Brugg

Schlägerei nach Argovia-Fäscht: In der Früh liessen die Männer die Fäuste sprechen

Schlägerei Argoviafest: Hier lässt der Richter Gnade walten

Schlägerei Argoviafest: Hier lässt der Richter Gnade walten

Am Argoviafest 2017 flogen die Fäuste. Heute mussten sich deswegen fünf junge Männer vor dem Gericht verantworten.

Mehrere Männer mussten sich vor Bezirksgericht Brugg verantworten wegen einer Schlägerei am Morgen nach dem Argovia-Fäscht 2017. Die Verhandlung fand ein ungewöhnliches Ende.

Unschöne Szenen haben sich abgespielt im Morgengrauen nach dem Argovia-Fäscht im Juni 2017: Mehrere junge Männer gerieten aneinander, es kam zu Schlägereien. Am Freitag trafen sie erneut aufeinander – vor dem Bezirksgericht Brugg. Zur Last gelegt wurden ihnen Raufhandel sowie in einigen Fällen einfache Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft hatte bedingte Geldstrafen beantragt.

Alles begann mit einem Anrempler: Zwei damals 23 und 26 Jahre alte gebürtige Ungaren waren ausserhalb des Festareals unterwegs auf der Langgasse in Birrhard zwischen 5 und 5.30 Uhr am Sonntag in der Früh. Einer streifte die Schulter eines vorbeigehenden 28-jährigen Aargauers. Nach einem kurzen Wortwechsel gingen die Männer aufeinander los, bis der Aargauer zu Boden fiel. Er wurde mit weiteren Fusstritten eingedeckt und rief um Hilfe.

Zwei unbekannte Männer trafen ein, halfen dem Aargauer und begannen zusammen mit diesem wiederum auf die beiden Ungaren einzuschlagen. Der ältere Ungare ging zu Boden und blieb verletzt liegen, der jüngere ergriff die Flucht und rannte in Richtung der Parkplätze. Der Aargauer setzte ihm über eine kurze Strecke nach und schlug mit einem Hosengurt auf ihn ein.

Im Auto kehrten sie zurück

Auf dem Parkplatz berichtete der Ungare einem 22-jährigen Landsmann sowie einem gleichaltrigen Rumänen vom Vorfall. Mit dem Auto fuhren sie zurück zur Langgasse. Dort waren inzwischen zwei weitere Aargauer eingetroffen im Alter von 24 und 28 Jahren und warteten auf den Krankenwagen für den verletzten Ungaren. Die Aargauer wurden in der Folge von den Fahrzeuginsassen mit den Fäusten angegriffen und – nachdem sie zu Boden gegangen waren – mit Fusstritten malträtiert.

Ein Zeuge, der zu diesem Zeitpunkt zusammen mit zwei Kolleginnen vom Argovia-Fäscht kam und in Richtung Bahnhof ging, bestätigte in der Befragung durch Einzelrichter Sandro Rossi zwar, dass es eine Schlägerei gegeben hatte, mehrere Personen aufeinander losgingen, dass ein Auto zu- und wegfuhr. An viele Details, räumte er aber ein, könne er sich nicht erinnern, auch die Personen konnte er nicht beschreiben.

Laut Anklageschrift zogen sich die Beteiligten diverse Verletzungen zu. Die Rede ist etwa von Prellungen, von einer Absplitterung an einem Zahn, einer Nasenbeinfraktur, einer Rissquetschwunde oder einem Hämatom.

Körperverletzung statt Raufhandel

Anwesend vor Gerichtspräsident Sandro Rossi waren drei gebürtige Ungaren als Beschuldigte, der damals 28-jährige Aargauer als Beschuldigter und Privatkläger sowie ein Dolmetscher. Als Privatkläger stiessen später die zwei weiteren Aargauer zur Verhandlung. Den Beteiligten schlug Gerichtspräsident Rossi eine aussergerichtliche Lösung vor, denen die Männer schliesslich – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – zustimmten.

Die Staatsanwaltschaft ging von einem Raufhandel aus, für das Gericht stand aber der Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Vordergrund, erklärte Gerichtspräsident Rossi nach dem Vergleichsgespräch. Bei der einfachen Körperverletzung könne der Strafantrag zurückgezogen werden – was alle Beteiligten auch getan hätten. Vereinbart wurde weiter, führte Rossi aus, dass die fünf Beschuldigten je 400 Franken an eine soziale Einrichtung zahlen. Als Institution per Los gezogen wurde das Kinderheim Brugg. Überdies verpflichten sich die Männer aus Ungarn und Rumänien, den beiden Privatklägern je 1400 Franken an ihre Anwaltskosten zu zahlen. Auf jede weitere Entschädigung wird verzichtet, die Verfahrenskosten gehen zulasten des Staats.

Vergleichsgespräch dauerte lange

Derjenige Beschuldigte, der nicht anwesend war vor Gericht, hat telefonisch seine Einwilligung gegeben zur Vereinbarung und wird diese – sobald er zurück ist in der Schweiz – unterschreiben, sagte Rossi. Erst dann ist sie gültig.

Verteidiger André Kuhn liess nach der Verhandlung durchblicken, dass sich sein Klient, der 28-jährige Aargauer – «wir waren überzeugt, dass er freigesprochen worden wäre» – sehr schwergetan habe am Vergleichsgespräch. Deshalb habe es recht lange gedauert. Ein wesentlicher Bestandteil seien die persönlichen Entschuldigungen gewesen, hielt Kuhn fest und zeigte sich überzeugt, dass den Beschuldigten dieses Strafverfahren, eine starke Belastung, sicher eine Lehre sein und in Erinnerung bleiben werde. «Wir gehen davon aus, dass ihnen das Gleiche nicht noch einmal passiert.»

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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