Lupfig
Energie: Die Wärmewende beginnt bei jedem zu Hause

Die Firma Stiebel Eltron Schweiz verkauft jährlich über 3000 Wärmepumpen und setzt über 50 Millionen Franken um. Die Zukunft liegt führ ihren Geschäftsführer im Verzicht auf fossile Energieträger.

Michael Hunziker
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Der «Energy Campus» verfügt auf rund 5500 Quadratmetern über Büro- und Lagerflächen, über einen Ausstellungsraum sowie über mehrere Schulungs- und Tagungsräume.

Der «Energy Campus» verfügt auf rund 5500 Quadratmetern über Büro- und Lagerflächen, über einen Ausstellungsraum sowie über mehrere Schulungs- und Tagungsräume.

Stiebel Eltron

Klimawandel, CO2-Ausstoss, Nachhaltigkeit: «Überall ist die Rede von der Energiewende. Bei uns sprechen wir aber von der Wärmewende», sagt Paul Stalder, Geschäftsführer der Stiebel Eltron Schweiz mit Sitz in Lupfig. Und die Wärmewende beginne bei jedem zu Hause.

Stalder muss es wissen, denn Stiebel Eltron hat sich einen Namen gemacht als Anbieter von Haus- und Systemtechnik mit Lösungen rund um das Thema erneuerbare Energien. In den Siebzigerjahren begann das Unternehmen als einer der ersten Hersteller mit der Entwicklung und Produktion von Wärmepumpen.

Stalder wird konkret: «Energiewende bedeutet, auf Atomstrom zu verzichten. Das heisst, der Stromverbrauch muss reduziert werden.» Bei der Wärmewende dagegen, fährt der Geschäftsführer fort, würde von den fossilen Energieträgern wie Erdöl, Kohle und Gas abgelassen. «Das ist der Weg in die Zukunft. Auch wenn unsere Wärmepumpen Strom brauchen: Wir haben gute Argumente, denn unsere Produkte sind hochwertig, energieeffizient und umweltfreundlich.»

Keine Wellenbewegungen

Bei den Wärmepumpen, fügt Stalder an, werde die Wärme effizient erzeugt. Sprich: «Mit einer Leistung Strom wird vier Mal Heizleistung produziert.» Die Geräte seien, nennt er die weiteren Vorteile, benutzerfreundlich und wartungsarm und beanspruchen wenig Platz. Der Hausbesitzer müsse weder Heizöl bestellen noch sich mit den entsprechenden Preisen auseinandersetzen. «Im Gegensatz zum Öl und zum Gas sind die Preise beim Strom sehr stabil. Der Kunde weiss, was er hat.»

Apropos Kunde: Die Wünsche und Anforderungen hätten zugenommen, weiss der Geschäftsführer. Beim Design, beim Service oder bei der Steuerung seien die Erwartungen gestiegen. Die Schweizer, das zeige sich jeweils bei Besuchern im Ausstellungsraum, seien in der Regel sehr gut informiert.

Unternehmen feiert Jubiläum

Genau 90 Jahre alt ist Stiebel Eltron. Seit 1978 ist das Unternehmen in der Schweiz tätig. Der Vertriebs- und Verwaltungssitz in Lupfig wurde im Herbst 2012 eingeweiht. Mit dem über 12 Mio. Franken teuren Gebäudekomplex konnte das Unternehmen seine Kapazitäten vervielfachen. Auf rund 5500 Quadratmetern verfügt der «Energy Campus» über Büro- und Lagerflächen, über einen Ausstellungsraum sowie über mehrere Schulungs- und Tagungsräume.

Wurden Anfang der Achtzigerjahre noch rund 100 Wärmepumpen verkauft und ein Umsatz von 2 Mio. Franken erzielt, sind es mittlerweile jährlich weit über 3000 Wärmepumpen und ein Umsatz von über 50 Mio. Franken. Mehr als 40 Mitarbeiter sind tätig im Innendienst, über 35 Berater und Servicetechniker sind ausser Haus im Einsatz.

Kurz: Die Nachfrage nach Wärmpumpen ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Die Stiebel-Eltron-Niederlassung in der Schweiz habe sich als wichtiger internationaler Partner einen Namen gemacht, habe viel Entwicklungsarbeit geleistet, eine Vorreiterrolle eingenommen und den Zeitgeist getroffen, stellt Stalder fest. Übrigens: Die Schweiz stand der Wämepumpen-Technologie schon früh offen gegenüber – ganz im Gegensatz zu Deutschland.

Derzeit allerdings sei im politischen und wirtschaftlichen Umfeld eine Instabilität zu spüren, vielerorts herrsche grosse Verunsicherung. «Alles spricht vom Wirtschaftswachstum», sagt der Geschäftsführer und ergänzt: «Das trifft aber nur für gewisse Branchen wie etwa Uhren, Pharma und Hightech zu, nicht aber unbedingt für das Baugewerbe.» Bedarf – gerade bei den Sanierungen – sei zwar vorhanden, da und dort würden aber Investitionen zurückgestellt. Deshalb müssten verstärkt auch andere Geschäftsfelder abgedeckt werden, etwa im Dienstleistungsbereich.
Hat voraussichtlich auch die Masseneinwanderungs-Initiative Auswirkungen auf das Unternehmen? «Ja», antwortet Stalder. «Bei den Servicetechnikern beispielsweise ist der Markt in der Schweiz ausgetrocknet.» Einige seiner Mitarbeitenden kämen aus Deutschland. «Sie verfügen über das nötige Fachwissen.»
Trotz Grösse familiär
Alles in allem bezeichnet Stalder die Zukunftsaussichten für Stiebel Eltron als intakt. Das Unternehmen sei gut aufgestellt. Ohne konkrete Zahlen oder Ziele zu nennen: Die Absicht sei es, weiter kontinuierlich zu wachsen. «Wir konnten viel erreichen. Selbstzufriedenheit ist aber fehl am Platz. Wir dürfen uns nicht zurücklehnen, müssen offen und innovativ bleiben.»
Trotz der Grösse sei Stiebel Eltron ein familiäres und sozial eingestelltes Unternehmen geblieben, fasst Stalder zusammen. Firmeninhaber Ulrich Stiebel nehme Anteil am täglichen Geschehen, sei bei verschiedenen Anlässen und besonderen Gelegenheiten immer wieder als Gast anwesend. «Das wirkt sich positiv auf die Stimmung aus.»