Brugg
Regenbecken ist noch nicht vom Tisch – Stadtrat will via Website besser orientieren

Es habe offenbar zu wenig klar aufgezeigt werden können, dass ohne Regenbecken ein echtes Umweltrisiko bestehen könne, sagt Stadtrat Reto Wettstein.

Michael Hunziker
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Die Website der Stadt ist ausgebaut, der Bereich «Siedlungsentwässerung und Abwasserbeseitigung» aktualisiert worden. Screenshot

Die Website der Stadt ist ausgebaut, der Bereich «Siedlungsentwässerung und Abwasserbeseitigung» aktualisiert worden. Screenshot

zvg

Ohne Wenn und Aber haben die Brugger Stimmberechtigten Anfang März dieses Jahres den Bau des Regenbeckens Altenburg abgelehnt, haben an der Urne den Kredit von 2,563 Mio. Franken mit 2073 Nein- zu 1617 Ja-Stimmen bachab geschickt.

Der Stadtrat ist nach diesem klaren, negativen Entscheid über die Bücher gegangen – hat gehandelt, die Website der Stadt ausgebaut und den Bereich «Siedlungsentwässerung und Abwasserbeseitigung» aktualisiert. Vielleicht sei im Vorfeld der Referendumsabstimmung zu wenig transparent, zu wenig offensiv kommunziert worden, sagten Stadtrat Reto Wettstein, seit diesem Jahr zuständig für das Ressort Planung und Bau, sowie Stefan Zinniker, Bereichsleiter Tiefbau bei der Abteilung Planung und Bau. «Das war ein Lehrblätz.» Es habe offenbar zu wenig klar aufgezeigt werden können, dass ohne dieses Regenbecken ein echtes Umweltrisiko bestehen könne, dass dieses Bauwerk standortgebunden sei und finanziert werde über den Eigenwirtschaftsbetrieb Abwasserbeseitigung, die Abwassergebühr deshalb also nicht steige.

«Wir sind verpflichtet, Massnahmen zu ergreifen.» Reto Wettstein, Stadtrat

«Wir sind verpflichtet, Massnahmen zu ergreifen.» Reto Wettstein, Stadtrat

Alex Spichale

Alternativen sind gefragt

An einer Medienorientierung gestern Montag haben Wettstein und Zinniker den überarbeiteten Online-Auftritt vorgestellt und über das weitere Vorgehen beim Projekt «Regenbecken Altenburg» informiert. Bis Ende dieses Jahres sollen Alternativen gesucht und eine Lösung für die Regenwasserbehandlung im Gebiet Altenburg gefunden werden. Die Stadt sei verpflichtet, Massnahmen zu ergreifen, betonte Wettstein, denn die bestehende Situation sei nicht gesetzeskonform. Es stelle sich nun die Frage, wie die Vorgaben des Gewässerschutzes im betroffenen, rund 57 Hektaren grossen Einzugsgebiet erfüllt werden können. Heute könne das Strassenabwasser direkt in die Aare gelangen.

Mit der Website würden viele Fragen beantwortet, fügte Wettstein an. Eine sachliche, umfassende Information sei dem Stadtrat wichtig. Das Thema Abwasserbeseitigung interessiere und mobilisere offensichtlich, der Bevölkerung sei der Gewässerschutz ein Anliegen, äusserte sich der Stadtrat überzeugt und hob hervor: «Wir nehmen unsere Aufgabe sehr ernst».

Wasser wird zwischengespeichert

Online sind, zeigte Stefan Zinniker auf, auch Angaben erhältlich zum Stand der weiteren, laufenden Projekte: zur Sanierung der Schmutzwasserleitung Schöneggstrasse, zum Bau der Sauberwasserleitung im Gebiet Stapfer oder zur Erneuerung der Schmutzwasserleitungen und zum Neubau der Sauberwasserleitungen in der Vorstadt. Zu finden sind ebenfalls der detaillierte Massnahmen-/Investitionsplan sowie Ausführungen zum Generellen Entwässerungsplan (GEP). Dieser hält fest, wie das Stadtgebiet entwässert und die Gewässer geschützt werden können oder wie die Infrastrukturanlagen betrieben, ausgebaut und finanziert werden.

Zur Behandlung des verschmutzten Regenwassers, das bei Regenwetter in grossen Mengen anfällt, haben sich Regenbecken bewährt, wird im GEP erklärt. Und: Die künstlich angelegten Bauten, in denen das Wasser zwischengespeichert wird, seien eine wichtige Massnahme zum Schutz der Aare. Im zurzeit sistierten Projekt Regenbecken Altenburg beträgt das sogenannte Stapelvolumen 300 Kubikmeter. Das Bauwerk samt Betriebsgebäude kommt im Boden zu liegen und ist damit nicht sichtbar. Einzig der Eingangsbereich ist am Schluss zu sehen. Bereits in Betrieb sind in Brugg die vier Regenbecken «Schönegg», «Ländi», «Lauffohr» und «Umiken».

776 Unterschriften waren gültig

Rückblick: Im Oktober 2017 genehmigte der Brugger Einwohnerrat nach einer lebhaften Diskussion den Baukredit für das Regenbecken Altenburg. Das Referendum kam mit 776 gültigen Unterschriften zustande.

Das Referendumskomitee «Kein Regenbecken Altenburg» war sich sicher, dass mit dem Bau das Ziel «Schutz der Aare» nicht erreicht werden kann. Die unerwünschte Vermischung von Regenwasser und Schmutzwasser werde nicht gelöst, bei starken Niederschlägen überlaufe das Schmutzwasser trotzdem in die Aare. Es handle sich um ein umstrittenes und teures Projekt. Das Referendumskomitee sprach weiter von der «Zerstörung von Umwelt und archäologischem Erbe» sowie von einem «riesigen Betonklotz» im Schutzgebiet an der Aare.