Umiken
Der neue Dorfpfarrer: «Ich möchte Brücken ins Leben bauen»

Der neue Pfarrer Wolfgang von Ungern-Sternberg ist einer, der Tradition und Moderne verbindet. «Ich hatte den Eindruck, dass ich lange genug im Elfenbeinturm tätig war», sagt er zum Wechsel aus dem universitären Betrieb in die Seelsorge.

Louis Probst
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Am 1.September hat Wolfgang von Ungern-Sternberg seine Arbeit aufgenommen, im November stellt er sich zur Wahl. Alex Spichale

Am 1.September hat Wolfgang von Ungern-Sternberg seine Arbeit aufgenommen, im November stellt er sich zur Wahl. Alex Spichale

Alex Spichale

«Sagen Sie einfach Sternberg», sagt Wolfgang von Ungern-Sternberg (43) freundlich lachend und bittet ins Pfarrhaus. Im August ist er mit seiner Frau Evelyn und den drei Kindern David (12), Rebecca (9) und Sarah (6) aus dem Zürcher Oberland nach Umiken gekommen. Inzwischen hat sich die Familie gut eingelebt. Am 1. September hat Wolfgang von Ungern-Sternberg seine Tätigkeit in der Kirchgemeinde Umiken aufgenommen. Im November wird er sich zur Wahl stellen.

«Wir sind unglaublich herzlich und liebevoll willkommen geheissen worden», stellt Wolfgang von Ungern-Sternberg fest. «Für uns war das ein wunderschönes Erlebnis. Wir haben auch sehr nette Leute in der Nachbarschaft.» Ihm sei in Umiken schnell aufgefallen, dass die Kirche lebt. Das sei nicht selbstverständlich. «Mein Vikariatsleiter hatte mir gesagt: ‹Das Schöne an einer Pfarrerstelle auf dem Land ist, dass die Leute einen Bezug zur Kirche haben›. Das habe ich kürzlich erfahren dürfen, als ich mit einem meiner Kinder unterwegs war und eine Frau freundlich zu ihrem Kind sagte: ‹Schau, das ist der neue Pfarrer›.»

Auf die Frage, ob er denn gewissermassen «theologisch vorbelastet» sei, entgegnet Wolfgang von Ungern-Sternberg: «Mein Grossvater mütterlicherseits war Pfarrer. Mein Vater Unternehmensberater.» In Heidelberg, wo er aufgewachsen ist, engagierte sich Wolfgang von Ungern-Sternberg beim «Christlichen Verein Junger Menschen» (CVJM). «Ich habe heute noch Freude an dieser Zeit», sagt er. «Ich hatte tolle Erlebnisse.»

In England studiert

Nach dem Abitur nahm Wolfgang von Ungern-Sternberg an der STH Basel, der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule, das Theologiestudium in Angriff. Dieses schloss er dann mit dem Master in Theologie ab. «Das Studium an der STH hat mir sehr zugesagt», erklärt Wolfgang von Ungern-Sternberg. «Ich habe dort bewusst Theologie studiert auf der Basis, dass die Bibel Gottes Wort ist. Und ich glaube, dass im Wort Gottes eine verändernde Kraft ist.»

In England, an der University of Oxford, setzte er seine Studien fort und schloss mit dem Master in Studies by Research ab. Anschliessend wirkte er als Assistent an der STH in Basel und nahm das Doktoratsstudium an der Universität Basel auf. Während fünf Jahren wirkte er als Prediger in der Chrischona-Gemeinde Rüti im Zürcher Oberland, wo er auch in der übergemeindlichen Jugendarbeit mitwirkte. In dieser Zeit schloss er sein Doktorat mit Magna cum laude ab.

Nach einer Weiterbildung an der Universität Basel und der Tätigkeit als Referent in Kirchen und Seminaren trat Wolfgang von Ungern-Sternberg im August 2014 ein Lernvikariat in der Reformierten Kirchgemeinde Winterthur-Wülflingen an.

«Näher bei den Menschen sein»

«Ich hatte den Eindruck, dass ich lange genug im Elfenbeinturm tätig war», sagt er zum Wechsel aus dem universitären Betrieb in die Seelsorge. «Es ist schön, wenn intensiv geforscht wird. Das hat auch alles seine Berechtigung. Ich habe jedoch den Wunsch verspürt, mehr ins Leben zu treten. Ich möchte näher bei den Menschen sein. Das hat mich dazu bewogen, mich für die Stelle in Umiken zu bewerben. Umiken hat mir vom persönlichen Kontakt her von Anfang an gefallen. Die Kirchenpflege war sehr freundlich und entgegenkommend, indem sie meiner Familie und mir ermöglicht hat, bereits auf Beginn des Schuljahres hierherzuziehen.»

Kirche ist nicht Freizeitbetrieb

«Ich möchte gerne Brücken ins Leben bauen», erklärt Wolfgang von Ungern-Sternberg. «Das Kunststück des Lebens liegt darin, gegensätzliche Dinge gleichzeitig zu tun und das am richtigen Ort. Gemeinde ist für mich ein Ort, wo gemeinsam gesucht und gefunden wird. Ein Ort, wo man sich gemeinsam auf die Suche macht und dazu die Bibel nutzt. Gemeinde ist für mich aber auch ein Ort, der Freude macht und an dem ich Dinge tun kann, die ich schon immer tun wollte. Kirche ist aber nicht einfach ein Freizeitbetrieb.Was wir tun, erhält dort einen geistlichen Mehrwert. Ein entscheidender Punkt für mich ist: Wenn ich in der Bibel lese, spricht Gott. Ich habe auch erfahren dürfen, dass innerhalb der Landeskirche und innerhalb einer Gemeinde verschiedene Formen möglich sind, das Evangelium zu verkündigen.»

Dass er als Pfarrer von Umiken an verschiedenen Orten Gottesdienste halten wird, sieht er denn auch als Chance, sowohl traditionelle als auch moderne Formen des Gottesdiensts zu wählen.

«Meine Funktion ist aber auch eine zuhörende», stellt Wolfgang von Ungern-Sternberg fest und erzählt spontan von einem Besuch bei einem älteren, seit vielen Jahre verheirateten Paar. «Auf meine Frage nach dem Rezept für die lange, gute Ehe, meinte die Frau: ’Eines von beiden muss jeweils schweigen können’. Zweifellos eine Erkenntnis, die sich auch in einem Ehehandbuch gut machen würde.»

Verbindet Geocaching und Bibel

Wichtig ist Wolfgang von Ungern-Sternberg auch ein guter Zugang zu den Jugendlichen. Dabei kommt ihm nicht nur die Erfahrung mit seinen Kindern zugute. «Gerade heute haben mein Sohn David und ich gemeinsam ein Ikea-Bett montiert», meint er lächelnd. «Es ist spitze, wenn Sohn und Vater gemeinsam etwas machen.» Für eine biblisch orientierte, lebensnahe und verständliche Verkündigung des Evangeliums im Konfirmandenunterricht setzt er zuweilen auch auf neueste technische Mittel. Beispielsweise aufs Geocaching zur Vermittlung der biblischen Geschichte.

«Ich kann mir den Fachakademiker manchmal nicht ganz verkneifen», räumt Wolfgang von Ungern-Sternberg ein und verrät sein Lieblingsthema, den Stern von Bethlehem, zu dem er eine multimediale Präsentation auf der Basis einer wissenschaftlich abgestützten Theorie entwickelt hat.

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