Krise beim FC Aarau

Deshalb ist der FC Wohlen besser als der FC Aarau

Fussballsachverstand, Kontinuität oder Spieler mit Charakter. Lesen Sie hier, weshalb der FC Wohlen dem Kantonsrivalen in der Challenge League den Rang abläuft und Aarau mit einem Bein in der 1. Liga steht.

Schlimmer hätte es für den FC Aarau in dieser Saison nicht kommen können. Nachdem sich die «Unabsteigbaren» in der obersten Schweizer Spielklasse nicht mehr halten konnten, droht dem Traditionsverein bereits der nächste Abstieg - diesmal in die Niederungen der 1. Liga.

Im Vergleich dazu führt der Kantonsrivale FC Wohlen in der Challenge League geradezu ein Leben wie Gott in Frankreich. Zugegeben: In Zeiten der Dreipunkteregel sind sieben Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz nicht die Welt, das Team um Livio Bordoli präsentiert sich dennoch spielsicherer als die Traumtänzer aus der Kantonshauptstadt.

Wohlen, Erfolg - Wyder!

Bei genauer Analyse ist es denn auch keine Überraschung, dass Wohlen derzeit dem FC Aarau in der Challenge League den Rang abläuft. Schliesslich hat der Erfolg in Wohlen einen Namen: Präsident Andreas Wyder. Der Vereinsgründer herrscht mit ausgewiesenem Fussballsachverstand wie ein Patron über den Klub. Beleg für dessen Qualitäten ist sein Umgang mit Spielertransfers, dem Trainer und den Finanzen.

Während dem FC Aarau fünf Millionen Franken zur Verfügung stehen, hält sich Wohlen seit neun Jahren mit namenlosen Spielern und einem bescheidenen Budget von 1,8 Millionen Franken in der Challenge League. Darüber hinaus steht das Verhältnis zwischen Ex-Trainer Martin Rueda und Präsident Andreas Wyder exemplarisch für die Wohlener Kompetenz im sportlichen Bereich. Jahrelang setzte Wyder auf Rueda und dieser zahlte dem Verein das Vertrauen in Form von Erfolg zurück. Erst als Lausanne mit einem sportlich und finanziell lukrativen Angebot Rueda den Mund wässrig machte, verliess er Wohlen.

Goldenes Händchen bei Transfers

Bei der Transferpolitik verzichtet Wohlen auf exotische Transfers von Spielern aus Moldawien, Rumänien oder Asien. Stattdessen setzt der Verein auf einheimische Spieler mit Biss und Charakter. Und wenn Wohlen einmal einen Ausländer verpflichtet, dann entwickelt sich dieser zum regelrechten Glücksgriff - wie im Fall des Torhüters Giovanni Proietti. Seit Beginn der Rückrunde rettete der Keeper Wohlen gegen fünf bis sechs Punkte.

Von solcher Kontinuität und Fussballsachverstand ist beim FC Aarau derweil wenig zu spüren - im Gegenteil: Der Traditionsverein hat in zwei Saisons mit Komornicki, Saibene, Andermatt und Jakovljevic vier Trainer kommen und gehen sehen. Ein Beweis dafür, dass dem FC Aarau ein Sportchef - der diesen Namen auch verdient - fehlt.

Schmid: Lieber Scheinwerferlicht mit GC

Ganz abgesehen davon wähnen sich die Aarau-Verantwortlichen trotz Abstieg immer noch in der Super League und scheinen das Niveau in der Challenge League völlig unterschätzt zu haben. Anders ist der aktuelle Internetauftritt des FC Aarau nicht zu verstehen. So schreibt die Vereinsführung auf der klubeigenen Homepage von «gesunden Finanzen, erfolgreicher Nachwuchsarbeit und Fussball in der höchsten Spielklasse». Der Klub ist seit dieser Saison Mitglied der Challenge League.

In dieses Bild passt, dass Aarau Präsident Schmid die erste Saison in der Challenge League zur Übergangsphase ausrief. Mit dieser Zielsetzung öffnete der Präsident dem Schlendrian der Spieler Tür und Tor. Ausserdem kümmerte sich Schmid in dieser Saison lieber um die Probleme der Zürcher Grasshoppers als um seine eigene Mannschaft. Zur Erinnerung: Die Grasshoppers übten Druck auf die Stadt Zürich aus, um eine Mietzinsreduktion für das Letzigrund-Stadion zu erhalten. Dabei drohte GC gar mit dem Abgang nach Aarau und spannte für diese Zwecke die Aarau-Führung mit ein.

Schönwetterspieler beim FC Aarau

Besorgniserregend ist, dass der FCA-Präsident den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt hat. Als die az Schmid vor einer Woche mit der Abstiegsgespenst konfrontierte, antwortete dieser: Er könne sich nicht vorstellen, dass die Mannschaft mit dem Abstieg etwas zu tun haben werde. Überhaupt reagiert die Vereinsführung auf das Thema Abstiegskampf empfindlich. Schmid betrachtet diese Diskussion gar als Majestätsbeleidung seiner Transferpolitik gegenüber. «Ich war einmal in der Kabine und habe diejenigen Spieler aufgefordert, welche für die Nationalmannschaft spielen, die Hand zu heben.» Daraufhin hätten sich acht Spieler gemeldet.

Die Challenge League ist aber mit dem körperbetonten Partien und teils schwer bespielbaren Rasen nicht gemacht für filigrane Techniker. Vielmehr braucht es Spieler mit Biss und Kampfeslust. Und genau hier liegt das Problem: Das Aarau-Kader ist mit Burki oder Mitreski gespickt von Spielern die in Schönheit sterben. Kämpfernaturen sucht der Experte innerhalb der Mannschaft vergeblich.

Im Hinblick auf die Partie gegen Locarno braucht Aarau jedoch dringender denn je Spieler mit Biss und Charakter. Ob Leistungsträger wie Burki oder Mitreski zu diesen Kämpfernaturen mutieren können, wird sich zeigen. Es bleibt nur zu hoffen, dass auch Spieler, Trainer und Präsident zur Einsicht gelangt sind, dass in der Challenge League mit Schönwetterfussball nichts zu gewinnen ist.

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