Brugg
Hospiz-Pionierin Luise Thut: Ehrung für das Lieblingskind des Herrgotts

Heute Sonntag findet im Salzhaus Brugg die Vernissage eines Buches über die Schweizer Hospiz-Pionierin Luise Thut statt. Triebfeder für ihr Wirken war auch der Glaube, dass sie ihre Ziele erreichen kann.

Elisabeth Feller
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Luise Thut, Gründerin des ersten Hospiz im Aargau.

Luise Thut, Gründerin des ersten Hospiz im Aargau.

Chris Iseli

Ein weiss-rosafarbener Blütenzweig ziert ein Buch mit 150 Seiten. Am Umfang will man sich nicht lange aufhalten, dafür beim Titel «Ein Haus fürs Leben – Die Schweizer Hospiz-Pionierin Luise Thut und ihre Wegbegleiter». Trefflicheres als dieses lässt sich kaum vorstellen, denn das in Brugg beheimatete Hospiz ist zwar ein Ort für Schwerstkranke und Sterbende, jedoch kein trauriger, sondern einer voller Leben.

Vernissage

Die Buchvernissage von «Ein Haus fürs Leben – Die Schweizer Hospiz-Pionierin Luise Thut und ihre Wegbegleiter» findet am Sonntag, 23. August, 11 Uhr im Salzhaus Brugg statt. Durch den Anlass führt der Fernsehmoderator Kurt Aeschbacher; musikalisch umrahmt wird die Vernissage vom St. Anton-Trio. Das Buch ist zum 10-Jahr-Jubiläum des stationären Hospizes entstanden; der Verkaufserlös kommt dem Hospiz Aargau zu Gute. (SaS)

«Das Sterben ist in unserer Gesellschaft mit manchen negativen Attributen belegt und oft auch tabuisiert. So werden das Sprechen über Sterben und Tod und auch eine gute Betreuung in der letzten Lebensphase erschwert», schreibt Clemens Caspar, Chefarzt Onkologie Baden, in einem der ersten Kapitel – und kommt sogleich auf das Brugger Hospiz Aargau Palliative Care und dessen Gründerin, Luise Thut, zu sprechen. «Sie hat es geschafft, in vielen Menschen die Vision einer besseren Versorgung in der letzten Lebensphase einzupflanzen und die Sehnsucht danach wachzuhalten.» Ohne Luise Thut, die in den Achtzigerjahren durch das liebevoll begleitete Sterben einer amerikanischen Freundin auf das Hospiz aufmerksam wird, gäbe es eine solche Institution im Kanton Aargau nicht.

Die heute 87-Jährige ist sechzig, als sie sich einer Aufgabe verschreibt, an denen andere vielleicht zerbrochen wären. Der Gedanke, auch im Aargau ein Hospiz zu errichten, lässt die zierliche Frau mit den wasserhellen Augen nicht mehr los. Sie knüpft unermüdlich Beziehungen, etwa zur britischen Hospizpionierin Cicely Saunders und zur Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross, die zu wichtigen Wegbegleiterinnen werden; sie sieht sich unzähligen gesellschaftlichen und politischen Hürden gegenüber – doch kapitulieren? Niemals. Luise Thut wirbt mit Charme, Überzeugungskraft, Charisma, Bescheidenheit und nie erlahmender Hartnäckigkeit für das Hospiz.

Mit sieben Bekannten gründet sie 1994 den Aargauer Hospizverein zur Begleitung Schwerkranker; 2005 wird das Hospiz an der Reuss – das erste im Kanton Aargau – mit vier Betten in den Räumen des ehemaligen Klosters Gnadenthal in Niederwil eröffnet. 2010 zieht das Hospiz dann ins ehemalige Spital an der Fröhlichstrasse in Brugg um und mietet im 3. Stock Räume, um sechs Sterbende aufnehmen zu können; seit Januar 2015 verfügt die Institution über neun Betten.

Dies sind nur einige der vielen Eckdaten, die in einem mit Fotos reich illustrierten Buch erwähnt sind, das zweierlei ebenso sachkundig wie sensibel verbindet: Fakten sowie sehr persönliche Einsichten und Einblicke. Im Zentrum steht Luise Thut, die von den Autorinnen Erika Lüscher und Ursula Eichenberger in einem feinfühligen Porträt eingefangen wird. Im anschliessenden Interview fallen Sätze, die aufzeigen, was Triebfeder für Luise Thut war: «Der Glaube, dass wir unsere Ziele erreichen. Ich wusste: Da ist jemand, der dir hilft. Ich war nie allein. Oft denke ich, das Lieblingskind des Herrgotts zu sein. So fand ich Kraft und Mut, weiterzumachen.»

Neben der Hospiz-Gründerin kommen auch Weggefährten sowie Angehörige zu Wort, deren Liebste in der Obhut des Brugger Hospizes waren. Ihre berührenden Worte sind nicht etwa in einem Sonderkapitel aufgeführt, sondern ziehen sich gewissermassen als Endlosschlaufe durchs Buch. Die Gestalter lassen den Leser wählen: Will er die einzelnen Kapitel des Buches in einem Zug lesen oder zuerst Kontakt schliessen mit den Angehörigen und dabei merken, was die von Luise Thut bewunderte Engländerin Cicely Saunders als Kern der Hospiz-Idee so formuliert hat: «Es geht darum, den Tagen mehr Leben und nicht dem Leben mehr Tage zu geben.»