Zofingen. Velodiebe

Falsche ID: Dreiste Velodiebe fahren mit neuer Masche auf

Diese Kopie der gefälschten ID verschickt Dietmar Putzas.ZvG

Diese Kopie der gefälschten ID verschickt Dietmar Putzas.ZvG

Unbekannte machen Probefahrt mit teuren Bikes und kehren nie zurück. Einzige Spur: die gefälschte ID und der Akzent. Die geprellten Velohändler werden den Diebstahl wohl aus dem eigenen Sack bezahlen müssen.

Zofingen, Freitagnachmittag, 16 Uhr: Ein Kunde betritt Dietmar Putzas’ Bike-Shop. Interessiert sich für ein Bike der Marke Cube, fachsimpelt 15 Minuten mit dem Velohändler. Die beiden nehmen das Fahrrad nach draussen, Putzas korrigiert die Sattelhöhe, zieht die Identitätskarte des Mannes ein – Esad Dedic, Bosnier. Der gut gekleidete Mann fährt das 3700 Franken teure Bike zur Probe. Putzas wird vergeblich auf den angeblichen Bosnier warten. Dedic kehrt nie zurück. Seine ID hat er gefälscht. Ob der Name überhaupt existiert, ist ungewiss.

Dreiste Velodiebe in der Region Zofingen

Dreiste Velodiebe in der Region Zofingen

Putzas ist kein Einzelfall. Die unbekannte Täterschaft schlägt in der Region Zofingen innert kurzer Zeit viermal zu – die Masche bleibt gleich. Später berichtet Putzas: «Der Mann kannte sich mit Bikes aus und zeigte echtes Interesse. Er sprach Hochdeutsch mit Balkan-Akzent, wirkte seriös. Das Passfoto war definitiv seines.» Nie hätte Putzas einen dreisten Velodieb hinter dieser Person vermutet.

Am vergangenen Montag wiederholt sich die Szene in Oftringen. Reto Wild von Cycling Sport Wild erzählt die gleichen Einzelheiten. Ein vertrauenswürdiger Herr, eine ID als Pfand, eine Probefahrt mit einem über 4000 Franken teuren Fahrrad. Der vermeintliche Bosnier sollte ein Formular ausfüllen, doch als Wild das Papier holen will, fährt der Unbekannte davon. «Ich schloss meinen Laden und fuhr ihm mit meinem eigenen Bike hinterher, aber ich hatte keine Chance», erzählt Wild. Der Mann sei ortskundig gewesen, habe sich mit Bikes ausgekannt und ein gutes Hochdeutsch mit Akzent gesprochen.

Zum ersten Mal hat ein Velodieb in Vordemwald zugeschlagen. Das Opfer: Diana Rast von Velo & Sport Rast. «Es war am 14. September kurz vor Ladenschluss», erinnert sie sich. Die Velohändlerin wurde gleich zweimal bestohlen. Das zweite Mal am vergangenen Freitag. Rast ist sich sicher: «Es waren zwei verschiedene Männer.»

Velohändler sind verunsichert

Inzwischen fahndet die Kantonspolizei nach mehreren Fahrraddieben. «Wir haben eine Fahndungsmeldung samt Identitätskarten an sämtliche Polizeistellen der Schweiz verschickt», sagt Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei. Man gehe derzeit von mindestens zwei Tätern mit unbekannter Herkunft aus. «Bisher haben wir ausser den Angaben der Betroffenen jedoch keine weiteren Anhaltspunkte», so Pfister. «In 20 Jahren Polizeierfahrung habe ich nie einen derartigen Fall erlebt.» Auch die Velohändler sind verunsichert. «Auf diese unglaublich dreiste Art sind wir noch nie beklaut worden», sagt Putzas wütend. Normalerweise könne man die Leute einschätzen. «Wenn sie nur Probe fahren wollen, werden wir misstrauisch.»

Sorge bereitet den Velohändlern auch ihre Versicherung. «Weil es sich um Diebstahl ohne Einbruch handelt, wird die Versicherung vermutlich nicht zahlen», so Putzas. «Für Selbstständige wie uns ist das finanziell schwer verkraftbar.» Deshalb hat er bereits sämtliche ihm bekannten Velohändler vor den dreisten Dieben gewarnt. Wo die gestohlenen Räder letztlich landen, ist unklar. Mediensprecher Pfister: «Sie können im Ausland oder in der Schweiz weiterverkauft werden.»

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