Lupfig
Dicke Post für die Einheimischen: Der Aufenthalt im Haus Eigenamt schlägt 5475 Franken pro Jahr auf

Die seit dem 1. Januar 2019 operierende Aktiengesellschaft streicht den Pflegeheimbewohnern aus den Gemeinden Birr, Birrhard und Lupfig dieses Jahr den Rabatt von 15 Franken pro Tag. Ein erster Versuch war 2017 am Widerstand der Bevölkerung gescheitert.

Claudia Meier
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Die Haus Eigenamt AG verfügt im Pflegeheim in Lupfig über 46 Betten in Einzelzimmern.

Die Haus Eigenamt AG verfügt im Pflegeheim in Lupfig über 46 Betten in Einzelzimmern.

Bild: Sandra Ardizzone (25. März 2015)

Bereits 2017 gab es einen Versuch, den Bewohnern aus den Gemeinden Birr, Birrhard, Lupfig und Scherz im Haus Eigenamt den Einheimischen-Rabatt von 15 Franken pro Tag zu streichen. Damals war der Widerstand innerhalb des Altersheimvereins Eigenamt so gross, dass der Vorstand zu einer ausserordentlichen Generalversammlung einladen musste, weil die erste Abstimmung über das Budget statutenwidrig war.

Es wurden zwei Budgets vorgelegt mit und ohne Einheimischen-Rabatt: Differenz 124'000 Franken. Bis auf sechs Mitglieder stimmten damals alle Anwesenden für die Budget-Variante mit dem Einheimischen-Rabatt. Die Trägergemeinden brauchten zwei Anläufe. Zuerst waren nur zwei dafür und dann alle vier.

Das Haus Eigenamt sorgte vor Jahren regelmässig für Schlagzeilen.

Das Haus Eigenamt sorgte vor Jahren regelmässig für Schlagzeilen.

Bild: sam (25. März 2015)

Inzwischen wurde der Altersheimverein aufgelöst resp. in einen bedeutungslosen Gönnerverein umgewandelt. Die Entscheidungsmacht liegt seit dem 1. Januar 2019 bei der privatrechtlich organisierten Haus Eigenamt Aktiengesellschaft. Der fünfköpfige Verwaltungsrat besteht derzeit aus Präsidentin Ursula Berger (Gemeindeammann Birrhard), Daniel Zimmermann (Vizeammann Birr), Roland Bodenmann (Vizeammann Lupfig), Christian Hehl (Apotheker Birr) und Arzt Martin Wernli aus Erlinsbach. Die ehemaligen Trägergemeinden sind nun Aktionäre.

Für Neueintretende gilt der neue Tarif seit Januar

Im letzten November beschloss der Verwaltungsrat, die Reduktion für Bewohner aus den Trägergemeinden von 15 Franken pro Tag per 30. Juni 2021 zu sistieren. Das teilte er den Betroffenen am 20. Januar mit. Dieses Modell entspreche nicht mehr dem heutigen Stand im Gesundheitswesen, wo keine Quersubventionierungen stattfinden dürfen, wo Tarife klar und für alle gleich abgebildet werden müssen, heisst es im Brief, welcher der AZ vorliegt.

Mit anderen Worten: Ab dem 1. Juli erhöhen sich die monatlichen Kosten für die Einheimischen um 450 Franken. Bewohner, die nach dem 1. Januar 2021 neu ins Haus Eigenamt in Lupfig eingetreten sind, müssen von Anfang an den vollen Betrag bezahlen.

16 Bewohner müssen tiefer in die Tasche greifen

Zur Aufhebung des Einheimischen-Rabatts erklärt Geschäftsführer Hanspeter Müller von der Haus Eigenamt AG, die Reduktion sei vor zirka 27 Jahren mit den damaligen Verantwortlichen in Zusammenhang mit dem Bau, dem Land, Steuern etc. vereinbart und von der Institution bis anhin auch so ausgeführt worden. Müller sagt:

«Diese Reduktion wurde allein durch die Institution getragen und nicht von den Trägergemeinden, den heutigen Aktionären, zurückvergütet.»

In den letzten zehn Jahren seien aus den Altersheimen Institute für Langzeitpflege geworden. Und so sei man nach ausführlichen Diskussionen zum Schluss gekommen, die Sistierung der Reduktion vorzunehmen. Der Geschäftsführer ergänzt: «Im Weiteren wäre dieser Rabatt unfair, da Einwohner der drei Gemeinden, die in anderen Heimen untergebracht sind, nicht von einem solchen Rabatt profitieren können.»

Die Haus Eigenamt AG befinde sich nicht in «Schieflage», sagt Müller auf die entsprechende Frage. Der Jahresabschluss 2020 sehe erfreulich aus. Das Haus Eigenamt verfügt über insgesamt 46 Betten in Einzelzimmern. Derzeit sind alle besetzt. Zirka 35% der Bewohner resp. 16 Personen erhalten noch bis Mitte Jahr Rabatt.

Von Seiten der Bewohner hat es laut Müller keine Reaktionen zum Tarifentscheid gegeben. Anders tönt es aus dem Umfeld der Angehörigen. Einige waren erstaunt und nahmen den Finanzentscheid zähneknirschend zur Kenntnis.

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