Seit letztem Februar wurde es wieder ruhig um den «Fall Lucie». Damals wurde der ausserordentliche Untersuchungsrichter zur Niederlegung seiner Tätigkeit gedrängt, nachdem dieser offensichtlich die Dimension des Falles unterschätzt hatte. Er wurde durch Ueli Hofer, ehemaliger Präsident des Berner Obergerichtes, ersetzt. In der Folge begann Hofer, die Rolle der Mitarbeitenden des Kantons im Fall des im März 2009 ermordeten Au-Pair-Mädchens zu untersuchen.

Kurze Mitteilung der Oberstaatsanwaltschaft

Erst unter Hofer kam das Vorverfahren richtig ins Laufen. Gestern informierte nun der leitende Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht in einem dürftigen Communiqué über den Stand der Ermittlungen im «Fall Lucie». Darin war nur von einem «Strafverfahren gegen Mitarbeitende des Kantons Aargau» zu lesen. Weder eine genaue Anzahl noch ein Hinweis auf die Abteilung der Beschuldigten wurde erwähnt.

Insgesamt drei Personen im Visier

Eine darauf folgende Recherche des «Tagesanzeigers» brachte ans Licht, dass insgesamt drei Personen ins Visier des Verfahrens geraten seien. Unter diesen drei Personen wären aber weder der Leiter des Justizvollzugs noch der frühere Leiter der Bewährungshilfe, schrieb die Zeitung.

az-Recherchen bestätigen die Zeitungsmeldung. Zweitinformationen zufolge stehen momentan tatsächlich drei Personen aus dem Justizvollzug und der Bewährungshilfe im Zentrum von Hofers Untersuchungen. Darunter befinden sich aber weder Otto Moser, welcher zum Zeitpunkt des Mordes an der 16-jährigen Lucie Trezzini der Leiter der Bewährungshilfe war, noch der damalige und heutige Leiter der Abteilung Strafrecht, Pascal Payllier. Die drei fraglichen Personen sind aber den erwähnten Personen unterstellt.

Es besteht die Möglichkeit, dass sich der Kreis der Beschuldigten noch verändern könnte. Die Untersuchung ist noch am Laufen und die Anzahl Beschuldigter ist nur ein Momentanwert.

Weder bestätigt noch dementiert

Oberstaatsanwalt Umbricht wollte heute die Recherchen auf Anfrage von az weder bestätigen noch dementieren. Mit Verweis auf das laufende Verfahren erklärte Umbricht, dass erst im Herbst weiter informiert würde. Er selber habe ausserdem keine Kenntnis über die Veröffentlichung einer genauen Anzahl Beschuldigter.