Die Zukunft ohne die Kehrichtverbrennungsanlage Oftringen

Die Abgeordnetenversammlung der Erzo setzt das Zukunftsprojekt Phosphor 2026 mit 12 gegen 9 Stimmen fort.

Beat Kirchhofer
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Phosphor aus Klärschlamm zurückzugewinnen: Das ist verfahrenstechnische Super League. Wirklich freiwillig «spielt» da unter den Betreiberinnen von Abwasserreinigungsanlagen (ARA) niemand mit – auch die Entsorgung Region Zofingen (Erzo) nicht.

Um was geht es? Die Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) stösst an ihr Lebensende. Aus wirtschaftlichen Gründen ist eine neue Anlage kein Thema. Der Vorstand der Erzo denkt darüber nach, wie in Zukunft der regionale Abfall umweltgerecht den Weg zu einer anderen KVA findet. Viel wichtiger, aber auch komplexer und hochinteressant, sind die Zukunftsperspektiven der ARA.

Im Gegensatz zum Kehricht – der nicht unbedingt in Oftringen verbrannt werden muss – ist eine Abwasserreinigung am Unterlauf der Wigger, bei der Erzo in Oftringen, aber auch in Aarburg zwingend. Das Problem hier: Der Bund verlangt ab 2026 von den ARA-Betreiberinnen, dass sie das im Klärschlamm enthaltene Phosphor extrahieren – dieses als Dünger für die Landwirtschaft wieder dem Kreislauf zufügen. Dazu gibt es verschiedene, weitgehend nicht alltagserprobte Lösungsideen.

Die Erzo hier hat eine gute Ausgangslage: ihren speziellen Drehofen zur Trocknung von Klärschlamm. Gibt man diesem Zusatzstoffe (ihrerseits Abfallprodukte) bei, entsteht eine Asche, welche als Dünger genutzt werden kann. Wie problemlos das Verfahren funktioniert, wird in Oftringen derzeit mit finanzieller Unterstützung des Bundes im Massstab 1 zu 1 getestet.

Ist die Idee wirklich praxistauglich? Kann die phosphorhaltige Asche dereinst in der Landwirtschaft ausgebracht werden? Das ist ebenso wenig definitiv wie Zusagen anderer ARA, die Erzo mit ihrem Schlamm zu beliefern. 863000 Franken, so hoch ist der Verpflichtungskredit, welchen der Erzo-Vorstand für weitere Abklärungen benötigt. Auch Stadtrat Peter Siegrist, Zofinger Abgeordneter, ist der Auftrag des Bundes wichtig.

Dies war unter den Abgeordneten nicht bestritten. Aber das finanzielle Risiko? In den Luzerner Gemeinden stiess man sich am Umstand, dass sich der Kanton Aargau am Projekt nicht finanziell beteiligt.

Insbesondere Gemeinden ohne Anschluss an die ARA konnten die beiden Experten damit nicht gewinnen – der Kredit wurde mit nur 12 zu 9 Stimmen bewilligt.

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