Mülligen
Diese Weihnachtsfeier lässt niemanden kalt

Die Schulkinder haben die «Zäller Wiehnacht» vor grossem Publikum aufgeführt. Dafür wurde in der Turnhalle extra eine Sternenwand aufgebaut.

Irene Hung-König (Text und Fotos)
Merken
Drucken
Teilen

Schon von weit her leuchten die mit grossen Sternen geschmückten Schulzimmer. Auf dem Schulhausplatz warten Eltern, Grosseltern, Geschwister und Freunde in der Kälte, bevor sie kurz vor 19 Uhr in die Turnhalle gehen dürfen. Der Andrang ist gross, Kleinkinder werden hochgehoben, damit sie in der Dunkelheit nicht verloren gehen. Von den Schulkindern gestaltete Kerzen säumen den Weg in die Turnhalle.

Das aus Trompetern und Saxofonisten bestehende Orchester spielt sich ein. Die musikalische Leiterin Margret Sohn gibt letzte Anweisungen. Die Gäste, die bereits auf ihren Plätzen sitzen, bestaunen die riesige Sternenwand, die seitlich der Haupttribüne aufgezogen wurde und vor deren Kulisse sich die Weihnachtsgeschichte abspielen wird.

Alle wollen sie Maria spielen

In Mülligen wird jedes Jahr Schulweihnacht gefeiert. «Als ich noch zur Schule ging, hatte es bedeutend mehr Platz auf der Bühne», erklärt ein Mann und lacht. Jetzt stehen da die 104 Kinder, vom Kindergärtler bis zur 6.-Klass-Schülerin und singen «Das esch de Stärn vo Bethlehem». Paul Burkhards «Zäller Wiehnacht» hat auch 56 Jahre nach dessen Erstaufführung nichts an Attraktivität verloren. Das aus acht Liedern bestehende Krippenspiel erzählt die Weihnachtsgeschichte in Zürcher Dialekt. Sie wird von den Kindern enthusiastisch vorgetragen. Die Texte sitzen, die Einsätze klappen.

Toll, wie sich die Kindergärtler ins Zeug legen und die Lieder klar vortragen. Manch einer wird während der rund einstündigen Darbietung allerdings von Müdigkeit übermannt und gähnt herzhaft.

Zäller Wiehnacht Zäller Wiehnacht
6 Bilder
Zäller Wiehnacht Zäller Wiehnacht
Zäller Wiehnacht Zäller Wiehnacht
Zäller Wiehnacht Zäller Wiehnacht
Zäller Wiehnacht Zäller Wiehnacht
Zäller Wiehnacht Zäller Wiehnacht

Zäller Wiehnacht Zäller Wiehnacht

Während der Chor auf der Hauptbühne singt, wird die Geschichte um die Geburt Jesu vor der Sternenwand gespielt. Die Mädchen streiten sich, wer Maria spielen darf. «Also gut, ich spiele die Frau von Herodes. Aber zuerst möchte ich wissen, wer den Herodes spielt.» Später wird dieses Mädchen goldbehangen neben «ihrem Mann» stehen und Befehle erteilen.

Vor dem Lied «Kei Muetter weiss, was ihrem Chind wird gscheh» erklärt Erzengel Gabriel Maria, was passieren wird. Die Voraussagen der Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar werden eintreffen. Jetzt warten sie auf den Stern des Messias, von dem sich die Kinder leiten lassen. Überzeugend auch, wie die Kinder Maria und Josef mit kaltem Blick wegweisen, als diese einen Unterschlupf suchen. Wie bei einem Pingpong-Spiel spielen sich die Kinder die fortlaufenden Sätze zu. Der Heiland ist geboren, die Hirten überlegen, was sie schenken könnten.

Während ganzer Woche geübt

Der tosende Applaus nach der Aufführung lässt die Kinder erstrahlen. Schulpflegepräsidentin Erika Füglister ist beeindruckt. «Ich habe Hochachtung vor der Leistung, die ihr gezeigt habt», sagt sie den Kindern. Zwischenzeitlich hätte sie gar Hühnerhaut gehabt. Während der ganzen Woche seien die Kinder mit den Vorbereitungen beschäftigt gewesen. «Aus jedem Zimmer erklangen die Lieder.» Am wärmenden Feuer, bei Tee und Zopf, stehen Erwachsene wie Kinder danach auf dem Schulhausplatz beisammen. Sie unterhalten sich über die gelungene Schulweihnacht und wünschen sich, später beim Abschied, frohe Festtage.