Brugg

Das etwas andere Altersturnen

Tanzen, singen, Ball spielen: So macht Bewegung im Alter Spass

Die körperlichen Übungen bestehen aus mehreren Bewegungsabläufen, die im Rhythmus zu improvisiert gespielter Musik ausgeführt werden.

Für die Region Aargau-Solothurn wird der einzige Seniorenrhythmik-Kurs im Kulturhaus Odeon angeboten. Die Übungen sind spielerisch.

Auf dem Klavier wird eine Melodie gespielt, neun Seniorinnen bewegen sich im Rhythmus frei durch den Raum. Sie übernehmen den Takt, gehen vor, zurück und zur Seite. Der Rhythmus wird schneller. Die Seniorinnen passen sich an, versuchen mitzuhalten. Gleichzeitig müssen sie darauf achten, dass es keine Kollisionen gibt. Das gelingt nicht immer, die Frauen lachen. Die Stimmung in der Gruppe ist gelöst. Hier im Forum des Kulturhauses Odeon in Brugg treffen sich die Frauen einmal wöchentlich zur Seniorenrhythmik.

Seniorenrhythmik ist eine Musik- und Bewegungsintervention. Entwickelt wurde diese zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Emile Jaques-Dalcroze in Genf. Die körperlichen Übungen bestehen aus mehreren Bewegungsabläufen, die im Rhythmus zu improvisiert gespielter Musik ausgeführt werden. Die Verbesserung der Bewegungsfreiheit reduziert nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die altersbedingt zunehmende Sturzgefahr.

«Treiben lassen»

Der Verein Erwachsenen- und Seniorenrhythmik nach Dalcroze bietet an verschiedenen Orten in der Schweiz solche Kurse für Senioren an. In der Region Aargau-Solothurn ist das Angebot in Brugg bisher das einzige. Die Teilnehmerinnen kommen aus Villigen, Hausen, Brugg, Windisch oder Aarau. Sie schätzen die Gemeinschaft.

«Der soziale Aspekt ist wichtig, es ergeben sich Freundschaften», sagt Patrizia Colombo, die die Seniorenrhythmik unterrichtet. Seit 2015 bieten die beiden Kursleiterinnen Patrizia Colombo und Katrin Ott das Angebot in Brugg an, gerne möchten sie es ausbauen. Colombo und Ott sind Rhythmikerinnen, sie haben am Konservatorium studiert. Gesundheitsbedingt gibt es zwar immer wieder Abgänge bei den Teilnehmenden, aber einige Frauen sind seit mehreren Jahren oder gar seit dem Start dabei.

Die Seniorinnen führen die Bewegungsübungen im Forum Odeon mit viel Freude aus.

Die Seniorinnen führen die Bewegungsübungen im Forum Odeon mit viel Freude aus.

Die Musik erleichtere die Übungen und mache alles beschwingter, spielerischer, finden die Rhythmiklehrerinnen. Wenn man von der Wirkung überzeugt ist, lohnt es sich auf alle Fälle, sagen die Seniorinnen. «Ich kann mich treiben lassen und muss nicht viel nachdenken», sagt eine von ihnen.

«Ich habe fast Angst vor meinem Körper»

Eine ältere Dame ist zum ersten Mal da. Der Grund sind gesundheitliche Beschwerden. «Der Körper macht plötzlich mit einem, was er will. Ich habe beinahe Angst vor ihm.» Die Rhythmik soll helfen, Blockaden zu lösen. «Ich bin noch nie gestürzt, seit ich in den Kurs komme», sagt eine Teilnehmerin stolz. Eine andere findet: «Durch den Kurs ist mir bewusster, dass ich nicht mehr alles so leicht kann. Das macht vieles einfacher.»

Wenn Bewegungen nicht möglich sind oder der Takt nicht stimmt, ist das nicht schlimm. Im Zentrum steht die Freude. Beim Lied «Yellow Submarine» von den Beatles haben alle Spass. Im Rhythmus der Musik werfen sich die Seniorinnen Bälle zu, sie bilden eine Passage, durch die alle Frauen paarweise schreiten. «Klatschen, bitte», sagt eine Seniorin und strahlt wie eine Königin.

  • Die Kurse stehen allen Interessierten ab 60 offen, auch Männer sind willkommen. Sie finden jeden Montag von 14.15 bis 15.05 Uhr im Odeon Brugg statt. Erfahrung ist keine nötig.
  • Vortrag: Am 18. November um 15 Uhr hält Martin von Arx vom Vereinsvorstand einen Kurzvortrag im Odeon zum Thema Sturzprävention. Zusätzlich wird eine Schnupperlektion angeboten.

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