Coronakrise
Für diesen Brugger ist Vertrauen die einzig gültige Währung in einer Pandemie

Der ehemalige Unternehmer Richard Fischer wurde am Freitag nach dem Besuch auf dem Bundesplatz verhaftet, nachdem er wiederholt das Gespräch mit den Parlamentariern gefordert hatte. Es folgte eine Hausdurchsuchung im Aargau. Nun will er seine Pistole zurück.

Claudia Meier
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Richard Fischer gibt Co-Parteipräsidentin Mattea Meyer von der SP am Montagnachmittag, 15. März, Blumen für den Bundesrat mit.

Richard Fischer gibt Co-Parteipräsidentin Mattea Meyer von der SP am Montagnachmittag, 15. März, Blumen für den Bundesrat mit.

Bild: zvg

Der ehemalige Bauunternehmer Richard Fischer aus Brugg bezeichnet sich in den sozialen Medien seit Jahren als Freidenker mit sozialliberalem Gedankengut und als Kämpfer gegen korrupte Machenschaften sowie ökologischen Irrsinn. Alle paar Jahre setzt er sich – meist medien- und publikumswirksam – in Szene: Sei es als Teil des Bürgerforums «Ein neues Gesicht für Brugg», als widerspenstiger Kleinaktionär an der Generalversammlung der Credit Suisse, als Kritiker des Verteidigungsdepartements, das für 558 Millionen Franken rund 2200 Duro-Lastwagen nachrüsten wollte, als Stadtammann-Kandidat in Brugg oder wie vergangene Woche bei Auftritten auf dem Bundesplatz in Bern.

Während der Frühjahrssession setzte der 70-Jährige am Montagnachmittag, 15. März, vor dem Bundeshaus ein neues Ausrufzeichen mit Bezug zur Coronakrise.

Richard Fischer (l.) mit SVP-Nationalrat Andreas Glarner.

Richard Fischer (l.) mit SVP-Nationalrat Andreas Glarner.

BIld: zvg

Er forderte den Bundesrat und alle Parlamentarier dazu auf: «Schützen Sie erfolgreich mit der Ihnen anvertrauten Macht Ihre Schweizer Bevölkerung!» Nähe und beherzter Dialog schafften Vertrauen und seien die einzig gültige Währung in der Pandemie. Er liess sich mit SVP-Nationalrat Andreas Glarner fotografieren.

SP-Co-Präsidentin nahm Fischers Blumen mit

Als er von der Polizei darauf hingewiesen wurde, dass während der Session Demonstrationen auf dem Bundesplatz verboten sind, brach er die Übung ab. Die Blumen, die er für den Bundesrat dabei hatte, gab er SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer mit ins Bundeshaus.

Doch Richard Fischer konnte es nicht bleiben lassen. Er schickte allen Parlamentariern eine E-Mail, mit einem langen Gedicht. Darin hiess es: «Am Freitag ab 07:00 reich ich Ihnen zum letzten Mal die Hand, ich hoff, das klappt, sonst zieh ich über mein Kämpfer-Gewand.»

Am Freitagmorgen früh fuhr er mit dem Auto erneut nach Bern und suchte auf dem Bundesplatz das Gespräch mit Parlamentariern. Als ehemaliger Unternehmer hätte er ein paar Ideen, wie man die Pandemie in den Griff bekommen könnte.

Die Polizei bringt ihn zur Bank und durchsucht sein Haus

Wie Fischer gegenüber Tele M1 sagte, wollte er den Entscheidungsträgern, die eine schwere Aufgabe zu meistern haben, auch mal den Dank aussprechen. Man müsse nicht mit allem einverstanden sein und verschiedene Meinungen zulassen. Nur gemeinsam könne man diese Krise meistern.

Richard Fischer aus Brugg wurde am Freitagmorgen, 19. März, kurz nach 7 Uhr auf dem Bundesplatz in Bern verhaftet.

Richard Fischer aus Brugg wurde am Freitagmorgen, 19. März, kurz nach 7 Uhr auf dem Bundesplatz in Bern verhaftet.

Bild: zvg

Obwohl er sich an die strengen Vorgaben gehalten und keine Flyer mehr verteilt habe, nahm ihn die Polizei fest, nachdem er einen Nationalrat angesprochen habe. Hautnah miterlebt hat die Verhaftung der Aargauer SVP-Nationalrat Thomas Burgherr, der kein Verständnis dafür hatte.

Fischer will nirgends mehr für ein Amt kandidieren

Per Verfügung wurde Fischer bis am Samstag um Mitternacht vom Bundesplatz weggewiesen. Die Polizei führte ihn nach Brugg, wo sie zuerst die Pistole aus dem Banksafe abholte und danach Fischers Haus durchsuchte, aber nichts Verdächtigtes feststellte. Die Pistole wolle er wieder zurück, sagt der 70-Jährige.

Er gibt zu, dass er hartnäckig das Gespräch mit den Politikern suchte. Die Reaktion der Polizei zeige aber auch, wie angespannt die Situation sei. Der Brugger will seine Ideen noch immer mit den Politikern diskutieren, plant aber keine weiteren Aktionen. Er werde auch nirgends mehr für ein Amt kandidieren, sagt Fischer auf die Frage, ob es Zufall sei, dass er in Wahljahren besonders aktiv ist.