Bözberg
Wird aus der Ex-Gemeinde ein Ortschaftsnamen? Pro Linn möchte andere Adressen

Die Eingabe zur Wiederherstellung des Ortschaftsnamens Linn soll laut dem Verein Ende Januar 2021 erfolgen.

Claudia Meier
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Der Bözberger Ortsteil Linn war lange eine der kleinsten Gemeinden im Aargau.

Der Bözberger Ortsteil Linn war lange eine der kleinsten Gemeinden im Aargau.

san (22.Juni 2020

«Wir wollen keinen neuen Adressenstreit», sagte Präsident Hans-Martin Niederer vom Verein Pro Linn vor gut einem Jahr. Damals hielt der Regierungsrat nach einem politischen Vorstoss fest, dass künftig bei Gemeindefusionen im Aargau Ortschaftsnamen nicht mehr einfach von der Landkarte verschwinden können. Das Thema wurde behandelt, weil 2013 aus der Fusion der Dörfer Linn, Gallenkirch, Unterbözberg und Oberbözberg die Gemeinde Bözberg entstand. Die zuvor eigenständige Gemeinde Linn verlor bei der Fusion den Ortschaftsnamen «Linn», die Postleitzahl und Strassennamen. Seither ist Linn eine Strassenbezeichnung. Die frühere Ortschaft ist ein Ortsteil der Gemeinde Bözberg mit der Postleitzahl 5225 geworden, wie das im Fusionsvertrag festgehalten worden war.

Dieser Umstand führte vor und nach der Fusion zu einem heftigen Adressenstreit, bei dem vor allem einige Linner mit allen Mitteln versuchten, die alten Adressen zu behalten. Regierungsrat Urs Hofmann sprang damals als Mediator ein. Doch es nützte nichts: Zweimal erteilte das Stimmvolk an der Gemeindeversammlung dem Anliegen den Gegnern der neuen Adressen eine Abfuhr. Es half auch nichts, als das Initiativkomitee im November 2013 mit 8000 Franken Bargeld an die Gmeind kam, um anfallende Kosten für die Rückkehr zu den alten Adressen zu übernehmen.

Die Gesuchsvorlage ist an Dieter Egli adressiert

Ein Fusionsvertrag ist nicht in Stein gemeisselt. Mit Anpassungen oder Korrekturen nach dem Zusammenschluss muss man rechnen. So schrieb der Regierungsrat vor einem Jahr in seiner Antwort auf das eingangs erwähnte Postulat von Grossrätin Gertrud Häseli (Grüne), dass die Wiederherstellung eines gelöschten Ortsnamens durchaus möglich wäre. Beim Verein Pro Linn, in dem sich einige Adressgegner nach der Fusion organisiert hatten, reagierte man damals mit Genugtuung darauf.

Pro Linn ersucht nun um Vollmachten, um die Gesuchsteller, die sich für die Wiederherstellung des Ortschafsnamens Linn einsetzen, gegenüber dem Kanton zu vertreten. Entsprechende Formulare sind auf der Website aufgeschaltet und bereits an Dieter Egli, den Nachfolger von Regierungsrat Urs Hofmann, adressiert. Damit verbunden wären Anpassungen bei den Strassennamen. Laut dem Vorstand vom Verein Pro Linn, bestehend aus Hans-Martin Niederer, Sarah Niederer, Gerhard Hirt, Michel Jaussi und Iris Krebs, soll die Eingabe beim zuständigen Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI) Ende Januar erfolgen. Dem Verein sei es wichtig, zuerst die Bevölkerung umfassend zu informieren. Sollten bei der Umsetzung Kosten entstehen, würden diese durch einen eigens geschaffenen Fonds gedeckt.

Gemeinderat entscheidet, wo Bevölkerung mitmacht

Für die Festsetzung von Ortschaften und deren Abgrenzung, Namen und Schreibweise ist das DVI zuständig, sagt dessen Sprecher Samuel Helbling. Dieses entscheide nach Anhörung der betroffenen Gemeinden und der Schweizerischen Post. «Ein allfälliger Einbezug der Bevölkerung liegt in der Zuständigkeit des Gemeinderats», so der DVI-Sprecher. Der Gemeinderat ist ebenso für die Strassenbezeichnungen zuständig. Zu beachten sei die Empfehlung Gebäudeadressierung und Schreibweise von Strassennamen der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Gemeindeammann Therese Brändli teilt mit, dass sie sich zu gegebener Zeit zum Thema äussern werde.