Villnachern
«Wir mussten beharrlich sein»: Das Elektroauto zum Teilen steht bereit

Auf dem Schulparkplatz in Villnachern geht der neue E-Carsharing-Standort in Betrieb. Auf dem Weg dahin gab es einige Hürden.

Michael Hunziker
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Elektroauto neben Ross und Wagen: Gross ist bei den Beteiligten die Freude über die neue E-Carsharing-Station.

Elektroauto neben Ross und Wagen: Gross ist bei den Beteiligten die Freude über die neue E-Carsharing-Station.

mhu (4. Februar 2022)

Ein flottes und geräumiges Elektroauto zum Teilen, ab sofort in Betrieb und buchbar: Die neue E-Carsharing-Station auf dem Schulparkplatz an der Dorfstrasse 7 in Villnachern ist eingeweiht.

Es sei ein sonniger und ein energiegeladener Tag für Villnachern, ein Tag von Bedeutung für das Dorf, sagte ein bestens aufgelegter Gemeindeammann Roland König am Freitagvormittag mit einem strahlenden Lachen. Der Gemeinderat freue sich, nicht nur von der Energiewende reden, sondern einen aktiven Beitrag leisten zu können.

Es sei ein sonniger und ein energiegeladener Tag für Villnachern, sagt Gemeindeammann Roland König.

Es sei ein sonniger und ein energiegeladener Tag für Villnachern, sagt Gemeindeammann Roland König.

mhu

Der Gemeindeammann rief dazu auf, das neue Angebot zu nutzen, die Gelegenheit zu packen, einen Versuch zu wagen – auch wenn jemand zu Beginn vielleicht skeptisch sei. Anwesend waren an der Einweihung neben den Mitgliedern des Gemeinderats auch Vertreterinnen und Vertreter von Swiss E-Car, IBB Energie AG und Kosag Transport AG sowie der Gemeinnützigen Genossenschaft Villnachern.

Königs Dank galt den Partnern und vor allem dem Stimmvolk, das die Zustimmung gab für die Umsetzung – «es war nicht einfach, wir mussten kämpfen und beharrlich sein» – sowie der Gemeinnützigen Genossenschaft Villnachern, die das Projekt finanziell trägt. «Den Steuerzahler kostet es keinen Franken.»

Erst beim zweiten Anlauf wurde Geschäft genehmigt

Tatsächlich gab es ein paar Hürden auf dem Weg zur Carsharing-Station: Im November 2020 wurde das Geschäft an der Urne knapp abgelehnt. Der Gemeinderat startete eine Umfrage, um die Hintergründe abzuklären. Es wurde im Vorfeld nicht klar genug dargelegt, so die Erkenntnis, dass allfällige Kosten vollständig durch die Partner und die Gemeinnützige Genossenschaft Villnachern getragen würden und nicht durch die Gemeinde. Der Gemeinderat beschloss, das Geschäft ein weiteres Mal zu traktandieren an der Gemeindeversammlung im Juni 2021. Diese hiess den Kredit von 35'000 Franken dann gut.

Arian Rohs, Vertreter von Swiss E-Car (rechts), zeigt den VW ID.3.

Arian Rohs, Vertreter von Swiss E-Car (rechts), zeigt den VW ID.3.

mhu

Vizeammann Richard Zickermann sprach von einer Herzensangelegenheit. Er sei froh, dass alle mitgespielt haben und stolz, dass Villnachern ein Zeichen setzen könne in der Region. «Wir sind fortschrittlich, wir gehen mit der Zeit.» Die Gemeinde sei zwar nahe an Brugg, am urbanen Raum, aber trotzdem ländlich gelegen, fuhr der Vizeammann fort. Viele Familien hätten ein zweites Auto. Zickermann:

«Vielleicht braucht man es jetzt nicht mehr so sehr.»

Die angenehme, unkomplizierte Zusammenarbeit lobte auch Philipp Ramuz, Geschäftsleiter Netz-Dienstleistungen bei der IBB Energie AG. Es handle sich um den dritten Carsharing-Standort in der Region, an dem die Brugger Energieversorgerin beteiligt sei. Zusammen mit der öffentlichen Ladestation für E-Autos sei ein kostengünstiges und umweltfreundliches Angebot entstanden.

Fahrzeug lässt sich per Smartphone-App öffnen

Die stetig wachsende Plattform Swiss E-Car, die ursprünglich unter den Namen E-Cargovia gestartet war, habe noch einiges vor, versprach deren Vertreter Arian Rohs, «im Kanton und ausserhalb des Kantons». Er zeigte, wie sich das Elektroauto nach der Registrierung per Smartphone-App einfach reservieren und öffnen lässt. Die Kosten von 8 Franken pro Stunde oder 65 Franken pro Tag werden direkt über die Kreditkarte verrechnet. Die Reichweite des VW ID.3 beträgt zwischen 300 bis 400 Kilometer. Geladen wird das Fahrzeug mit 100 Prozent Naturstrom aus Wasserkraft.

Angefahren zur Einweihung kamen die Vertreter des Gemeinderats übrigens per Ross und Wagen. «Leise und ohne Benzin und Diesel, wie vor 100 oder 150 Jahren», sagte Gemeindeammann König. Nun erfolge der Wechsel in eine neue Zukunft, ebenfalls leise, diesmal aber mit dem Elektroauto.