Windisch
Wir haben den Traum vom Zirkus gelebt – einen Tag und eine Nacht im Zirkus Nock

Das neue Angebot des Circus Nock lädt Zirkusbegeisterte ein, Ferien im Gästewohnmobil zu verbringen. az-Praktikantin Timea Hunkeler liess sich das nicht zwei Mal sagen und nahm die Chance wahr, den Kindheitstraum vom Zirkus auszuleben.

Timea Hunkeler
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Impressionen vom Areal des Zirkus Nock
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Impressionen vom Areal des Zirkus Nock

Chris Iseli

Wie ist das Leben im Zirkus? Diese Frage stellen sich viele. Einmal wie die Artisten wohnen, das publikumsleere Zelt auf eigene Faust erkunden, den Tieren ganz nah sein. Genau diesen Kindheitstraum will der Circus Nock jetzt allen Zirkusbegeisterten erfüllen. «Ferien im Zirkus» heisst das neue Angebot, das nicht nur Kinderherzen höher schlagen lässt.

In einem Wohnmobil können Gäste seit Mitte März mit dem Zirkustross, bestehend aus Artisten, Arbeitern, Fahrern und der Familie Nock, einige Tage verbringen. So besteht die einmalige Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen einer Welt voller Musik, bunter Lichter und Kostüme zu blicken.

Ein Schlüssel, zwei Gästepässe und ich. Mehr braucht es nicht, um am Donnerstag in Windisch für eine Nacht Teil dieser Welt auf vier Rädern zu werden. Vorbei an grossen Trucks mit der Aufschrift «Nock» gelange ich ins Zirkusdorf.

So erlebte az-Praktikantin Timea Hunkeler die Nacht im Zirkus-Wagen:

Wohnwagen und Wohnmobile reihen sich auf der Amphiwiese nebeneinander. Tür an Tür mit den Zirkusleuten wohnen, das ist dank dem Ferienangebot möglich. Das Gästewohnmobil steht direkt neben dem Gehege mit den Ponys, Pferden, Kamelen, Eseln und einem Zebra. Nur so finde ich auch später mein Zuhause auf Zeit in dem Dschungel aus Wohnwagen wieder.

Ein Blick hinter die Kulissen

Ein Programm wird für die Gäste nicht vorbereitet. Sie dürfen sich auf dem ganzen Gelände frei bewegen. «Wie nahe die Gäste dem Zirkusleben kommen, können sie selbst entscheiden», sagt Mina Seiler, Presseverantwortliche des Circus Nock. «Wer es so authentisch wie möglich haben will, muss aber auch den Tank seiner Toilette im Wohnmobil selbst leeren», sagt sie weiter und lacht. Den Gästen wird ausserdem angeboten, die Vorstellungen kostenfrei zu besuchen.

Am frühen Abend begebe ich mich auf Erkundungstour. Man hört Menschen in verschiedenen Sprachen miteinander reden und lachen. Auch wenn mir die Lebensweise und die Sprachen fremd scheinen, so fühle ich mich sehr willkommen.

Impressionen aus einer Vorstellung des Zirkus Nock (März 2016):

Impressionen vom Zirkus Nock
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Tolle Nummer von Franziska Nock mit Friesen, Andalusiern und Shetlandponys.
Kamele, Lamas und Esel im Gleichschritt unter der Leitung von Paolo Finardi.
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Impressionen vom Zirkus Nock

André Albrecht

Während meines Spaziergangs werde ich freundlich gegrüsst – sei es auf Spanisch, Italienisch, Englisch oder Deutsch. «Die Leute wissen, dass wir einen neuen Feriengast haben», erinnere ich mich an die Worte von Seiler zurück.

Das Schild «Nock» auf der Spitze des Zeltes ist am späteren Abend noch die einzige Lichtquelle. Bei Nacht wirkt das sonst so glamouröse Zelt wie die perfekte Kulisse eines Horrorfilms, in dem jede Sekunde ein furchterregender Clown aus dem Hinterhalt hervorspringt.

Dieser schaurige Gedanke treibt mich zurück in mein Wohnmobil. Nun sind die Stimmen und das Gelächter lauter geworden. Unterstützt werden diese von einem Mix aus arabischer und lateinamerikanischer Musik. Nebenan findet offenbar ein Grillfest der Artisten statt. Plötzlich kommt mir das Motto der diesjährigen Show «Ritmo y pasión» sehr authentisch vor.

Am nächsten Morgen sitze ich ausgeschlafen am Tisch meines Wohnmobils und nippe an meinem Kaffee. Die Stille ist das Gegenteil von letzter Nacht. Dann, gegen 7 Uhr, erwacht auch langsam das Zirkusdorf. So kommt es auch schon mal vor, dass man für ein Interview mit Francesco Nock an dessen Wohnwagen klopfen muss.

Francesco Nock erzählt im Interview von seinem anstrengenden und gefährlichen Zirkus-Alltag:

Vorbei an Wäscheständern wage ich mich nun ins Innere des menschenleeren Zelts. Dort probt Paolo Finardi gerade die Nummer mit den Pferden. Zurück nach draussen: Es herrscht reger Betrieb. Die Arbeiter rufen sich die Aufgaben lautstark zu. Man weiss: Bis zur nächsten Aufführung geht es nicht mehr lange.

Francesco Nock zeigt, was er kann:

Francesco Nock hat die Intensivstation verlassen können. Vor einer Woche ist er bei seiner Tuchnummer abgestürzt.
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Bei einer solchen Nummer ist Francesco Nock abgestürzt.
Francesco Nock bei seiner Tuchnummer
Francesco Nocks Tuchnummer. zvg
Als Tarzan und Jane schwingen Francesco Nock (CH) und seine Partnerin Simona Georghe (RUM) durch die Lüfte. Gemeinsam aufgetreten ist das Paar bereits Ende 2013 in Deutschland.
Als Tarzan und Jane: Francesco Nock und Simona Gheorghe.
Franz und Francesco Nock.
Mikel Stoichev (BUL) und Francesco Nock (CH) im Todesrad.

Francesco Nock hat die Intensivstation verlassen können. Vor einer Woche ist er bei seiner Tuchnummer abgestürzt.

Thierry Bissat

Vorstellungen Heute Samstag um 15 und 20 Uhr sowie am Sonntag um 10.30 und 15 Uhr auf der Amphiwiese in Windisch.