Bezirksgericht Brugg
Drogen liessen ihn die Folgen vergessen – Gerichtspräsidentin mahnt: «Allerhöchste Eisenbahn»

Ein junger Mann muss sich vor dem Bezirksgericht Brugg verantworten, weil er in seiner Vergangenheit so einiges angestellt hat.

Larissa Hunziker
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Bei einer Polizeikontrolle fanden die Einsatzkräfte beim Angeklagten auch ein Kokaingemisch. (Symbolbild).

Bei einer Polizeikontrolle fanden die Einsatzkräfte beim Angeklagten auch ein Kokaingemisch. (Symbolbild).

Keystone/MAGALI GIRARDIN

Fabian (Name geändert) ist erst 19 Jahre alt, hat aber bereits eine bewegte Zeit hinter sich. Aus dieser Zeit resultieren die Straftaten, für die er sich nun vor dem Bezirksgericht Brugg verantworten muss.

Zur Last gelegt wird ihm das mehrfache Führen eines Motorfahrzeugs ohne den erforderlichen Führerausweis, die Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch, die Verletzung der Verkehrsregeln, die mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und die Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz.

In mindestens sieben Fällen fuhr Fabian über eine gesamthafte Strecke von über 255 Kilometern ohne Billett Auto. Das Fahrzeug, das er lenkte, gehört seiner Ex-Freundin, mit der er in der Ostschweiz zusammenlebte. Von ihrem Wohnort aus unternahm er Fahrten in den Kanton Zürich sowie in die Region Brugg.

Bei einer Polizeikontrolle Ende Januar 2018 fanden die Polizisten bei ihm und seinem Mitfahrer auch noch ein Kokaingemisch. Die Fahrt zum Polizeikommando der Kantonspolizei Aargau und zur Staatsanwaltschaft legte er wiederum mit dem Auto seiner Ex-Freundin, mit der er ein Kind hat, zurück; immer noch, ohne ein Billett zu besitzen.

Seine Ex-Freundin, die vor Gericht als Zeugin aussagte und selber wegen Überlassens eines Motofahrzeugs an einen Führer ohne Führerausweis rechtskräftig mit einem Strafbefehl verurteilt wurde, verbot ihm schliesslich, ihr Auto zu benützen. Trotzdem nahm er den Ersatzschlüssel, den sie in der Wohnung aufbewahrte, und tätigte mehrere Fahrten in der Gegend.

Bei einer seiner Ausfahrten auf der Autobahn überschritt er die zulässige Höchstgeschwindigkeit zudem um 4 km/h und als er mit dem Postauto von Windisch nach Brugg fuhr, hatte er keinen gültigen Fahrausweis.

Clean durch kalten Entzug

Fabian bestreitet die Vorwürfe gar nicht erst. Er bestätigt ohne Umschweife, dass er gefahren ist, das Auto seiner Ex-Freundin trotz ihres Verbots benutzt hat und bei der Polizeikontrolle Kokain bei sich hatte. Doch er stellt klar, dass seine Straftaten Vergangenheit sind und er sich geändert hat.

Fabian spricht mit klarer Stimme, er ist adrett angezogen für den Gerichtstermin. Er sagt, er habe keine Ausbildung und auch keinen Job. Er machte zwar ein Praktikum in einem Altersheim, aber der Lehrvertrag kam dann wegen familiären Problemen nicht zustande. Heute lebt er von der Sozialhilfe und hat laut eigenen Aussagen «x Schulden».

Dazu kommt Fabians Drogensucht. Er gibt an, heute nicht mehr süchtig zu sein. «Ich habe einen kalten Entzug gemacht», sagt er. Die Frage von Gerichtspräsidentin Imobersteg, ob er bei guter Gesundheit sei, verneint er. Die Jobsuche und seine schwierige familiäre Situation machten ihm psychisch zu schaffen, sagt er. Momentan sei er aber dabei, abzuklären, ob ein stationärer Aufenthalt in der Klinik Königsfelden möglich sei.

Geld- statt Freiheitsstrafe

Fabians Anwalt hält sich in seinem Plädoyer nicht lange mit den Anklagepunkten der Staatsanwaltschaft auf, sie sind unbestritten. Der Beschuldigte sei heute geläutert und reuig, beginnt er. «Die Straftaten sind angemessen zu sanktionieren, aber ohne ein junges Leben und Familienglück zu zerstören.»

Während der Schwangerschaft seiner heutigen Ex-Freundin sei Fabian klar geworden, dass er seinen Lebenswandel ändern muss, was er auch getan habe. Er habe etwa sein Mobilitätsverhalten geändert, indem er heute ein Generalabonnement besitze. Fabians Anwalt fordert, es sei auf eine bedingte Freiheitsstrafe zu verzichten und stattdessen eine Geldstrafe auszusprechen.

Das Gericht folgt im Wesentlichen den Anträgen des Verteidigers. Es spricht Fabian in allen Punkten schuldig und verurteilt ihn zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 10 Franken bei einer bedingten Probezeit von vier Jahren. Dazu muss er eine Busse von total 850 Franken zahlen, die bei Nichtbezahlen in eine Ersatzfreiheitsstrafe umgewandelt wird.

Der Besitz des Generalabonnements und das Bewusstsein um seine Drogenproblematik würden für ihn sprechen, so das Gericht. «Es ist allerhöchste Eisenbahn, um Ihr Leben in den Griff zu bekommen und nicht mehr straffällig zu werden», appelliert Gerichtspräsidentin Imobersteg an Fabian. In seinem letzten Wort sagt er, durch die Drogen sei ihm nicht bewusst gewesen, dass er andere mit seinem Verhalten gefährde. Das habe sich nun geändert.