Sicherheit
Fussgänger oder Fledermäuse: Nicht alle Gemeinden beleuchten die nächtlichen Strassen – der Aargau steckt im Dilemma

Im Kampf gegen die Lichtverschmutzung schalten manche Aargauer Gemeinden Strassenlampen in der Nacht aus. Das könnte illegal sein.

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Strassenlampen machen den nächtlichen Verkehr sicherer, sind aber Stress für Fledermäuse und andere nachtaktive Tiere.

Strassenlampen machen den nächtlichen Verkehr sicherer, sind aber Stress für Fledermäuse und andere nachtaktive Tiere.

Aargauer Zeitung

Sollen die Strassenlampen die nächtlichen Strassen in der Region erhellen oder nicht? Wie SRF am Montag berichtet, beschäftigt diese Frage immer mehr Aargauer Gemeinden. In Baden ist es seit 2015 zwischen ein und fünf Uhr morgens dunkel. Gründe gibt es mehrere: Die Lichtverschmutzung wird vermindert, Fledermäusen und andere nachtaktive Tiere werden geschützt und Strom lässt sich auch sparen.

Anders in Aarau: Hier geht die Sicherheit der Fussgängerinnen und Fussgänger vor. Die Fussgängerstreifen werden mit stromsparenden LED-Lampen beleuchtet. Und Baden muss sich dem anschliessen.

Bei der Strassenbeleuchtung in Baden gilt ganz oder gar nicht

In der Verordnung zum neuen Aargauer Strassengesetz steht, dass ab 2022 Fussgängerstreifen an Kantonsstrassen bei Dunkelheit beleuchtet sein müssen, zumindest die Lampen bei Fussgängerstreifen müssten also eingeschaltet sein. Eine Unterscheidung zwischen Laternen bei Fussgängerübergängen und anderen sei aber technisch nicht möglich. «Da die städtische Beleuchtung in einer Rundschaltung gesteuert ist, können wir nicht einzelne Lampen brennen lassen», sagt Martin Koch, der in Baden für die Strassenbeleuchtung zuständig ist, gegenüber SRF.

Die Dunkelheit habe bisher nicht zu mehr Unfällen geführt. Wer nachts unterwegs ist - egal ob im Auto oder zu Fuss - sei vorsichtiger. Die Stadt Aarau sieht das anders. «Wir haben uns die Frage gestellt und kamen mit dem Stadtrat einstimmig überein. Die Sicherheitsfrage ist ganz hoch zu gewichten, auch weil in Aarau viele Personen unterwegs sind, die im Schichtbetrieb arbeiten», sagt Jens Hübner vom Aarauer Tiefbauamt zu SRF. Sicherheit gilt als oberstes Gebot.

Güterabwägung ist unterschiedlich

In Baden findet man, am Ende müsse man abwägen, was mehr zählt: Lichtverschmutzung, Energie, Kosten und Sicherheit müssten gegeneinander abgewogen werden. Baden gewichtet dabei anders als Aarau.

Eine Bundesregelung gibt es nicht. Die Kantone wiederum haben unterschiedliche Vorgaben. Gut möglich, dass diese Diskussion im Aargau wieder zum Politikum oder auch zum Rechtsstreit wird, da offenbar nicht klar ist, was juristisch nun genau gilt. (zen)