Kultur
«Filmemachen ist eine Marathondisziplin»: Erste Brugger Dokumentarfilmtage starten mit genauso beeindruckender wie auch schwerer Kost

Rund 60 Personen besuchten am Donnerstag den Eröffnungsabend im Brugger Kulturhaus Odeon. Anschliessend an den Film «Apenas El Sol» gab Regisseurin Arami Ullón Einblicke in ihr Schaffen.

Maja Reznicek
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Neben den Filmvorstellungen finden Gesprächsrunden mit den Machern statt: Produzent Pascal Trächslin (links), Regisseurin Arami Ullón und Stephan Filati, Betriebsleitung Odeon, als Moderator.

Neben den Filmvorstellungen finden Gesprächsrunden mit den Machern statt: Produzent Pascal Trächslin (links), Regisseurin Arami Ullón und Stephan Filati, Betriebsleitung Odeon, als Moderator.

Maja Reznicek

Es hatte etwas Verbotenes an sich. Nach der Kontrolle des Covid-Zertifikats tröpfelte das Publikum am Donnerstagabend ohne Maske in den Kinosaal. Eine Besucherin sagte treffend:

«Ganz schön ungewohnt.»

Als wenig später dann der Schriftzug «Willkommen zu den ersten Brugger Dokumentarfilmtagen» über die Leinwand des «Odeons» flimmerte, war das Thema längst vergessen.

In Brugg findet das erste Dokumentarfilmfestival in der deutschsprachigen Schweiz statt.

In Brugg findet das erste Dokumentarfilmfestival in der deutschsprachigen Schweiz statt.

Maja Reznicek

Stephan Filati, Betriebsleiter des Kulturhauses, gab den Startschuss für den Anlass vom 16. bis 19. September sichtlich stolz, erntete tosenden Applaus von den rund 60 Zuschauern und übergab dann an Stadtammann Barbara Horlacher.

In ihrer Eröffnungsrede beglückwünschte sie die Veranstalter zu «dem Mut, in der jetzigen Zeit ein solches Unterfangen wie die Dokumentarfilmtage» anzugehen. Diese würden sicher bis über die Grenzen der Stadt Brugg hinausstrahlen.

Sieben Jahre wurde an dem Film gearbeitet

Für den Auftakt des viertägigen Events wählten die Organisatoren die Dokumentation «Apenas El Sol» (Nichts als die Sonne) der in der Schweiz wohnhaften, aber ursprünglich in Paraguay geborenen Regisseurin Arami Ullón. Dabei folgt die Kamera dem indigenen Ayoreo Mateo Sobode Chiqueno, dessen Volk gewaltsam von den «Weissen» aus dem Trockenwald vertrieben und umgesiedelt wurde.

In der kargen Landschaft des paraguayischen Chaco versucht Chiqueno, die bedrohte Kultur der Ayoreo zu erhalten, indem er Geschichten, Lieder und Zeugnisse auf einem alten Kassettenrekorder aufnimmt.

Auf die Idee für den 75-minütigen Film stiess Arami Ullón durch einen Artikel in einer Schweizer Zeitung:

«Er handelte vom Leben der Ayoreo. Bis dahin hatte ich noch nie davon gehört.»

Produzent Pascal Trächslin ergänzte dazu: «Das ist schon so lange her, dass ich sagen könnte, dass ich mich nicht mehr erinnere. Da merkt man wieder, Filmemachen ist eine Marathondisziplin.»

Produzent Pascal Trächslin (links), Regisseurin Arami Ullón und Stephan Filati, Betriebsleitung Odeon, im Gespräch.

Produzent Pascal Trächslin (links), Regisseurin Arami Ullón und Stephan Filati, Betriebsleitung Odeon, im Gespräch.

Maja Reznicek

Rund sieben Jahre lang wurde an dem Dokumentarfilm gearbeitet, wie sich im von Stephan Filati geführten Gespräch herausstellte. Drei davon, so Ullón, habe man nur damit verbracht, das Vertrauen der Menschen vor Ort zu gewinnen und ihre Geschichten zu erfahren.

«Ein guter Start, in einer guten Grösse»

«Apenas El Sol» sorgte beim Publikum hörbar für Gesprächsstoff. In vielen Ecken des «Odeons» wurde nach der Vorführung intensiv über den Film diskutiert. Ganz schwere Kost, bestätigte eine Besucherin, obwohl es sich um ein bekanntes Problem handle. Insbesondere die sehr gute Kameraführung blieb ihr.

Rund 60 Personen nahmen am Donnerstag am Eröffnungsanlass teil.

Rund 60 Personen nahmen am Donnerstag am Eröffnungsanlass teil.

Maja Reznicek

Ein anderer Besucher wiederum empfand die Thematik zwar als interessant, die Umsetzung aber nicht als «sehr gut». Seine Begleitung schloss hingegen:

«Der Film hat mich nachhaltig beeindruckt.»

«Odeon»-Betriebsleiter Stephan Filati zeigte sich am Donnerstagabend zufrieden mit der Eröffnung der Brugger Dokumentarfilmtage. «Ein guter Start, in einer guten Grösse», sagte er mit einem Lächeln. Wer «Apenas El Sol» verpasst hat, kann den Film am 18. September um 18 Uhr im Kino Excelsior erleben.

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