Bevölkerungsstatistik
Fast 16 Prozent mehr Tote: Mortalitätsrate im Bezirk Brugg nahm deutlich zu

Eine Umfrage im Bezirk Brugg zeigt eine Zunahme der Todeszahlen im Jahr 2020. Es bestehen jedoch grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Gemeinden. Eine Übersicht.

Katja Gribi
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Im Bezirk Brugg nahm 2020 die Anzahl Todesfälle deutlich zu. Einzelne Gemeinden bilden die Ausnahme.

Im Bezirk Brugg nahm 2020 die Anzahl Todesfälle deutlich zu. Einzelne Gemeinden bilden die Ausnahme.

Bild: Archiv
(2. September 2015)

Während der Coronapandemie ist die Zahl der Todesfälle in der Region Brugg deutlich gestiegen. Dies zeigt eine Umfrage der AZ bei den 23 Gemeinden. 2019 wurden noch insgesamt 433 Todesfälle verzeichnet, 2020 belief sich diese Zahl auf 501 – dies entspricht einer Zunahme von 15,7 Prozent. Dabei bleibt zu beachten, dass die Bevölkerungszahl im letzten Jahr ebenfalls angestiegen ist. Jedoch wurde nur ein Anstieg von zirka 1,6% registriert. Gemäss Stimmen aus den Gemeinden, ist nur schwer zu erfassen, ob und inwiefern ein Zusammenhang mit der Krise besteht.

Grosse Schwankungen in einzelnen Gemeinden

Es fällt auf, dass im Detail 15 der 23 Gemeinden einen Anstieg der Todesfälle aufzuweisen hatten. Einige Gemeinden stechen dabei in der Statistik besonders hervor. Dazu gehört Birrhard mit einer Zunahme von 400% (5 Verstorbene), aber auch Effingen (8 Verstorbene) und Elfingen (3 Verstorbene). Allerdings sind hier die Statistiken aufgrund der tiefen Bevölkerungszahlen wenig aussagekräftig.

In der Gemeinde Birr hingegen hat sich die Zahl der Verstorbenen von 17 auf 34 verdoppelt – bei einer Bevölkerung von 4605 Menschen. Ob ein direkter Zusammenhang mit der Coronakrise besteht, darüber kann die Gemeinde keine Information geben. «Wir haben in der Regel keine Kenntnisse über die genaue Todesursache. Dementsprechend lässt sich kein Zusammenhang mit der Pandemie erschliessen», meint Christoph Bamberger, Gemeindeschreiber in Birr.

In gewissen Gemeinden ist aber auch ein gegenteiliger Trend festzustellen. So hat Remigen bei einem starken Bevölkerungswachstum von knapp 14% auf 1328 Bewohner keine Veränderung in den Todesfallzahlen registriert. Hier sind in den Jahren 2019 und 2020 lediglich jeweils 9 Menschen verstorben. Von diesen 9 Personen ist ein Todesfall auf eine Corona-Erkrankung zurückzuführen, teilt Gemeindeschreiber Jonas Hürbin mit.

Beatrice Böhringer ist stellvertretende Geschäftsleiterin im Haus Eigenamt.

Beatrice Böhringer ist stellvertretende Geschäftsleiterin im Haus Eigenamt.

Bild: zvg

Lupfig mit positiver Entwicklung inmitten der Krise

Besonders auffallend im positiven Sinne zeigt sich die Gemeinde Lupfig. «Die Fallzahlen im Krisenjahr 2020 sind sogar um einiges tiefer wie 2019 und 2018», hält die stellvertretende Gemeindeschreiberin Sandra Winkler fest.

Der Rückgang um fast 78% ist umso erstaunlicher, da sich in dieser Gemeinde mit dem Haus Eigenamt ein Alterspflegezentrum befindet. Jedoch kann die Anzahl der Todesfälle in Altersheimen von Jahr zu Jahr stark variieren, erklärt Béatrice Böhringer, stellvertretende Geschäftsführerin im Haus Eigenamt. «Wir haben in unserer Institution jedes Jahr eine andere Anzahl von Verstorbenen. Hier spielen verschiedene Faktoren mit ein, das Coronavirus kommt zu diesen Faktoren neu hinzu», erklärt sie. Hinsichtlich des starken Rückgangs der Todeszahlen inmitten einer Pandemie stellt sie fest:

«Mit der Schliessung unserer Institution im März 2020 haben wir angemessen gehandelt. Auch wenn es von aussen Kritik gab, war unser Entscheid der Richtige. Bis anhin haben wir keine Coronafälle bei unseren Bewohnern zu verzeichnen.»

Gemeindefusion wirkt sich auf Statistiken aus

Auch in Brugg lassen sich einige Veränderungen in den Bevölkerungsstatistiken feststellen. Sowohl die Bevölkerung als auch die Anzahl der Todesfälle haben stark zugenommen. In Brugg leben demnach 12651 Menschen (Stand Juni 2020). Dies ist eine Zunahme um 13,6% im Vergleich zum Vorjahr. Jedoch ist diese starke Entwicklung auf die Fusion der Gemeinde Schinznach-Bad mit Brugg zurückzuführen. Zugleich wirkt sich dies auch auf die Statistik der Todeszahlen aus: Der Anstieg um 22,4% besteht zu einem Teil auch aus der Eingliederung von Schinznach-Bad in die Statistik der Stadt Brugg.

Ein direkter Zusammenhang mit der Coronakrise ist auch hier nur schwierig herzustellen. Antonio Armetta, Fachmann der öffentlichen Verwaltung von Brugg, betont:

«Wie aus gewissen Gesprächen vernommen wurde, verstarben einzelne Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Man beachte aber auch, dass die Gemeinde Schinznach-Bad seit Januar 2020 der Stadt Brugg angehört und auch von dort fünf Todesfälle dazu kamen.»

Nun bleibt abzuwarten, wie sich die Pandemie im aktuellen Jahr auf die Statistiken auswirken wird.