SchoggiEgge
Corona bremste die Mönthaler Caterer aus – nun setzen sie auf frische Schweizer Schokolade

Ihr Catering-Betrieb kam zum Erliegen. Sandra und Jürg Binder aus Mönthal konzentrieren sich nun auf ihre SchoggiEgge.

Michael Hunziker
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Sandra und Jürg Binder haben in diesem Jahr neu ihren SchoggiEgge eingerichtet an ihrem Geschäftssitz.

Sandra und Jürg Binder haben in diesem Jahr neu ihren SchoggiEgge eingerichtet an ihrem Geschäftssitz.

mhu (20. November 2020

Aufgestellt und voller Tatendrang wirken Sandra und Jürg Binder an diesem Morgen. Den beiden ist die Begeisterung für ihre Arbeit so richtig anzusehen. Allerdings: Dieser können sie momentan nur sehr eingeschränkt nachgehen. Ihr Catering-Betrieb in Mönthal ist coronabedingt zum Erliegen gekommen.

Begonnen hatte das Jahr 2020 vielversprechend: «Wir waren komplett ausgebucht», erzählt Jürg Binder bei einem Kaffee am Geschäftssitz von JB Catering. Doch just nach den Betriebsferien im Februar kam der Lockdown. Binders mussten schliessen, der Umsatz brach zusammen. In den Sommermonaten fanden – immerhin – die angesetzten Hochzeiten statt. Aber für die Firmenanlässe, die in diesen Wochen von November bis Januar geplant waren, traf eine Absage nach der anderen ein. «Vor allem die grossen Aufträge haben wir verloren. Die Unsicherheiten und Ängste sind zu stark», stellen Sandra und Jürg Binder nüchtern fest.

SchoggiEgge-Holzbrettli und -Holzkisten sind ein Renner

Die Caterer beschlossen, sich auf ihren SchoggiEgge zu konzentrieren, die sie in diesem Jahr neu eingerichtet haben in Mönthal. Als sie die Türen über Ostern erstmals öffneten, seien sie regelrecht überrannt worden, blickt Jürg Binder zurück. «Viele kauften gleich für 100 Franken ein. Die Solidarität war riesig.» Der 52-jährige Unternehmer hat ein eigenes Logo sowie Verkaufswagen aus Holz kreiert. Diese kann er in verschiedenen Geschäften – «mittlerweile haben wir sieben kleine Aussenstellen» – platzieren.

Ein Renner seien die Firmengeschenke: Holzbrettli in verschiedenen Grössen oder ganze Holzkisten mit einer erlesenen Auswahl feinster Schweizer Bruchschokolade: ob mit Mandeln, Pistazien oder Nüssen, Pfefferminz, Äpfeln oder Zimt, Brombeerbröseln, Weintrester oder Blutorangenflocken. «Viele Firmen, die ihre Weihnachtsanlässe absagen mussten, wollen ihren Mitarbeitenden und Kunden etwas bieten.»

Den Grundstein legte er mit Bäcker-Konditor-Lehre

Jürg Binder ist in der Lebensmittelbranche tätig, seit er 15 Jahre alt ist. Ursprünglich lernte er Bäcker-Konditor, wechselte später in die Gastronomie, absolvierte die Hotelfachschule, begann mit dem Aufbau des eigenen Catering-Unternehmens. Vor gut zehn Jahren beschloss er, voll auf dieses zu setzen, mietete das Ladenlokal in Mönthal, wo er mit seiner Frau Sandra seit rund 19 Jahren wohnt. Die beiden richteten die Räumlich­keiten neben der Gemeindeverwaltung an der Hauptstrasse eigenhändig nach ihren Vorstellungen ein mit Küche, Kühlzelle sowie Büro. Der Betrieb florierte. «Wir konnten wachsen, waren sehr zufrieden», fassen sie zusammen.

Worauf führen sie ihren Erfolg zurück? «Wir machen alles mit Herzblut, kochen alles frisch», antwortet Jürg Binder. Zudem seien sie ein Gesamtanbieter. JB Catering liefert alles vom Teller und Kaffeelöffel über den Tisch und Stuhl bis zum Festzelt, kümmert sich um das erste persönliche Beratungsgespräch und die Offerte, den Einkauf und die Zubereitung der Speisen sowie die Musikauswahl und die Dekoration. Auf Letztere richten Binders besonderes Augenmerk. «Wir versuchen stets, etwas Spezielles zu bieten. Das ist unsere Stärke, dafür erhalten wir viele Komplimente.» Es könne einmal urchig sein, einmal edel, oft komme Holz zum Einsatz, aber keine Wegwerfartikel.

Ideale Grösse – weiter wachsen ist nicht das Ziel

Tätig sind Binders in der ganzen Deutschschweiz, hauptsächlich im Raum Baden und Brugg. Bei grossen Anlässen – einer Hochzeit etwa mit 300 Gästen am Apéro und 150 Personen am Nachtessen – können sie auf bis zu 30 Mitarbeitende zählen. «Das ist aber unsere Obergrenze.» Eine Veranstaltung bestreiten die beiden pro Woche, manchmal zwei. «Mehr geht nicht. Dann arbeite ich jeden Tag durch», sagt Jürg Binder. Sein Betrieb habe eine ideale Grösse, weiter wachsen möchte er nicht. «Ich liebe die Viel­seitigkeit. Ich möchte nicht nur acht Stunden am Tag in einer Küche stehen, aber auch nicht nur acht Stunden im Büro sitzen.»

Bekannt sind Binders für ihr Apéro-Catering. Für die Canapés stellen sie bis zu 25 Aufstriche her. Daneben sind bei ihnen ein Basilikum-Limonen-Risotto sowie ein Kalbsfilet an Morchelsauce mit Knöpfli und Rüebli genauso zu haben wie Antipasti oder Chicken Satay mit Thaireis. «Unsere Kunden wollen sehr gut essen, erwarten eine Top-­Qualität, brauchen aber keinen Schnickschnack.» Vieles wird gleich am Buffet gekocht. «Dabei entwickeln sich gute Gespräche, die Leute lernen auch Neues kennen.»

Enttäuscht ist er über die fehlende Unterstützung

«Wir haben viel investiert und den Betrieb erneuert», fasst Jürg Binder zusammen. «Und jetzt steht alles still. Das ist schon frustrierend.» Bis im Frühling des kommenden Jahres, rechnet er, werde er voraussichtlich nicht als Caterer arbeiten können und rund 70'000 Franken verlieren. «Wir kämpfen um unsere Existenz.» Der Unternehmer schrieb Bekannte an, verteilte Flyer im Dorf, bat um Hilfe. «Es geht nicht ums Jammern. Aber es geht nicht anders. Wir sind froh um jede Unter­stützung, um jeden Franken, damit wir diese Krise überstehen können.»

Enttäuscht, daraus macht Binder keinen Hehl, sei er gewesen vom Bundesrat, der Bürokratie. «Unsere Branche ging vergessen, den reinen, professionellen Caterern wurde kaum geholfen, obwohl unser Verdienst auf null sank. Wir haben keine Lobby.» Er sei seit 27 Jahren selbstständig, habe alles selber erarbeitet. «Das sausen zu lassen, täte weh.» Ausserdem stelle sich in seinem Alter die Frage, was danach komme.

Jürg Binder hofft nun, dass mit der Hochzeitssaison im kommenden Sommer wieder ein Stück Normalität einkehren wird. Bei den Firmenanlässen aber, vermutet er, werde es länger dauern, bis das Vertrauen wieder hergestellt, die Verunsicherungen aus dem Weg geräumt seien. «Irgendwie müssen wir uns durchschlängeln. Anders lässt sich die Situation nicht bewältigen.»