im lokalen Bereich gehalten wird, bis die Feuerwehr kommt.»

«Schon allein die Tatsache, dass man ein Löschmittel bereitstellt, weist darauf hin, dass man sich der Gefahr bewusst ist.» Es sei schon vorgekommen, dass jemand in der Aufregung nicht einmal mehr das (drahtlose) Telefon gefunden habe. «Wer einen Christbaum aufstellt, muss auch die entsprechenden Vorsichtsmassnahmen treffen, also vorausschauen und mit möglichen Folgen rechnen.»

Feuerwehr richtet sich «entsprechend» ein

Die Feuerwehren arbeiten über die Festtage mit ihrer üblichen Pikettorganisation. «Weihnachten ist ja ein Familienfest, da sind viele Feuerwehrleute zu Hause und deshalb für einen allfälligen Einsatz erreichbar. Und als Feuerwehrmann weiss man, dass diese Zeit speziell ist und man richtet sich entsprechend ein», sagt Habermacher.

Er selber hatte in den letzten Tagen allerdings weniger mit Feuer als vielmehr mit allzu reichlich Wasser zu tun.